Eishockey NLA
Nur Ambri hat nichts zu verlieren - Der Kampf um die Playoffs geht in die alles entscheidende Phase

Langnau ist theoretisch noch nicht durch, wird es aber schaffen. Servette hat zwar theoretische Chancen, wird aber scheitern. Aber was passiert eigentlich in Zürich, Lugano, Fribourg oder Ambri, wenn es nicht für die Playoffs reicht? Einer aus dem Quartett wird auf der Strecke bleiben.

Klaus Zaugg
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Ambri-Piotta hat im Kampf um die Playoffs nichts zu verlieren.

Ambri-Piotta hat im Kampf um die Playoffs nichts zu verlieren.

FRESHFOCUS

Ambri-Piotta

Ambri hat von den vier «Playoff-Zitterklubs» am wenigsten zu verlieren. Nämlich gar nichts. Ja, ein Versagen im Kampf um die letzten Playoffplätze würde den «Mythos Ambri» nur noch heller erstrahlen lassen. Dramatisches Scheitern gehört zur DNA dieser Hockeyfirma und ist ein Geheimnis ihrer «unzerstörbaren» Popularität. Ein Verpassen der Playoffs im letzten Moment würde über den Sommer viel mehr Gesprächsstoff hergeben als eine Playoff-Qualifikation und sowieso besser zum Selbstverständnis «wir leiden, also sind wir» passen. Weder Trainer Luca Cereda noch Sportdirektor Paolo Duca oder ein Spieler würden kritisiert oder gar infrage gestellt. Weil alle alles richtig gemacht haben und es ein Wunder ist, dass Ambri so lange um die letzten Playoffplätze mitzuspielen vermochte.

Das Restprogramm: Davos (h), Zug (a), Rapperswil (h).

HC Lugano

Für Lugano hätte ein Scheitern keine finanziellen Folgen. Präsidentin und Milliardärin Vicky Mantegazza sichert die wirtschaftliche Existenz ab. Es geht «nur»
um Lob und Preis. Eigentlich müsste ein Scheitern zu einer sportlichen Neuorientierung führen. Ein Trainerwechsel – er kommt so oder so – würde
nicht genügen. Ach, wäre Vicky Mantegazza so gut beraten wie einst Zarin Katharina die Grosse von Fürst Grigori Potemkin. Dann wäre Lugano jedes zweite Jahr Meister. Aber an ihrer
Seite hat sie Sportchef Roland Habisreutinger. Verpasst Lugano zum dritten Mal seit dem letzten Titel von 2006 die Playoffs, dann sehen sich die Kritiker bestätigt, die sagen, in unserem Hockey sei noch nie so viel Geld so miserabel gemanagt worden wie während der seit 2009 währenden «Ära Habisreutinger» in Lugano.

Das Restprogramm: Zug (h), Davos (a), Bern (h).

ZSC Lions

Die ZSC Lions wären nach dem SC Bern der zweite Meister, der die Playoffs verpasst. Der SCB war schon zwei Jahre nach dieser Schmach 2016 wieder Meister. Die ZSC Lions würden sich ähnlich schnell erholen. So oder so muss Sportchef Sven Leuenberger (er würde im Falle eines Scheiterns nicht des Amtes enthoben) seine Ausländerpositionen auf nächste Saison besser besetzen. Würden die Playoffs verpasst, dann käme es zu einer höchst vergnüglichen Trainerdiskussion. Trotz allem Kulttrainer Arno Del Curto behalten? Warum im Falle eines Falles nicht den Fans beim letzten Heimspiel in der Abstiegsrunde die Frage «Arno behalten – Ja oder Nein?» stellen? Sportchef Sven Leuenberger könnte sich, wenn es nicht gut kommt, die Hände in Unschuld waschen wie einst Pontius Pilatus und sagen: «Ihr habt es so gewollt».

Das Restprogramm: Bern (a), Rapperswil (h), Servette (a).

Fribourg

Das Verpassen der Playoffs wäre ein grandioses Scheitern von Sportdirektor Christian Dubé. Er hat den Vertrag mit Trainer Mark French vorzeitig bis 2021 verlängert und seinen eigenen sogar bis 2023. Eine Entlassung des famosen Führungsduos wäre nötig, aber nicht finanzierbar. Falls die Playoffs verpasst würden, wäre aus finanziellen Gründen kein personelles Erdbeben zu erwarten. Zum Mythos Gottéron gehört sowieso dramatisches Scheitern. Es würde nicht schwerfallen, aus dem Scheitern ein trotziges «Wir-Gefühl» («wir allein gegen die alemannische Liga-Mafia») zu entfachen. Als Gründe für das Versagen würden wohl die vielen ungerechtfertigten Bussen gegen «Neymar» Killian Mottet, die permanente Benachteiligung durch die «Schiedsrichter-Mafia» und viel Verletzungspech genannt.

Das Restprogramm: Servette (h), Lausanne (a), Zug (a).