National League

Der HC Davos war mit Arno Del Curtos Hockey überfordert – der ZSC ist es nicht

ZSC-Trainer Arno Del Curto nimmt gegen Zug in der 55. Minute beim Stand von 1:3 das Timeout – die Löwen gewinnen später das Spiel nach Verlängerung.

ZSC-Trainer Arno Del Curto nimmt gegen Zug in der 55. Minute beim Stand von 1:3 das Timeout – die Löwen gewinnen später das Spiel nach Verlängerung.

Ist Arno Del Curto (62) kein guter Trainer? Er ist kein guter Trainer, wenn wir argumentieren, ein Trainer müsse sein Konzept seiner Mannschaft anpassen.

Im Blick zurück erkennen wir immer mehr, dass Arno Del Curto in Davos nicht bereit war, seine Philosophie der schwindenden Qualität seiner Spieler anzupassen. Dass er «Arno-Hockey» um jeden Preis wollte – und der Preis war schliesslich scheitern.

Ist Arno Del Curto ein guter Trainer? Er ist ein guter Trainer, wenn wir argumentieren, ein Trainer müsse seinem Konzept immer treu bleiben und dürfe keine Kompromisse machen.

Nun sehen wir bei den ZSC Lions, dass Arno Del Curto um jeden Preis «Arno-Hockey» will und drauf und mit seiner Kompromisslosigkeit den Titelverteidiger wieder zum Meisterkandidaten zu machen. Die ZSC Lions haben, anders als der HC Davos, genug Talent, um wahres «Arno-Hockey» zu spielen.

Dem Trainertrio der ZSC Lions mit Arno del Curto, Mathias Seger und Michael Liniger steht viel Arbeit bevor.

Dem Trainertrio der ZSC Lions mit Arno del Curto, Mathias Seger und Michael Liniger steht viel Arbeit bevor.

Beschleunigung und Vereinfachung zugleich

Was ist wahres «Arno-Hockey? Es ist Beschleunigung und Vereinfachung des Eishockeys zugleich. Vorne und hinten. Das Spiel läuft nur noch Nord-Süd und nicht mehr Ost-West. Alle Energien werden entfacht und in einfachem Spiel vor beiden Toren zentriert.

Die Angriffe werden so schnell wie möglich ausgelöst. Die Verteidiger dürfen mit der Scheibe nicht nach vorne laufen, das verzögert das Spiel. Sie müssen sofort abspielen. Denn der Puck ist immer schneller als der schnellste Spieler. Es ist Eishockey, so dynamisch, so schnörkellos wie die Musik der britischen Rockband Status Quo.

So ein Spiel erfordert Präzision, keine Mannschaft der Welt lernt es auf Knopfdruck. Der Mensch neigt dazu, den Weg des geringeren Widerstandes zu gehen, der Eishockey-Mensch (vor allem der talentierte) zieht oft den Pass oder den eleganten Bogen nach aussen dem schmerzhaften direkten Weg nach innen aufs Netz vor.

Der ZSC ist nicht uncoachbar

Es passt ins Bild, dass der krasseste Schiedsrichter-Fehlentscheid der Saison am letzten Freitag den ersten Schritt zur Auferstehung der ZSC Lions bringt. Das 4:1 gegen Langnau, der erste Sieg unter Arno Del Curto, ist noch reine Pflicht. Keine Auferstehung.

Aber das 4:3 in der Verlängerung am Freitag gegen Leader Zug nach einem 0:3-Rückstand ist der erste Schritt zur Auferstehung. Vier Schiedsrichter und sechs Feldspieler kurven in der Verlängerung auf dem Eis herum. Pius Suter bringt Zugs Torhüter Joel Aeschlimann zu Fall und erzielt den Siegestreffer.

Den Gegner mit «Arno-Hockey» überrannt 

So illegal dieser Treffer, so typische ist er für die neuen ZSC Lions. Sie haben ihren Gegner mit echtem «Arno-Hockey» im besten Wortsinn überrannt. Im Schlussdrittel erreichen sie ein Torschussverhältnis von 18:6.

Nach dem Spiel denkt der neue ZSC-Cheftrainer schon weiter und sagt. «Wenn wir es schaffen, gegen Ambri noch gleich eine Schippe draufzulegen, dann sind wir schon einen Schritt weiter.» Am nächsten Tag gelingt diese Steigerung.

Arno Del Curto: «Wenn wir es schaffen, gegen Ambri noch gleich eine Schippe draufzulegen, dann sind wir schon einen Schritt weiter.»

Arno Del Curto: «Wenn wir es schaffen, gegen Ambri noch gleich eine Schippe draufzulegen, dann sind wir schon einen Schritt weiter.»

Die ZSC Lions besiegen am Samstag auswärts auch Ambri 3:1. Diesmal überzeugen sie auch mit einer guten Defensivleistung. Sie sind also nach den Worten ihres Trainers einen Schritt weiter. Und nur noch einen Punkt hinter Rang 3.

Spieler für wahres «Arno-Hockey»

Mit den ZSC Lions hat Arno Del Curto eine Mannschaft gefunden, die «Arno- Hockey» umsetzen kann. Und die Zürcher haben mit Arno Del Curto den Trainer gefunden, den sie brauchen. Sie sind nicht «uncoachbar». Sie waren es auch in den letzten Jahren nicht. Sonst wären sie nicht 2012, 2014 und 2018 unter drei verschiedenen Coaches Meister geworden.

Aber sie brauchen einen charismatischen Chef, der sie antreibt, die Linie vorgibt, Emotionen weckt. Einen wie Arno Del Curto. Der neue ZSC-Trainer ist bereits nach fünf Spielen im Hallenstadion heimisch geworden. Er sagt: «Diese Mannschaft ist willig. Ich habe zu den Spielern gesagt, dass ich gerne hier bin.»

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