NHL

Zwischen Höhen- und Tiefflug: So unterschiedlich sind Timo Meier und Nino Niederreiter in die Saison gestartet

Acht Tore in elf Spielen: Timo Meier (San Jose Sharks) gegen Null Tore in zehn Spielen: Nino Niederreiter (Minnesota Wild).

Acht Tore in elf Spielen: Timo Meier (San Jose Sharks) gegen Null Tore in zehn Spielen: Nino Niederreiter (Minnesota Wild).

Während Timo Meier einen Traum-NHL-Saisonstart erlebt, kann Nino Niederreiter nur das Gegenteil behaupten. Mit acht erzielten Toren ist Meier auch der Schweizer, der bisher am meisten getroffen hat.

Vielleicht ist Nino Niederreiter der Knopf in der Nacht auf heute ja aufgegangen. In Vancouver bestritten die Minnesota Wild ihr elftes Saisonspiel. In den ersten zehn Partien hat der Churer bisher vergeblich auf ein Erfolgserlebnis gewartet. Der Flügelstürmer erlebt einen sehr schwierigen Start in die neue Meisterschaft.

Allein die Tatsache, dass er total erst 15-mal – davon siebenmal in einem einzigen Spiel – aufs gegnerische Tor geschossen hat, sagt viel aus über die Probleme des 26-Jährigen. Denn wie soll man ins Schwarze treffen, wenn man so selten überhaupt in eine gute Abschlussposition kommt?

Dabei hatte sich Nino Niederreiter so viel vorgenommen. Die letzte, von Verletzungspech geprägte NHL-Saison wollte er vergessen machen. Und beweisen, dass er seinen mit jährlich 5,25 Millionen US-Dollar dotierten Vertrag wirklich wert ist. Zumal er nach dem Gewinn der WM-Silbermedaille mit der Schweizer Nationalmannschaft im Mai in einem mentalen Hoch in die Sommerpause gehen durfte.

Doch bisher lief es überhaupt nicht wie gewünscht. Wild-Headcoach Bruce Boudreau hat sich Niederreiter auch schon zur Brust genommen und ihm geraten, dass «er nicht zu viel nachdenken soll». Aber das ist einfacher gesagt als getan. Besonders bei einem so gewissenhaften Profi wie dem Bündner.

Der sagt: «Offensichtlich willst du erfolgreich sein und gutes Hockey spielen, aber manchmal gerätst du irgendwie in den eigenen Kopf und willst sicherstellen, dass du alles richtig machst. Aber manchmal sollte man eben einfach spielen, ohne viel nachzudenken.»

Timo Meier als Vorbild

Vielleicht sollte er sich ein Vorbild an Timo Meier nehmen. Der Appenzeller erlebte vor Jahresfrist einen ähnlich komplizierten Saisonstart wie jetzt Niederreiter. Nach 16 Spielen hatte er erst ein Tor auf dem Konto, nach 24 deren zwei. Und begann zu zweifeln. Am Ende der Qualifikation hatte er dann aber 21 Treffer vorzuweisen. Und jetzt ist Meier mit acht Toren aus elf Spielen herausragend in die neue Kampagne gestartet.

Damit gehört er – Stand Montag – zu den zehn besten Goalgettern der ganzen NHL. Der kräftige Flügelstürmer hat sich im Team der San Jose Sharks als einer der Leistungsträger etabliert und glänzte zuletzt mit dem entscheidenden Treffer in der Verlängerung beim 4:3-Sieg gegen Anaheim. Vor dem gegnerischen Tor stocherte er den Puck nach hartnäckigem Nachsetzen über die Linie.

Timo Meier tat damit exakt das, was eigentlich bisher Nino Niederreiters Kernkompetenz war: Zug aufs gegnerische Tor ohne Rücksicht auf Verluste. Der 21-Jährige sieht den Hauptgrund für seinen derzeitigen Lauf auch auf mentaler Ebene.

Nachdem er vor einem Jahr mehrheitlich in der dritten oder vierten Sturmlinie eingesetzt worden war und ständig mit der Angst leben musste, plötzlich ins Farmteam oder auf die Tribüne geschickt zu werden, erhält er heuer von Sharks-Headcoach Peter DeBoer viel Vertrauen und darf mit den besten Offensivkräften der Haie spielen.

«Ich denke, dass ich gezeigt habe, was ich kann. Ich habe auf jeden Fall mehr Selbstvertrauen», sagt Meier. Ein Satz den auch Nino Niederreiter gerne sagen würde.

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