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EM-Aus für die Schweizer Handballer: Sie kamen, um zu lernen

Dimitrij Küttel, Lukas von Deschwanden, Nikola Portner und Andy Schmid (von links)  verabschieden sich von den Fans in Göteborg.

Dimitrij Küttel, Lukas von Deschwanden, Nikola Portner und Andy Schmid (von links) verabschieden sich von den Fans in Göteborg.

Die Schweizer Handball-Nationalmannschaft um Andy Schmid verliert das letzte Vorrundenspiel gegen Slowenien 25:29.

Tränen, Wut, Trauer? Nein. Wieso auch? Klar, das Abenteuer ist zu Ende. Heute sitzen sie im Flieger nach Hause, werden am frühen Abend in Zürich landen. Während der gestrige Gegner Slowenien den Parcours fortsetzen darf. Aber die Schweizer Handballer sind intelligent genug, um die Sache richtig einzuschätzen. «Wir wissen, woher wir kommen», sagt Torhüter Nikola Portner. Und zwar von ganz unten, wie Trainer Michael Suter, der das Nationalteam vor dreieinhalb Jahren übernommen hat, auch jetzt betont. «Nun spielen wir im Konzert der Grossen. Ich bitte um Verständnis, dass wir auf diesem Level nicht jedes Spiel gewinnen können», sagt der Trainer.

Einen Sieg mit acht Toren Differenz hätte die Schweiz benötigt, um in die Hauptrunde einzuziehen. Also, ein Wunder. Ein geschichtsträchtiges Ereignis. Und das gegen Slowenien. Ein Schwergewicht in der Szene. Bronzemedaillengewinner an der WM 2017.

Was der grösste Unterschied zwischen der Schweiz und Slowenien sei, wird Trainer Ljubomir Vranjes gefragt: «Wir haben etliche Spieler, die Erfahrung in der Champions League haben, die bei den grössten Klubs Europas engagiert sind.» Die Schweiz hat nur zwei: Andy Schmid und Nikola Portner. «Die Slowenen sind einfach viel weiter als wir, eigentlich Vorbilder für unseren Weg», sagt Luka Maros. «Aber wir wollen mehr. Unser Ziel ist es, dass wir Teams dieser Güteklasse in Zukunft häufiger bezwingen.»

Enttäuscht: der Schweizer Topscorer Andy Schmid nach der Niederlage gegen Slowenien.

Enttäuscht: der Schweizer Topscorer Andy Schmid nach der Niederlage gegen Slowenien.

«Andy, mach du!» – oder das unschöne Déjà-vu

Die Hoffnung auf das Wunder von Göteborg schwindet früh. Die erste Halbzeit ist ziemlich ernüchternd. Beste Chancen am Kreis werden ausgelassen. Und mit jedem Fehler verflüchtigt sich der Glaube in die eigenen Fähigkeiten, traut sich ausser Schmid kaum einer mehr, in den Abschluss zu gehen. Es ist, als würden die Schweizer vergangene Zeiten aufleben lassen, als sich alle hinter dem Ausnahmekönner versteckten. Aber weil auch Schmid nicht makellos agiert, ihm in Unterzahl zwei Abspielfehler in Folge unterlaufen, was den Slowenen zwei «billige» Treffer ermöglicht, liegt die Schweiz in der 23. Minute 6:12 im Rückstand. Man musste eine Bruchlandung befürchten, wie sie die Schweizer im Startspiel gegen Schweden (21:34) erlitten haben.

, resümiert Portner. Immerhin gelingt es Suter, die Mannschaft zu stabilisieren. Und nach der Pause ist es nicht mehr nur Schmid, der trifft. Auch Küttel, Rubin und Maros reüssieren. Und spät, in der 41. Minute, gelingt Meister endlich das erste Tor vom Kreis.

Die Leistungssteigerung war essenziell. Eine Kanterniederlage zum Abschluss – und es ist halt häufig der letzte Eindruck, der hängen bleibt – hätte das Bild, das diese Mannschaft in Göteborg abgegeben hat, verfälscht. Oder wie es Suter sagt: «Wir haben den Handball in der Schweiz wieder zum Leben erweckt. Das macht mich stolz, darauf habe ich zwölf Jahre hingearbeitet.»

Die Highlights des Spiels Schweiz-Slowenien:

Schweiz - Slowenien 25:29 (10:16)

Göteborg. - 6731 Zuschauer. - SR Pavicevic/Raznatovic (MNE). - Torfolge: 0:1, 2:1, 2:3, 4:4, 4:6, 5:6, 5:8, 6:8 (19.), 6:13 (24.), 10:16; 12:16, 13:17, 13:19, 16:21, 16:23, 17:24, 19:24, 19:25, 21:25, 21:27, 23:27, 25:29. - Strafen: 3mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 2mal 2 Minuten gegen Slowenien.

Schweiz: Portner (7 Paraden)/Bringolf (für 1 Penalty); Schmid (8/3), Meister (2), Rubin (3), Svajlen, Lier (3), Sidorowicz, Raemy (1), Röthlisberger, Küttel (2), Maros (4), Tominec, Gerbl (1), Milosevic (1).

Slowenien: Ferlin/Kastelic (ab 49.); Blagotinsek (1), Henigman (4), Janc (4), Dolenec (4/3), Cehte (2), Kodrin (1), Zarabec (6), Sostaric (3), Zabic (2), Ovnicek (1), Mackovsek (1).

Bemerkungen: Schweiz ohne von Deschwanden (nicht eingesetzt) und Novak (überzählig). Schmid verschiesst Penalty (55./22:27), verwandelt Nachschuss.

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