Eishockey
Plötzlich steht die 17-jährige Nadia Häner beim Playoff-Final im Tor: «Eine gewisse Nervosität war schon vorhanden»

Weil die Konkurrentin in Quarantäne musste, stand die Nunningerin Nadia Häner zuletzt zweimal im Tor der ZSC Lions und das im Finale der Playoffs. Ihre guten Leistungen werden auch von ihren Mitspielerinnen honoriert. Jetzt soll der Titel folgen.

Edgar Hänggi
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Die 17-jährige Nadia Häner stand gegen Lugano plötzlich im Playoff-Final auf dem Eis und zeigte einige Paraden.

Die 17-jährige Nadia Häner stand gegen Lugano plötzlich im Playoff-Final auf dem Eis und zeigte einige Paraden.

Patrick Straub/Freshfocus

Kaum 17 Jahre alt, hat Nadia Häner aus Nunningen als Eishockey-Goalie schon einiges erlebt. Am Samstag findet in Zürich das dritte Playoff-Finalspiel der Swiss Women’s League zwischen den ZSC Lions und dem HC Lugano statt. In den beiden ersten Partien stand Häner überraschend im Tor, weil die französische National-Torhüterin Caroline Baldin (28) in Quarantäne war. Häner machte ihre Sache so gut, dass sie sich womöglich bald Schweizer Eishockey Meister nennen kann. Aber der Reihe nach:

Im Januar des vergangenen Jahres konnte Häner mit der U16-National-Equipe an den Olympischen Jugendspielen in Lausanne teilnehmen. Die definitive Zusage erhielt sie kurz vor Weihnachten. Häner, die erst vor rund einem Monat 17 Jahre alt wurde, absolviert aktuell eine KV E-Profil-Ausbildung, die ihr die zeitintensive sportliche Karriere überhaupt ermöglicht. «Ich trainiere mehrheitlich mit der U17 in Basel, einmal pro Woche mit den Lions in Zürich und dazu auch noch in Cham im Ausbildungszentrum mit der U18 National-Equipe. Dazu kommen noch die Spiele mit den Lions.»

Nadia Häner fuhr für die Schweiz auch an die olympischen Jugend-Winterspiele 2020 nach Lausanne.

Nadia Häner fuhr für die Schweiz auch an die olympischen Jugend-Winterspiele 2020 nach Lausanne.

Kenneth Nars (2020)

Nadia Häner schildert dies in der Selbstverständlichkeit, wie sie auch das vergangene Wochenende absolvierte. «Ganz so ruhig war ich eigentlich nicht. Eine gewisse Nervosität war schon vorhanden», sagt sie und lacht. Kein Wunder, denn Häner stand plötzlich mitten im Playoff-Final. Hinzu kommt, dass bei den Covid-Tests einige Spielerinnen positiv getestet wurden, worauf das ganze Team in Quarantäne musste. «Ich war zum Glück immer negativ», erklärt Häner.

Bis letzten Donnerstag dauerte die verordnete Quarantäne, und am Samstag stand das erste Spiel der Serie auf dem Programm. Da Baldin noch nicht einsatzfähig war, beorderte Trainer Andrin Christen die junge Solothurnerin ins Tor. «So ganz neu war es für mich ja nicht. Anfang Saison fiel Baldin zwei Monate aus, da wechselte ich mich mit Chiara Troxler im Tor ab, und ich spielte auch schon gegen Lugano. Aber es ist dann schon noch etwas anderes, einen Final zu spielen», sagt Häner. Vor allem, weil die Tessinerinnen mit der finnischen Liga-Topskorerin Michelle Karvinen eine Paradelinie haben.

Die Lions verloren ihr Heimspiel 2:3. Häner kassierte zwei Gegentreffer in Unterzahl, zeigte aber insgesamt eine gute Leistung, die ihr auch vom Trainer attestiert wurde. «Wir vergaben kurz vor Schluss einen Penalty, sodass mehr möglich war. Aber wir mussten am Sonntag in Lugano gewinnen», fasste Häner das erste Spiel zusammen.

Sogar die Topskorerin verzweifelt an Häner

Auf der Fahrt ins Tessin zu Spiel 2 holte der Coach Nadia Häner zu sich, sprach ihr Mut zu und meinte, sie müsse noch etwas aggressiver auf die Gegnerinnen zugehen. Gesagt, getan. Häner zeigte eine starke, schon fast abgebrühte Leistung, liess Karvinen und Co. schier verzweifeln. «Ja, ich denke schon, dass ich mit meiner Leistung in den beiden Spielen zufrieden sein darf», sagt Häner bescheiden.

Obwohl es auch viel Lob von den Teamkolleginnen gab, dürfte sie den Platz im Tor im dritten Spiel am Samstag wieder an Baldin abgeben. «Das ist normal. Sie ist die Nummer 1 und bringt ja viel Erfahrung mit», meint Häner.

«Ich kann viel von ihr profitieren, und wenn ich an der Bande stehe, schaue ich ihr sehr genau zu, um zu lernen.»

Noch bleibt aber auch eine Resthoffnung, dass Häner erneut den Vorzug bekommt. Am Freitag lag noch keine definitive Entscheidung vor. Häner hat auch noch ein Aufgebot für die U18 Nati, die ein Testspiel absolviert. Allerdings ist nicht anzunehmen, dass ihr die Chance auf die Finalserie verwehrt wird.

Am Samstag um 18.45 Uhr beginnt Spiel 3 der Best-of-five-Serie auf der Kunsteisbahn Heuried in Zürich. Die Lions müssen vorlegen und könnten dann bei einem weiteren Sieg am Sonntag im Tessin den Titel feiern. Spätestens aber am 31. März soll es im dritten Heimspiel den Pokal geben, ist Häner überzeugt. Sie möchte dem Schoggihasen auf jeden Fall die Goldmedaille umhängen können.

Zu Hause in Nunningen wird die Familie wie schon am vergangenen Wochenende vor dem Fernsehgerät sitzen und mitfiebern. «Wir können das Spiel via Youtube sehen. Am Sonntag war es sehr nervenaufreibend. Es ist schon noch etwas anderes, wenn Nadia in einem Playoff-Finalspiel um den Schweizer-Meister-Titel im Tor steht. Es hängt viel von ihr ab, aber sie hat es toll gemacht», lobt Vater René.

Die Eltern, die noch zwei Söhne haben, stehen ganz hinter der Karriere ihrer Tochter, die beim EHC Laufen begann. «So lange es ihr Spass macht, soll sie es machen. Wir helfen, wo wir können.» Etwa mit dem Fahrdienst, den vor allem Mutter Susanne verrichtet. Nadia Häner lacht. Sie weiss, wie wichtig die Familie für ihre Leistung ist. Ihre Abgeklärtheit dürfte denn auch aus der Familienidylle kommen.