ZSC Lions

Ein bisschen Bescheidenheit, ein bisschen Musik-Star – wie dem ZSC nach Arno del Curto die Rückkehr aus der Krise gelingen will

Ein wenig bärtiger Roadie, ein wenig Hockey-Romantiker: ZSC-Trainer Rikard Grönborg.

Die ZSC Lions haben sich neu erfunden. Bescheidenheit und Demut sollen das neue Erfolgsrezept für die teuerste Mannschaft der Liga sein. Teil des Neuerfindungsprozesses ist Trainer Trainer Rikard Grönborg – und der Rückkehrer Roman Wick.

Warum? Die Frage, wie es im Frühjahr zum schmählichen Scheitern kommen konnte, hat die ZSC Lions auf allen Ebenen bis hinauf zu General Manager Peter Zahner lange beschäftigt. Roman Wick sagt: «Es gibt nicht eine Antwort, es gibt viele Antworten. Wir haben in den Spiegel geschaut, die Analyse gemacht. Die Ergebnisse bleiben in der Kabine.»

Die Zürcher waren im Sommer auf der Suche nach einer neuen Identität. Zuletzt standen die Lions für Arroganz, Überheblichkeit und Sattheit. Das soll sich ändern. Aber so schnell lassen sich schlechte Gewohnheiten – davon hat der neue Trainer Rikard Grönborg im Spiel bereits einige entdeckt – nicht abstellen.

Zumindest Roman Wick (33) wird im Laufe dieser Saison ein Erfolgserlebnis haben. Bald soll ein Album der Rockband We and the Bulls auf den Markt kommen. Mit Eigenkompositionen. Sozusagen als Resultat einer achtjährigen Suche nach der guten Musik. Die ZSC Lions sind noch auf der Suche nach dem guten Eishockey.

Roman Wick, der melancholische Rockstar

Wir sind mit dem Thema Musik keineswegs vom Eishockey abgekommen. Denn Roman Wicks Band besteht fast ausschliesslich aus Hockey-Stars. Die Gitarristen heissen Eric Blum und Roman Wick, der Bassist Romano Lemm und der Leadsänger Tim Ramholt. Nur der Drummer ist kein ehemaliger oder aktueller Hockey-Star. Wahrscheinlich ist der klubübergreifende Zusammenhalt der Band grösser als letzte Saison der Kitt in der ZSC-Kabine.

Roman Wick sieht sowieso eher aus wie ein melancholischer Rockstar und nicht wie ein grimmiger Hockeyspieler. Und vielleicht personifiziert er auch eine der vielen Antworten auf die Frage, wie es sein konnte, dass der Meister die Playoffs verpasst hat. Der Klotener ist einer der letzten Hockey-Romantiker. Ein Künstler auf den Aussenbahnen.

Unberechenbar in einem Spiel, das die Trainer immer mehr in ihre Einzelteile zerlegen, wieder zusammenbauen und berechenbar machen. Oder meinen, sie könnten es. «Romantiker? Das wohl nicht. Aber ich bin noch einer aus einer anderen Zeit. Als ich in die erste Mannschaft kam (2003 in Kloten), wusste ich nicht mal, wo der Kraftraum war. Die Jungen von heute sind hingegen richtige Maschinen…»

Grönborg muss Umdenken ins Team bringen

Der hochbegabte Flügel kennt die neue Zeit sehr wohl. Er spielte als Junior zwei Jahre in Nordamerika, später eine Saison in der NHL-Organisation der Ottawa Senators (7 NHL-Spiele) ehe er 2012 zu den ZSC Lions kam. Er hat für die Schweiz zwei olympische Turniere und drei Weltmeisterschaften bestritten. Seit Herbst 2014 verzichtet er auf weitere internationale Einsätze.

Letzte Saison sass er wegen Rückenbeschwerden meistens auf der Tribüne (nur 18 Spiele/11 Punkte). Er sagt, er habe das Training angepasst, jetzt gehe es viel besser. Er fühle sich richtig gut. Trainer Rikard Grönborg hat ihn in der Vorbereitung meistens neben dem grimmigen neuen schwedischen Center Marcus Krüger eingesetzt. Wucht und Biss in der Mitte, Kunst auf der Aussenbahn, ungewollt ein Eingeständnis, dass letzte Saison eine Prise Roman Wick, eine Prise Unberechenbarkeit, Unbeschwertheit gefehlt hat.

Sportchef Sven Leuenberger konnte zwar der Versuchung grosser Namen nicht widerstehen und hat den Zugern den Playoff-Topskorer Garrett Roe abgeworben. Aber nennenswerte Wechsel hat es nur auf den Ausländerpositionen durch die Zuzüge von Krüger und Roe gegeben. Der Kern der Schweizer Spieler ist gleichgeblieben.

Die Wende versprechen sich die Zürcher eben nicht durch Transfers. Sondern durch eine Rückkehr zur Bescheidenheit, zur Demut. Beinahe romantische Töne beim teuersten Team ausserhalb der NHL und der KHL. Trainer Rikard Grönborg (51) obliegt es, dieses Umdenken ins Spiel einzubringen. Er hat die meiste Zeit in den USA gelebt, nie ein Profiteam während einer ganzen Saison geführt.

Unaufgeregt und entspannt in die neue Saison

Berühmt ist er erst als Nationaltrainer in Schweden mit zwei WM-Titeln (2017, 2018) geworden. Auch er mahnt ein wenig an einen Hockey-Romantiker. Würde er nicht in Schlittschuhen da stehen, könnte er auch als bärtiger Roadie durchgehen, mit dem man lieber nicht in Streit geraten möchte.

Die den schwedischen Trainern eigene, arrogante Besserwisserei ist ihm fremd. Eher mahnt er an den Larry Huras der besten Tage. So unaufgeregt und entspannt waren die Zürcher vor einer neuen Saison jedenfalls schon lange nicht mehr. Und sogar ist die Rede davon, der neue Trainer brauche Zeit. Vielleicht ist das ja auch eine Lehre aus der letzten Saison: mehr Geduld haben.

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