Biss-Attacke

Es war kein Biss, sondern eine Umarmung

Wegen angeblichem Biss gebüsst – Biel Verteidiger Clarence Kparghai.

Wegen angeblichem Biss gebüsst – Biel Verteidiger Clarence Kparghai.

Die Angelegenheit wird immer bizarrer: Offenbar hat Clarence Kparghai den SCB-Star John Tavares doch nicht gebissen.

Es ist die grösste Justizposse in der Geschichte unseres Hockeys. Einzelrichter Reto Steinmann hat zu untersuchen, ob Biels Verteidiger Clarence Kparghai im Derby vom 22. Dezember NHL-Stars John Tavares gebissen hat. SCB-Sportchef Sven Leuenberger hat als Beweis ein Handy-Föteli der Bisswunde präsentiert.

Nun hat Reto Steinmann hier in Davos im Hotel Grischa die beiden Spieler im Beisein je einer Vertrauensperson zur Sache befragt. Das Protokoll führte seine Assistentin aus der Kanzlei in Zug, die zufälligerweise grad hier in den Ferien weilt. Die erste Posse: John Tavares wollte mit Doug Shedden zur Verhandlung. Shedden ist hier ja Cheftrainer von Team Canada. Doch Biels Trainer Kevin Schläpfer, der Clarence Kparghai begleitet, hat dies verhindert. «Ich habe Reto Steinmann gesagt, dass das nicht gehe. Schliesslich spielen wir am 2. Januar gegen Zug.» Also musste Tavares seinen «Verteidiger» wechseln. SCB-Kanadier Byron Ritchie, der hier ja auch für Team Canada spielt, hat ihn begleitet.

«Habe nie von einem Biss gesprochen»

Der Resultat der halbstündigen Verhandlung im Hotel Grischa ist eine Mischung zwischen Lächerlichkeit und Peinlichkeit. Der grosse, weinende Knabe John Tavares wollte offenbar nichts mehr von einem Biss wissen. Kevin Schläpfer: «Er hat lediglich gesagt, dass er einen Schmerz verspürt habe. Aber er hat nicht von einem Biss gesprochen und nie behauptet, er sei gebissen worden.» Clarence Kparghai hat immer energisch bestritten, Tavares gebissen zu haben.

Da bleibt die Frage: Woher kommt dann der angebliche Zahnabdruck an seinem Körper. Schläpfer: «Es war ein Gerangel und Tavares hielt Kparghai im Schwitzkasten. Kparghai trägt keinen Zahnschutz. Es ist möglich, dass es ohne Biss einen Zahnabdruck durch das Leibchen hindurch gegeben hat.» Oder anders gesagt: Der Schwitzkasten ist eine halt heftige Umarmung (aber nicht aus Liebe) und die angebliche Wunde ist also nicht die Folge eines Bisses - sondern eben dieser Umarmung.

Einzelrichter Reto Steinmann will diese unsägliche Posse mit einem Urteilsspruch spätestens am 2. Januar beenden. Schläpfer: «Es kann nur einen Freispruch für Kparghai geben.» SCB-Sportchef Sven Leuenberger hat dieses ganze Theater durch sein Handy-Föteli ausgelöst.

Beim SC Bern hat sich eine Unsitte eingebürgert: Trainer Antti Törmänen kann einfach keine Niederlagen akzeptieren. Zum Gaudi der Medien flüchtet er sich jeweils in peinlichste Ausreden (Eisqualität, Spielplan etc.) und nach einer Niederlage folgt meistens das gleiche Ritual: Sportchef Sven Leuenberger begibt sich, hoch anständig, zur Schiedsrichterkabine, um sich zu beschweren. Oft mit seinem Bruder und Assistenz-Trainer Lars im Schlepptau, der die Szenen mit der fraglichen SCB-Benachteiligung schon auf dem Laptop hat. Dagegen ist nichts einzuwenden. Es gehört zur Hockeykultur, jedes Mittel einzusetzen, um die Schiedsrichter zu beeinflussen. Aber mit dem Lostreten der «Biss-Affäre» nach der Derby-Niederlage in Biel (3:4 n.P.) ist Leuenberger zu weit gegangen. Und der grosse NHL-Star John Tavares steht als Clown, als weinender Knabe da.

Meistgesehen

Artboard 1