Hartes Training

Nino Niederreiter und sein Coach – Ski-Experte trimmt NHL-Crack

NHL-Stürmer Nino Niederreiter (r.) und Konditionstrainer Michael Bont beim Sommertraining auf dem Schulhausplatz in Lantsch/Lenz.Hansruedi Camenisch

NHL-Stürmer Nino Niederreiter (r.) und Konditionstrainer Michael Bont beim Sommertraining auf dem Schulhausplatz in Lantsch/Lenz.Hansruedi Camenisch

NHL-Stürmer Nino Niederreiter arbeitet im Sommer mit Michael Bont als persönlichem Konditionstrainer. An den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi lernten sie sich kennen. Inzwischen verbindet die beiden eine tiefe Freundschaft.

Nino Niederreiter ist mit einem Brutto-Jahressalär von 5,25 Millionen Dollar der aktuell bestverdienende Schweizer Eishockeyprofi. Der 25-jährige NHL-Stürmer der Minnesota Wild, der mit der Schweiz im Mai WM-Silber gewann und gemeinsam mit Enzo Corvi und Mirco Müller als bester WM-Eisgenosse ausgezeichnet wurde, ruht sich im Sommer allerdings weder auf seinen Lorbeeren noch auf seinem Bankkonto aus.

Unter der Leitung von Michael Bont bestreitet er seit Anfang Juni jeweils von Montag bis Freitag ein intensives Konditionstraining. So auch an diesem warmen Vormittag auf der Kunststoff-Sportanlage beim Schulhaus der Bündner Gemeinde Lantsch/Lenz.

Wenig Material nötig

Teure Gerätschaften benötigen die beiden für die gut zweistündige Trainingseinheit nicht. Zwei Badminton-Schläger und ein Shuttle zum wettkampfmässigen Einspielen, einige Pylonen zum Abstecken diverser Parcours, drei Medizinbälle verschiedener Grössen und Gewichte, ein Massband zum Distanzmessen bei Sprüngen aus dem Stand sowie ein Bungee-Seil, das Bont bei diversen Übungen führt und Niederreiter viel Widerstand bereitet.

Für die einbeinigen Sprünge muss die kleine Betontribüne am Westrand des Sportplatzes herhalten. Viele Sportkonsumenten kennen Bont vom Fernsehen. Fürs «SRF» ist der 44-Jährige seit acht Jahren als TV-Experte und Co-Kommentator im Ski-Weltcup und bei internationalen Ski-Grossanlässen bei den Frauenrennen tätig.

Es sei faszinierend, welche Kräfte im Skirennsport wirken und wie sie die Athleten umsetzen, sagt Bont. Für ihn sei es ein spezieller Reiz, die Bewegungen innert Sekundenbruchteilen zu beobachten, am Mikrofon zu analysieren und dann auch zu sagen, welche Auswirkungen sie hätten. Im Sommer ist Bont, der privat auch als Unternehmer tätig ist, als persönlicher Konditionstrainer von Niederreiter und Ski-Ass Carlo Janka tätig. Weiter arbeitet er im Mandatsverhältnis beim HC Davos im Konditionsbereich.

Für beide Seiten interessant

Die Individualbetreuung werde im Spitzensport immer wichtiger. Da könne er aber auch seine Leidenschaft ausleben, bemerkt Bont. «Es ist spannend zu sehen, wie du einen Athleten weiterbringen kannst, wenn du das Training genau auf seine Person abstimmst. Auf Schnelligkeit ausgerichtete Übungen oder Sprungschule mit nur einem Athleten ist sensationell.» Mit Niederreiter arbeitet Bont zurzeit beispielsweise daran, eine höhere Geschwindigkeit zu entwickeln, damit dessen Schuss dann auf dem Eis noch besser und härter wird.

Bont lobt seinen Schützling. «Nino ist sehr motiviert und selbstkritisch. Er ist ein bewusster Athlet, der versucht, jede einzelne Übung bis ins Detail richtig auszuführen.» Niederreiter kontert: «Michi ist fachlich sehr gut, aber auch menschlich; mit ihm kann ich über alles reden.» Von den Minnesota Wild erhielt der NHL-Stürmer zwar einen Leitfaden fürs Sommertraining. Für ihn sei es jedoch wichtig, dass er ein individuell abgestimmtes Programm habe. «Ich kann nur besser werden, wenn der Trainer speziell auf mich und meine Bedürfnisse eingeht», sagt Niederreiter.

WM-Silberheld Nino Niederreiter ruht sich im Sommer nicht auf seinen Lorbeeren aus.

  

Bont war früher als Trainer hauptsächlich auf Schnee tätig. Bis zur Heim-WM 2003 betreute er die Schweizer Stangen-Akrobaten, anschliessend war er während fünf Jahren als Cheftrainer alpin bei den Finnen tätig. Danach holte er die Ausbildung zum Sportlehrer nach. «Ich möchte gezielt nicht nur auf einer Sportart reiten», sagt Bont. «Würde ich wieder eine alpine Skination übernehmen, wäre ich als Trainer 200 Tage pro Jahr weg von zuhause. Das will ich nicht mehr. Ich habe eine Familie mit drei Kindern; sie ist mir zu viel wert.»

Parallelen zwischen Eishockey und Skisport

Eishockey finde er sensationell, schwärmt Bont. «Zusammen mit Rugby gefällt es mir von allen Teamsportarten am besten.» Auch aus Traineroptik sei Eishockey höchst interessant. Bont ortet zahlreiche Parallelen zum Skirennsport, etwa bezüglich Dynamik.

Auf das Läuferische bezogen benennt er die Kurvenlagen auf den Schlittschuhen als ähnlich. Da müsse stets das Gleichgewicht herrschen. Ein markanter Unterschied sei hingegen, dass Eishockey ein Mannschaftssport ist.

Da könne man es mit dem Skisport gar nicht vergleichen. Auch bezogen aufs Sommertraining gebe es Unterschiede: «Im Hockey muss man die Balance zwischen unteren und oberen Körperextremitäten noch besser finden. Im Ski gilt das Hauptaugenmerk den Beinen und der Rumpfmuskulatur. Eishockeyspieler hingegen setzen ihren Oberkörper nicht nur in den Zweikämpfen ein. Sie brauchen ihn auch zum Schiessen mit all den Rotationen. Da musst du deshalb im Sommertraining zusätzlich Gas geben.»

Eine tiefe Freundschaft

Bezüglich Kraftentwicklung und Schnelligkeit würden hingegen die gleichen Anforderungen gelten. Niederreiter und Bont lernten sich an den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 kennen – an jenem Abend im Februar, als die Schweizer Eishockeyaner wegen einer ärgerlichen 1:3-Niederlage gegen Lettland den Vorstoss in die Viertelfinals verpassten. Inzwischen verbindet die beiden längst eine tiefe Freundschaft.

Kürzlich begaben sie sich gemeinsam für ein paar Tage zur Revierjagd nach Deutschland, wobei zum Reisegepäck neben dem Jagdgewehr natürlich auch die üblichen Trainingsutensilien gehörten. Das Duo kehrte mit zwei prächtigen Rehböcken nach Hause zurück. Mit diesen beiden Volltreffern wurde die Saison optimal lanciert. Möglichst viele weitere will Niederreiter bald schon wieder auf dem Eis in Nordamerika landen.

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