Darin sind sich alle einig: Die Playoffs sind die schönste Zeit des Jahres. Mehr noch: Die K.o.-Phase gilt, dies quasi als Ehrerbietung, als 5. Jahreszeit. In dieser Phase muss man keinen Spieler speziell motivieren. Für diese – im Vergleich mit der endlos langen Qualifikation – kurze aber umso intensivere Zeit gibt jeder Akteur das Hinterletzte, er zerreisst sich für die Mitspieler wie für die Fans gleichermassen. Es ist auch die Zeit, in welcher sich die Mannschaften in- und auswendig kennen und deshalb packende Duelle warten auf dem Eis. Details entscheiden die Spiele – normalerweise.

All das hatte man sich aufseiten des EHC Olten auch von der Serie gegen Ajoie erhofft. Als vermeintlich stärkere Mannschaft war man in die Serie gegen die Jurassier gestiegen, als jene mit mehr Möglichkeiten und der grössern Breite. Nicht erst seit dem Freitagabend und der vernichtenden 1:6-Schmach in Pruntrut muss auch der letzte Optimist konstatieren: Von diesen (eigenen) Ansprüchen könnte man weiter kaum entfernt sein. Dabei hatte man nach der bereits schwachen Vorstellung vom Dienstag keine Möglichkeit ausgelassen zu betonen, dass am Freitag ein anderer EHC Olten zu beobachten sein würde. Einer, welcher Emotionen ins Spiel bringt, sich gegenseitig unterstützt – und damit die Grundlage schafft, damit man den Kopf in dieser schwierigen Serie gegen Ajoie noch irgendwie aus der Schlinge ziehen kann.

Das Kaninchen vor der Schlange

Die ersten Minuten in Spiel 4 hätten einen denn auch beinahe dazu verleiten lassen, zu glauben, dass die Oltner genau dies auch tatsächlich schafften. Dabei spielte ihnen der Verlauf zusätzlich in die Karten: Nachdem sie eine Druckphase der Gastgeber schadlos überstanden hatten, schlug Schnyders Geschoss nach einem Bully in der entfernten hohen Ecke ein. Grünweiss jubelte – zum einzigen und letzten Mal an diesem Abend. Denn in den nächsten gut 25 Minuten folgte die Zerlegung der Oltner.

All die Vorsätze, mit welchen das Team von Heikki Leime mit Bestimmtheit in die so wichtige Partie gestartet war, verpufften innert kürzester Zeit. Blutleer agierten die Gäste, kraftlos, ein wenig wie das Kaninchen vor der Schlange. Vor allem dann, wenn die Paradelinie der Jurassier Anlauf nahm. Bereits in den ersten drei Partien hatten Barras, Devos und Hazen sieben der zehn HCA-Treffer erzielt, am Freitagabend hatten sie gar bei jedem der sechs Treffer den Stock im Spiel und überforderten die Gäste Mal für Mal. Blitzschnell, trickreich und pucksicher setzte sich das Trio in praktisch jedem Einsatz in der Zone der Oltner fest. Sie schnürten die Gäste bei fünf gegen fünf regelrecht ein, und sie nutzten die Chancen im Powerplay konsequent aus. Simon Schnyder ortete denn auch den ersten Überzahltreffer des HC Ajoie als Knackpunkt. «Dieser gab ihnen noch mehr Aufwind, wir hingegen fielen danach völlig auseinander. Dabei hatten wir uns», so Schnyder, «extrem viel vorgenommen.»

«Wir können zurückkommen»

Wenn es der 1:6-Schlappe irgendetwas Positives abzugewinnen gibt, dann ist es die zweite Spielhälfte. Schnyder: «Da haben wir uns zusammengerafft und ein einigermassen ordentliches Spiel abgeliefert.» Doch auch der Verteidiger weiss genau, dass man sich ein derartiges Nachlassen, wie das nach dem ersten Gegentreffer geschah, nicht mehr leisten kann. «Wir sind uns bewusst, dass jene Leistung, welche wir in den letzten Spielen abgeliefert haben, absolut nicht ausreicht.» Wars das also in Sachen Playoffs 2016 für den EHCO? «Nein!», reisst Schnyder die Augen weit auf. «Wir können zurückkommen.» Doch die Zeit drängt, bereits morgen Sonntag (18.15 Uhr) stehen sich die beiden Mannschaften im Kleinholz erneut gegenüber. «Das kann für uns nur ein Vorteil sein», sagt Schnyder. «Nach einer solchen Leistung kann der nächste Versuch nicht schnell genug kommen.»

Das Spiel zum Nachlesen in unserem Liveticker: