Spengler-Cup

HC Davos besiegt Team Canada in intensivem Spiel 2:1

Davos hat sich mit dem 2:1 gegen das Team Canada im Spengler-Cup-Klassiker eine formidable Ausgangslage geschaffen. Das Team von Arno Del Curto empfahl sich frühzeitig für den Sieg in der Gruppe Cattini. Servette bezwang Ufa.

Mit zwei brillanten Solos legte der HCD den kanadischen Herausforderer lahm. Die eine grosse Szene beanspruchte Rückkehrer Beat Forster, für das zweite Highlight sorgte Dick Axelsson. Der schwedische Künstler umdribbelte in Überzahl sämtliche Gegenspieler.

Mit seinem Speed und dank seines magistralen Puckhandlings überforderte der HCD-Stürmer die in Nordamerika zumeist namenlosen Stellvertreter der NHL-Olympiasieger im Kollektiv.

Dem zwölffachen Spengler-Cup-Champion ist aber zumindest anzurechnen, dass er sich in der Schlussphase wenigstens intensiv gegen die zweite Niederlage in Folge gegen den Schweizer Rekordmeister stemmten. Als der HCD den Nordamerikanern das Terrain zu grosszügig überliess, rückte Leonardo Genoni vermehrt in den Mittelpunkt. Der Keeper, der seine Laufbahn beim NLA-Zweiten fortsetzen wird, entschärfte die kanadischen Schüsse und Aktionen gleich reihenweise.

Mehr als ein Powerplay-Tor Giroux' gestanden Genoni und die hart zupackende Defensive dem mehrheitlich aus NLA- und eher zweitklassigen AHL-Akteuren zusammengestellten Ensemble nicht zu. Dem einst gefürchteten Kontrahenten fehlte das Format, ein Team mehr zu bedrängen, das im Championat von 16 Heimspielen 14 gewonnen hat. In den letzten Jahren haben sich bei einem der Programmhöhepunkte die Vorteile zu Gunsten der Einheimischen verschoben. In den Achtziger- und Neunzigerjahren verliessen die Kanadier den Rink kaum einmal geschlagen. Nun schönte der HCD die Bilanz weiter: Im 37. Vergleich gelangte er zum 12. Sieg - zum fünften innerhalb der letzten neun Partien.

Derweil der Gastgeber heute Samstag pausieren darf, trifft Canada mit dem Neuling Medvescak Zagreb auf einen Vertreter des unteren KHL-Tableaus. Bezwingt der HCD die Kroaten am Sonntag, ist ihm der direkte Halbfinal-Vorstoss nicht mehr zu nehmen. Die Perspektiven von Servette, dem zweiten Schweizer Repräsentanten, sind nach dem 3:2-Coup gegen den früheren russischen Champion Ufa ähnlich gut.

Forsters Souplesse

Beim überzeugenden Auftakt spielte Beat Forster eine überraschend dominante Rolle. Der HCD-Abwehrpatron war erst am letzten Montag nach knapp neunmonatiger Absenz (Kreuzbandriss) zurückgekehrt. Beim Spengler-Cup soll er in erster Linie wieder Fahrt aufnehmen. Wie weit Forster in Tat und Wahrheit aber schon ist, demonstrierte er in der 8. Minute. Mit der Souplesse eines Topstürmers düpierte er den vereinslosen Ex-ZSC-Verteidiger Steve McCarthy und hob den Puck "backhand" in die obere Torecke.

Das Duell der beiden x-fachen Turniersieger geniesst in der Bündner Eisstadion-Kathedrale einen hohen Stellenwert. "Die Kanadier sind immer ein sicherer Wert für spektakuläres Hockey", hatte Fredi Pargätzi in der täglich erscheinenden Spengler-Cup-Zeitung versprochen. Die Selects erfüllten die hohen Ansprüche dann allerdings nicht. Der Glamourfaktor ist in der Auswahl des SCB-Coaches Guy Boucher nicht allzu hoch.

Grosse Spuren hat in der NHL praktisch keiner der kanadischen Professionals hinterlassen. Jim Vandermeer, der im NLA-Alltag mit Kloten in dieser Saison vor allem negativ in Erscheinung getreten ist, hat neben Berns Leaderfigur nahezu das prominenteste Palmarès vorzuweisen. Mit der fantastischen Lockout-Starparade von 2012 hat die aktuelle Exhibition-Ausgabe von "Hockey Canada" nur noch den Namen gemein. Für die Unterhaltung sind im Kurort mutmasslich andere zuständig.

Der Davoser Weltmeister-Block

Im Gegensatz zu Boucher besass Arno Del Curto die Qual der Personalwahl. Dank der schwedischen Energiezufuhr aus Rapperswil konnte der HCD-Taktgeber einen "Weltmeister-Block" formieren - einzig der frühere finnische WM-Zweite Ville Koistinen war kein Gold-Boy. Dass mit Axelsson einer aus der "goldenen" Formation im wichtigsten Moment der Partie den spektakulärsten Akzent setzte, passte ins Bild.

Davos - Team Canada 2:1 (1:0, 0:0, 1:1)

6300 Zuschauer (ausverkauft). - SR Kurmann/Wiegand, Fluri/Tscherrig. - Tore: 8. Forster (Lindgren) 1:0. 48. Axelsson (Ausschluss Derrick Walser) 2:0. 50. Giroux (Gragnani/Ausschluss Jörg) 2:1. - Strafen: 4mal 2 Minuten gegen den HCD, 3mal 2 plus 10 Minuten (Walser) gegen das Team Canada.

Davos: Genoni; Du Bois, Reto von Arx; Schneeberger, Forster; Fransson, Koistinen; Guerra, Paschoud; Sciaroni, Ambühl, Dino Wieser; Marc Wieser, Paulsson, Lindgren; Danielsson, Persson, Axelsson; Simion, Samuel Walser, Jörg.

Team Canada: Schaefer; Kwiatkowski, Mikkelson; Derrick Walser, DuPont; McCarthy, Gragnani; Vandermeer, Parent; Holloway, Tambellini, Ritchie; Pouliot, Walter, Giroux; Samson, McLean, Hedden; Hamilton, Martindale, Genoway.

Bemerkungen: HCD ohne Kindschi, Aeschlimann, Senn (alle U20-WM), Camperchioli, Hofmann, Ryser, Corvi, Jan von Arx (alle überzählig), Jung (nicht im Aufgebot), Team Canada ohne Giliati, Didomenico (beide überzählig). 59. (58:26) Timeout des Team Canada, danach bis 58:40 und ab 59:20 ohne Goalie.

Servette schlägt KHL-Vertreter Salawat Ufa

Für den letztjährigen Trophäen-Gewinner Servette verlief der Start zur weltweit bekanntesten Klub-Hockey-Exhibition ähnlich gut wie vor zwölf Monaten gegen Rochester (5:0). Nach zuletzt drei Fehltritten im Championat dürfte der Erfolg gegen den früheren KHL-Champion den erhofften Schub auslösen. Chris McSorley, Coach, Antreiber, Stratege und Vermarkter in Personalunion, kam der überzeugende Auftakt selbstredend gelegen: "Ein Sieg im ersten Spiel nimmt immer Druck und erzeugt neue Energie."

Dass er im Sommer entgegen einiger Experteneinschätzungen womöglich (erneut) nicht schlecht eingekauft hat, war speziell im ersten Drittel ersichtlich. Die Formation um die beiden kanadischen Brüder Taylor und Tom Pyatt, mit 37 Skorerpunkten auch in der NLA ein wichtiger Faktor, konfrontierte Ufa mit einer imposanten Wucht.

Und im Powerplay demonstrierten die Pyatts mehrfach Sinn für den gekonnten familiären Austausch auf dem Eis. Das 1:0 bereitete das Duo vor, das kursweisende 2:0 (14.) markierte der NHL-Saurier Taylor nach einem perfekten Querpass Jacquemets ohne das geringste Problem.

