Super League
Ein bitterer Nachmittag: Reaktionen, Analyse und Matchbericht zum 1:3 des FC Basel gegen YB

Der FC Basel verspielt beim Verfolgerduell im Berner Wankdorf in 20 Minuten Unterzahl den möglichen Exploit und muss YB in der Tabelle vorbeiziehen lassen.

Jakob Weber aus Bern
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Berns Jordan Siebatcheu beendet mit seinem 3:1 sämtliche FCB-Hoffnungen, etwas Zählbares aus dem Wankdorf mitnehmen zu können.

Berns Jordan Siebatcheu beendet mit seinem 3:1 sämtliche FCB-Hoffnungen, etwas Zählbares aus dem Wankdorf mitnehmen zu können.

Fabian Frei steht mit ausgestreckten Armen am Mittelpunkt. Er gestikuliert in Richtung Bank und blickt dann fragend seine Mitspieler an. Ratlos und frustriert wirkt der FCB-Captain, denn kurz zuvor hat YB-Stürmer Jordan Siebatcheu mit einem Abstauber auf 3:1 gestellt. Und Freis zu diesem Zeitpunkt in Unterzahl agierendes Team definitiv auf die Verliererstrasse geschickt.

Freis Frust ist auch nach Abpfiff noch nicht verpufft, als er sich ein hitziges Wortgefecht mit Trainer Patrick Rahmen wechselt. «Der Ärger musste einfach raus, weil die Chance, hier zu gewinnen, gross war», erklärt Frei – nachdem er sich beruhigt hat. Und auch Rahmen erklärt: «Ein Leithammel wie Fabi darf das. Kein Problem.»

Problematisch ist eher, dass der FCB durch die 1:3-Niederlage im Verfolgerduell und dem 3:0-Sieg des FC Zürich gegen Lugano jetzt zwölf Punkte hinter der Spitze und zwei Punkte hinter YB auf Rang 3 liegt. Und besonders ärgerlich ist auch, wie die Niederlage zu Stande kam. Denn selten war die Ausgangslage für Basel vor dem Gastspiel in Bern so gut wie an diesem Sonntag. Zwar fehlen auch dem FCB mit dem gesperrten Taulant Xhaka und dem am Rücken verletzten Pajtim Kasami zwei wichtige Spieler. Doch bei YB stehen gleich sechs potenzielle Stammspieler nicht zur Verfügung. Und als sich dann Mitte der ersten Halbzeit auch noch Captain Fabian Lustenberger verletzt, muss Berns Trainer David Wagner früh wechseln. Später wird er sagen: «Wir haben nicht einmal das Aufgebot voll gekriegt. Unter diesen Umständen war das ein ganz grosser Sieg.»

Lindner patzt und Burger fliegt

Nachdem der FCB in der Startphase Mühe mit den hoch pressenden und zweikampfstarken Bernern hat, aber auch gut verteidigt und keine Torchance zulässt, geht er mit der ersten Ecke 1:0 in Führung. Matías Palacios findet am ersten Pfosten den Kopf von Michael Lang, der ausnutzt, dass YB-Goalie Anthony Racioppi auf der Linie klebt.

In der Folge dominiert Basel das Spielgeschehen, was Goalie Heinz Lindner sogar zur Aussage – «wir waren über weite Strecken das bessere Team» – verleitet. YB strauchelt tatsächlich, aber es fällt nicht. Vincent Sierro trifft noch vor der Pause mit einem sehenswerten Distanzschuss aus 30 Metern zum 1:1. «Haltbar», wie Lindner selber findet. Basel hat auch nach dem Ausgleich mehr vom Spiel, wird aber nie gefährlich, was Michael Lang damit begründet, dass die Räume, die YB heute zuliess, nicht gut genutzt wurden.

Das Telegramm

YB - FC Basel 3:1 (1:1)

Wankdorf. – 31 120 Zuschauer. – SR Urs Schnyder. – Tore: 22. Lang 0:1 (Palacios). 39. Sierro 1:1. 69. Ngamaleu 2:1 (Siebatcheu). 71. Siebatcheu 3:1 (Rieder).

YB: Racioppi; Maceiras (72. Blum), Lauper, Lustenberger (35. Garcia) Lefort; Ngamaleu, Sierro, Rieder, Sulejmani (72. Varga); Kanga (85. Amenda), Siebatcheu.

Basel: Lindner; Lang (82. Tavares), Burger, Pelmard, Katterbach; Frei, Palacios: Millar, Esposito (82. Males), Ndoye (82. Fernandes); Chalov (62. Hajdari).

Bemerkungen: YB ohne Zesiger (gesperrt), Camara, Elia, Fassnacht, Maier, Monteiro, Petignat, von Ballmoos und Zbinden (alle verletzt). Basel ohne Xhaka (gesperrt), Essiam, Kasami, Petretta und Padula (alle verletzt). – Gelb-Rot: 60. Burger (Foul). 80. Garcia (Foul). Verwarnungen: 42. Lefort (Foul). 54. Burger (Foul). 55. Garcia (Foul). 78. Frei (Foul). – Freistoss Esposito an die Latte.

Die spielentscheidende Szene spielt sich dann aber in der 60. Minute ab. Der nach einer rüden Grätsche von hinten in die Beine von Moumi Ngamaleu bereits verwarnte Wouter Burger lässt Sierro an der Strafraumgrenze auflaufen und wird folgerichtig mit Gelb-Rot vom Platz geschickt. Rahmen ersetzt Stürmer Fedor Chalov mit Innenverteidiger Albian Hajdari und YB zieht ein ähnliches Powerplay auf wie in den ersten 45 Minuten beim letzten Aufeinandertreffen vor acht Wochen.

