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Eine brutale Zäsur: Die Schweiz verliert das Auftaktspiel der Handball-EM

Der Schweizer Lucas Meister läuft gegen die Schweden auf.

Der Schweizer Lucas Meister läuft gegen die Schweden auf.

Die Schweizer Handballer sind in ihrem EM-Auftaktspiel absolut chancenlos – 21:34 gegen Gastgeber Schweden.

Natürlich hofften und spielten die Schweizer mit dem Gedanken, der Erwartungsdruck könnte selbst den Gastgeber Schweden trotz seiner unbestrittenen Klasse etwas aus dem Konzept bringen. Vom Heimteam wurde nichts anderes als ein klarer Sieg erwartet. Umso mehr gegen eine Mannschaft wie die Schweiz, die letztmals vor 14 Jahren an einer EM teilgenommen hat. Aber die Schweden hielten dem Druck stand. Problemlos. Beeindruckend. Nervös waren indes ihre Gegner.

Dabei startete die Schweiz gut in die Partie. Teamleader Andy Schmid war mit seinen ersten beiden Abschlüssen erfolgreich. Aber das wirkte nicht beruhigend auf seine Kollegen. Irgendwie verständlich. Denn neben Schmid hat keiner EM-Erfahrung. Und die 12'000 Zuschauer im Scandinavium, die grosse Bühne, das gestiegene Interesse der Medien – für fast jeden in dieser jungen Mannschaft ist das Neuland. Um in dieser Welt anzukommen, ist ein fokussierter und spielfreudiger EM-Zweiter von 2018 nicht der ideale Gegner. Dass es brutal werden könnte für die Schweizer, musste man schon zur Pause (13:20) befürchten.

Nationaltrainer Suter spielt früh die Karte Risiko

Im Angriff lief fast gar nichts. Es fehlte die Durchschlagskraft aus dem Rückraum. Es fehlte die Abgeklärtheit, um die Kombinationen zu Ende zu spielen. Und wenn die Lücke doch mal gefunden wurde, fehlte die Überzeugung im Abschluss. Es war, als würde die Schweiz gegen eine Wand laufen. Deshalb entschied sich Trainer Michael Suter schon in der 10. Minute, auf 7:6 zu setzen. Das Risiko zahlte sich nicht aus. Die einzige Offensivvariante, die halbwegs funktionierte, waren die Anspiele auf die Kreisläufer Lucas Meister (3 Tore) und Alan Milosevic (2). Die Schweden hingegen kamen in dieser Phase zu fünf «billigen» Treffern ins leere Tor. Zweimal traf sogar ihr Goalie Andreas Palicka.

Sag mir, wie gut dein Torhüter hält, und ich sage dir, wie gut deine Mannschaft ist. Das gilt auch im Handball. Und Schwedens Palicka, Teamkollege von Andy Schmid bei den Rhein-­Neckar Löwen, spielte absolut überragend. Bei aller Naivität, welche die Schweizer im Angriff offenbarten, muss man die Leistung Palickas anerkennen. Und die war mit 47 Prozent abgewehrter Schüsse schlicht phänomenal. Und soll keiner kommen und sagen, die Schweizer hätten Palicka zum Helden des Spiels gemacht. So schlecht waren die Abschlüsse dann auch nicht.

Glanzparade zu Beginn

Nikola Portner, der Schweizer Keeper, startete beim Stand von 3:4 mit einer Glanzparade gegen Andreas Nilsson. Aber er kann diese Pace nicht halten. Schliesslich pariert er 22 Prozent der Schüsse. Das ist nicht gut. Aber erklärbar. Denn Portner kommt diese Saison bei Montpellier, dem Champions-League-Sieger von 2018, nicht zum Einsatz. Obwohl der Verein mal andere Pläne mit ihm hatte. Da ist es schon ein Stück weit erklärbar, dass ihm die Aura des Unbezwingbaren etwas abgeht.

Von einem Torhüterproblem zu sprechen, wäre aber der falsche Ansatz für die Aufarbeitung. Sowieso ist nach dieser Klatsche nicht alles schlecht, was vorher gut war. Schweden ist halt schlicht eine Nummer zu gross für die Schweiz. Aber Polen, am Sonntag der nächste Gegner, liegt nicht ausser Reichweite. Und mit einem Sieg gegen Polen wäre die Schweiz im Kampf um die Qualifikation für die Zwischenrunde wieder im Rennen. Doch dafür braucht es mehr Druck aus dem Rückraum. Es braucht einen Lenny Rubin, der nicht erst in der zweiten Halbzeit Torgefahr entwickelt. Andy Schmid (9 Abschlüsse, 4 Tore) allein kann es auf diesem Niveau nicht richten.

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