Das Genfer Goalie-Drama

McSorley verliess die ausverkaufte Halle gleichwohl nicht ganz sorgenfrei. Im letzten Abschnitt verlängerte sich eine höchst ungewöhnliche Goalie-Leidensgeschichte um ein weiteres Kapitel. Für Keeper ist der "GSHC" offenbar ein (zu) gefährliches Pflaster. Seit September haben sich bereits sechs verschiedene Torhüter das Leibchen der Grenats übergestreift - nicht etwa weil der Coach ihnen kein Vertrauen schenken würde, sondern weil sie aus diversen Gründen immer wieder ausfallen.

In der 43. sackte Christophe Bays zusammen. Ein Slapshot hatte ihn am Hals getroffen. "Wir nennen das Bienenstich", verbreitete McSorley hinterher leicht gequält einen ersten Befund. Janick Schwendener, bis vor Kurzem als Leihgabe des HCD seinerseits der ansprechende Ersatz des lange nicht verfügbaren Bays, bewältigte den Kaltstart ohne Fehlgriff.

Elf teilweise schwierige Saves sprechen für ihn und seine Flexbilität. Ihm gelang es ohne die geringste Verzögerung, die aufkommenden Baschkiren zu stoppen: "Ich habe einfach versucht, die Pace zu halten. Dass meine Mannschaft so hart und konzentriert arbeitete, war hilfreich."

Unglaubliche Pechsträhne

Schwendener hatte zuletzt gegen Biel (5:6) zwar "keinen guten Tag eingezogen", wie er selbstkritisch zugab. Gegen Ufa erhielt er nun unverhofft die Chance, die Verantwortlichen von Davos und Genf von seinen Qualitäten zu überzeugen. Und der 22-jährige Bündner darf immerhin für sich in Anspruch nehmen, den "Goaliefriedhof" (Zitat McSorley) bis jetzt unversehrt überstanden zu haben.

"So etwas habe ich noch nie erlebt", staunte der Nothelfer nach seinem Schlusseffort. Er dachte dabei nicht an den späten russischen Ansturm, Schwendener wunderte sich viel mehr über die Pechsträhne seiner Goaliekollegen. "Für mich ist die Situation aber natürlich gut. Ich erhalte hier die Möglichkeit zu spielen und versuche, die Chance zu nützen."

Wie es nach dem Spengler-Cup weitergeht, ist offen: "Ich habe keine Ahnung." McSorleys Plan reicht auch nur "von Spiel zu Spiel". Er werde Arno Del Curto wohl die eine oder andere gute Flasche Wein nach Davos schicken müssen, scherzte der Kanadier.

Genève-Servette - Salawat Ufa 3:2 (3:0, 0:2, 0:0)

6300 Zuschauer (ausverkauft). - SR Eichmann/Piechaczek (De), Espinoza/Kohler. - Tore: 6. Kast (Tom Pyatt, Taylor Pyatt/Ausschluss Chlystow) 1:0. 14. Taylor Pyatt (Jacquemet, Kast/Ausschluss Stepanow) 2:0. 18. Pestoni 3:0. 32. Slepyschjew 3:1. 35. Heikkinen (Slepyschjew, Semin/Ausschluss Pestoni) 3:2. - Strafen: 5mal 2 Minuten gegen Genève-Servette, 2mal 2 Minuten gegen Salawat Ufa.

Genève-Servette: Bays (43. Schwendener); Mercier, Bouillon; Bezina, Loeffel; Vukovic, Iglesias; Trutmann; Rubin, Tom Pyatt, Taylor Pyatt; Jacquemet, Romy, Picard; Pestoni, Lombardi, Almond; Wick, Rivera, Kast; Gerber.

Salawat Ufa: Sohatski; Heikkinen, Kulda; Kutusow, Lekomsjew; Subarjew, Wischnewski; Wassilweski; Hartikainen, Semin, Tolpeko; Golowanow, Chlystow, Dubrowski; Pihlström, Kaigodorow, Skatschkow; Stepanow, Gluchow, Slepyschjew.

Rangliste: 1. Genève-Servette 1/3 (3:2). 2. Jokerit Helsinki 0/0 (0:0). 3. Salawat Ufa 1/0 (2:3).

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