Neun Minuten nach dem Platzverweis stellt der eben erst aus Kamerun vom Afrikacup zurückgekehrte Ngamaleu aus 17 Metern auf 2:1. Siebatcheu hatte den Ball zuvor schön gegen Hajdari behauptet und abgelegt. Und zwei Minuten nach der Führung kontert YB Basel aus. Quentin Maceiras kann ungestört flanken, Fabian Rieder ungestraft ein Luftloch schlagen und Siebatcheu wie eingangs beschrieben unbewacht einnetzen.

«Der Platzverweis hat das Spiel in andere Bahnen gelenkt. So wurde es ein bitterer Nachmittag»,

analysiert Rahmen. Doch der FCB-Trainer mahnt auch: «Trotzdem müssen wir das auch in Unterzahl besser verteidigen.» Denn zu Zehnt gewährt der FCB YB plötzlich Räume, die der Meister im Gegensatz zum FCB zu nutzen weiss.

Als Ulisses Garcia in der 80. Minute dann ebenfalls Gelb-Rot sieht, wird das Spiel zwar wieder offen. Doch eine gute Torchance kann sich der FCB nicht mehr erspielen. Vielmehr muss er sich bei den YB-Stürmern bedanken, dass sie die Konter nicht noch in ein höheres Ergebnis verwandeln.

Durchhalteparolen statt Resignation

Trotz des neuerlichen Rückschlags will sich der FCB noch nicht aus dem Meisterrennen verabschieden. «Sicher nicht. Wir können es zwar nicht mehr aus eigener Kraft schaffen, aber wir können aus eigener Kraft möglichst viele Punkte holen», antwortet Lindner auf die Frage nach dem Ende der Titelambitionen. Doch nach dieser verpassten Chance gegen ein stark dezimiertes YB und mit der verspielten Führung klingt das eher nach Durchhalteparole. Der Frust über den bitteren Nachmittag überwiegt.

Die Bilder vom Spiel:

Die Stimmung ist bereits vor dem Anpfiff eines Spitzenspiels absolut würdig.
33 Bilder
Auch die Fans des FC Basel lassen sich eine Choreografie einfallen.
Vor dem Spiel ist klar: Beide Mannschaften müssen gewinnen, um im Meisterrennen zu bleiben.
YB-Trainer David Wagner und FCB-Kontrahent Patrick Rahmen scherzen noch vor Beginn.
Im Spiel geht es gleich zur Sache. YB um Vincent Sierro kommt besser aus den Katakomben.
Liam Millar merkt, dass die Berner früh attackieren.
Dan Ndoye versucht, eine Flanke zu verhindern. In der Startphase gelingt es dem FCB nicht immer.
Sebastiano Esposito feiert nach seiner Sperre sein Comeback.
Fabian Frei geht vorbildlich voran und geht keinem Zweikampf aus dem Weg.
Trotz YB-Startdruck geht der FC Basel mit dem ersten Eckball in Führung.
Michael Lang verwertet die Ecke von Matias Palacios gekonnt und dreht zum Jubeln ab.
Lang und Millar feiern zusammen.
Der FC Basel wähnt sich einen Schritt näher am ersten Sieg in Bern seit 2016.
Die YB-Abwehr hat vor allem bei den Ecken immer wieder Mühe.
Der nächste YB-Schock folgt sogleich: Captain Fabian Lustenberger muss verletzt raus.
Dennoch schlägt der Meister zurück. Heinz Lindner kann einen Schuss Sierros nicht mehr entscheidend ablenken.
Der YB-Mittelfeldspieler freut sich über den Ausgleich.
Patrick Rahmen zeigt sich nach dem 1:1 nachdenklich.
Aus der Pause kommt der FCB aber gut. Dan Ndoye will die Berner unter Druck setzen.
Auch wenn der Schädel brummt: Der FCB hat YB mehrheitlich unter Kontrolle.
Fabian Rieder wird gerade noch gestört.
Fedor Chalov spielt erstmals auswärts für den FCB. Es ist für ihn ein schwieriges Unterfangen.
Wouter Burger kassiert für ein unnötiges Foulspiel eine gelbe Karte.
Es kommt noch schlimmer: Weil er Sierro vor dem Strafraum von den Socken haut, muss er vom Feld.
Burger weiss: Dieser Platzverweis könnte entscheidend sein.
So ist es auch: Wenige Minuten nach der roten Karte feiert YB über das 2:1 durch Nicolas Ngamaleu.
Da kann man als Berner schon mal abheben.
Es kommt für den Meister noch besser: Jordan Siebatcheu erzielt nur drei Minuten später das 3:1.
Der Sieg ist für YB sehr nah...
... der Punktgewinn für den FCB ist hingegen nicht mehr in Sicht.
Ulisses Garcia bringt nochmals Spannung zurück, als er Ndoye foult.
Da es für den Eingewechselten ebenfalls die zweite gelbe Karte ist, muss er runter.
Doch eine Aufholjagd gibt es nicht mehr. Der FCB verliert in Bern mit 1:3.

Die Stimmung ist bereits vor dem Anpfiff eines Spitzenspiels absolut würdig.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

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