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Ein Doper als Nationaltrainer: Danilo Hondo bei Swiss Cycling entlassen

Nationaltrainer Danilo Hondo hat 2011 und 2012 Blutdoping betrieben.

Der Schweizer Strassen-Nationaltrainer Danilo Hondo hat in einem TV-Interview mit der ARD Blutdoping zugegeben. Als Folge hat Swiss Cycling den 45-jährigen Deutschen per sofort von all seinen Funktionen entbunden.

Danilo Hondo gab unter Druck zu, 2011 während seiner Zeit als aktiver Fahrer Kunde des Erfurter Arztes Marc Schmidt gewesen zu sein. Der Sportmediziner gilt als Drahtzieher eines Blutdoping-Netzwerks, das während der nordischen Ski-Weltmeisterschaften diesen Winter in Seefeld aufgeflogen war.

Hondo wurde von Mark Schmidt in den Vernehmungen offenbar belastet, wie die Dopingredaktion der ARD um den bekannten Enthüllungsjournalisten Hajo Seppelt herausgefunden hat. Und so erzählte Hondo der «Sportschau» am Sonntag, dass er «diesen schwachen Moment» gehabt habe. Mark Schmidt habe «einfach unwahrscheinliche Überzeugungsarbeit geleistet. Dann habe ich schlussendlich leider Gottes den grossen Fehler meines Lebens getan und dieser Geschichte zugestimmt», so Hondo.

Mit Doping vorbelastet

Während sich Hondo in der ARD erklärte, sprachen die Verantwortlichen von Swiss Cycling gleichzeitig an einer eilig einberufenen Medienkonferenz im Zürcher Hauptbahnhof. «Danilo hat uns heute Morgen um 8.55 Uhr informiert, dass er beschuldigt wird und er das Blutdoping gestanden hat», sagte Thomas Peter, der Sportdirektor des Schweizer Verbandes. «Wir mussten ihn per sofort freistellen.»

Hondo und Doping – diese Verbindung ist nicht neu. 2005 war der ehemalige Sprintspezialist bereits einmal für zwei Jahre gesperrt worden. Er hatte willentliches Doping stets bestritten. Bei Hondo war damals ein sehr geringer Carphedon-Fund in seinem Urin festgestellt worden. Nach einem juristischen Marathon hatten sich damals sogar Doping-Kritiker für ihn eingesetzt.

Auch deshalb engagierte Swiss Cycling – trotz einer Nulltoleranz-Politik gegenüber Doping – den Deutschen 2015 vorerst als U23-Nationaltrainer, nur ein halbes Jahr nach dessen Rücktritt als Profi. «Wir entschieden uns, Danilo eine zweite Chance zu geben, nachdem wir uns auch intern sehr intensiv mit diesem Thema beschäftigt haben. Wir waren und sind auch heute noch von seinen Qualitäten als Trainer überzeugt», so Peter.

Nationalteam im Rampenlicht

Hondo arbeitete in der Tat erfolgreich, baute eine junge Mannschaft auf und brachte immer wieder Talente hervor. Nach den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro wurde er zum Nationaltrainer befördert. Er setzte seine konsequente Arbeit auch bei den Erwachsenen fort. Nun dürfte Hondos Karriere im Radsport auch als Trainer vorbei sein.

Peter und Geschäftsführer Markus Pfisterer waren an der Medienkonferenz sichtlich niedergeschlagen. Hondo habe in der Zusammenarbeit mit den jungen Athleten sehr viel Wert auf die Dopingprävention gelegt. Die heutige Meldung sei deshalb umso enttäuschender. «Diese Nachricht müssen wir zuerst verdauen», so Peter.

Swiss Cycling steht mit seinem Nationalteam in diesem Jahr besonders im Rampenlicht. Vor zwei Wochen durfte die Equipe an der Tour de Romandie teilnehmen, im Juni folgt der Start an der Tour de Suisse. Wer die Fahrer an diesen Rennen und im Herbst auch an der WM in Grossbritannien betreuen wird, steht noch nicht fest.

Antidoping Schweiz ermittelt

Nachdem Dopingarzt Schmidt Danilo Hondo in Haft belastet hatte, übernahm Europol die internationalen Ermittlungen in Zusammenarbeit mit der Fedpol, da Hondo seit Jahren in der Innerschweiz lebt. Die Fedpol informierte auch Antidoping Schweiz und koordinierte das Vorgehen. Man habe seit längerem gegen Hondo ermittelt, heisst es bei der nationalen Antidoping-Agentur.

Die Untersuchungen werden trotz Hondos Geständnis fortgeführt. Insbesondere geht es darum, ob weitere Personen in die Dopingaktivitäten des Deutschen Ex-Profis involviert waren oder ob Hondo in seiner Funktion als Schweizer Nationaltrainer unerlaubte Mittel verbreitete.

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