NHL
Landet der in der NHL ausgemusterte Mark Streit doch noch in der Schweiz?

Die NHL-Karriere von Mark Streit ging mit einer nüchternen Vollzugsmeldung zu Ende. Der 39-Jährige war vor ein paar Tagen zum zweiten Mal von den Montreal Canadiens auf die Waiver-Liste gesetzt worden.

Marcel Kuchta
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Was macht der grosse, alte Mann des Schweizer Eishockeys?

Was macht der grosse, alte Mann des Schweizer Eishockeys?

Keystone

Diese Liste ist eine Art Transfer-Wühltisch, auf welchem sich die NHL-Teams ohne Gegenleistung die Dienste eines Spielers sichern können, der von seinem Arbeitgeber entweder ins Farmteam geschickt wird oder dessen Vertrag aufgelöst werden soll.

Streit landete zweimal auf dem Wühltisch. Niemand griff zu. Was heisst, dass er die NHL-Bühne nach zwölf Jahren, 820 Spielen (100 Tore und 349 Assists) quasi durch die Hintertür verlassen musste.

Was jetzt? Streit muss einen Grundsatzentscheid fällen. Weiterspielen oder die Karriere beenden? Noch im Sommer hat er verlauten lassen, dass er sich eine Rückkehr als Spieler in die Schweiz nicht vorstellen könne.

Doch jetzt, da seine Karriere in Nordamerika so abrupt zu Ende gegangen ist, wird er seine Entscheidung möglicherweise revidieren. Noch sitzt die Enttäuschung beim Verteidiger natürlich tief, weshalb er vorderhand nicht weiss, wie es weitergehen soll.

Olympia als Lockvogel

Ein gewichtiges Argument, noch einmal einen letzten Anlauf in der Schweiz zu nehmen, könnten die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang sein.

Der Schweizer Nationaltrainer Patrick Fischer lässt die Tür für ein Aufgebot des Berner NHL-Pioniers jedenfalls weit offen: «Natürlich ist er ein Kandidat für mich.»

Nationalcoach Patrick Fischer: Für ihn ist Mark Streit ein Olympia-Kadidat.

Nationalcoach Patrick Fischer: Für ihn ist Mark Streit ein Olympia-Kadidat.

KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

Er sagt aber auch: «Es liegt an ihm, sich auf dem Eis aufzudrängen» Will heissen, dass Mark Streit sich eher früher als später einem Klub anschliessen und Spielpraxis sammeln muss.

SCB in der Poleposition

Aber welche NLA-Teams kommen überhaupt infrage? Bei der Evaluation der möglichen Destinationen muss man vor allem zwei Faktoren berücksichtigen:

1.) Die sportlichem Ambitionen. Mark Streit wird sich kaum einem Team anschliessen, welches im Tabellenkeller herumgurkt.

2.) Die Lage. Streit besitzt in Bern ein Haus und dürfte sich bei einer Rückkehr in die Schweiz mit seiner Familie (Frau Fabienne und Töchterchen Victoria) auch dort niederlassen. Was wiederum den «Bewegungsradius» einschränkt.

Erst in dritter Linie dürfte für Streit, der während seiner NHL-Karriere über 40 Millionen US-Dollar verdient hat, der Faktor Finanzen einen Einfluss haben. Er hätte in dieser Saison bei den Montreal Canadiens für einen absoluten NHL-Billiglohn von 700 000 US-Dollar gespielt.

Hier also eine Einschätzung der möglichen NLA-Destination: Die wahrscheinlichste Variante ist der SC Bern. Streits Stammklub, bei dem er als Junior einst als zu schwach eingestuft worden war, wäre nicht nur sportlich die interessanteste Variante, sondern auch aus familientechnischer Sicht.

Noch viele Fragezeichen

Die beiden Parteien standen gemäss der «Berner Zeitung» schon in Kontakt. Noch lässt sich aber niemand auf die Äste hinaus. Weil eine Verpflichtung Streits eben auch nicht frei von Fragezeichen ist.

Um Mark Streit sind noch viele Fragezeichen offen.

Um Mark Streit sind noch viele Fragezeichen offen.

KEYSTONE/AP The Canadian Press/RYAN REMIORZ

Zum Beispiel: Reicht seine Klasse noch, um die läuferischen Defizite auf dem grossen Spielfeld zu kompensieren? Ist er bereit, seinem Status als NHL-Legende zum Trotz, eine untergeordnete Rolle im Team zu spielen? Und wie würde sich ein solcher Transfer generell auf das Teamgefüge auswirken?

Ein Transfer zu den ZSC Lions, wo er vor seinem Wechsel nach Nordamerika Captain war, scheint sehr unwahrscheinlich. Sportchef Sven Leuenberger sagt auf Nachfrage, ob Streit ein Thema sei, klipp und klar: «Nein».

Das Verhältnis ist belastet. Als Leuenberger noch beim SCB tätig war, untersagte er Streit während des NHL-Lockouts 2012 die Teilnahme am Spengler-Cup, was nicht gut ankam.

Wieso nicht Fribourg?

Aus geografischer Sicht machbar und sportlich einigermassen interessant wären der EHC Biel und Fribourg. Beide Teams sind klar auf Playoff-Kurs. Fribourg war ausserdem die Organisation, die Streit nach dessen Abgang in Bern als Junior «Asyl» gewährte und so dessen Karriere lancierte.

Biel hat sich zuletzt nicht gescheut, auf die Karte Routine zu setzen, was die Verpflichtungen von Jonas Hiller und von Beat Forster beweisen. Geschäftsführer Daniel Villard bekräftige gegenüber dem «Journal du Jura» allerdings, dass man kein Interesse habe.

Lausanne hätte sicher genügend Geld, ist gemäss Sportchef Jan Alston aber auch nicht an einer Verpflichtung Streits interessiert. Reto Kläy meldet aus Zug dasselbe. Eine Rückkehr zu seinem grossen Förderer Arno Del Curto nach Davos kann man aus geografischen Gründen wohl ausschliessen.

Dasselbe gilt für Servette und Lugano, wo Sportchef Roland Habisreutinger sowieso kein Interesse zeigt und Ambri, wo auch die sportliche Perspektive fehlt. Sowohl sportlich als auch finanziell keine Rolle in Streits eventuellen Planungen dürften Langnau und Kloten spielen.

Unabhängig davon, wie es mit Mark Streit weitergeht: Es wäre für unser Eishockey zu wünschen, dass der Mann, der bei der Schweizer NHL-Eroberung so wichtig war, einen würdigen Karriere-Abschluss erhält.