Beachsoccer

Dunkle Wolken über dem Paradies: Der Schweizer Beachsoccer steht vor einem Umbruch

Bis zum bitteren Ende: Die Schweizer Beachsoccer Nati muss nach einem überzeugenden WM-Auftritt das Aus gegen Italien verkraften. Nun droht auch Zuhause Ärger.

Bis zum bitteren Ende: Die Schweizer Beachsoccer Nati muss nach einem überzeugenden WM-Auftritt das Aus gegen Italien verkraften. Nun droht auch Zuhause Ärger.

Trotz überzeugendem WM-Auftritt steht der Schweizer Beachsoccer vor einer drohenden Krise. Die heimische Liga muss sich neu erfinden, ansonsten bricht der Schweizer Nationalmannschaft die Basis weg. Naht nun die Rettung in Form eines Umbruchs?

Weisse Strände, Sonnenschein, coole Typen und viel Spektakel. Wer Beach Soccer schaut, wird in eine Welt entführt, die den Anschein erweckt, keine Schattenseiten zu haben. Mehr Lifestyle, denn bloss Sportart, verspricht der Fussball auf Sand Lockerheit, grenzenlose Freiheit.

Gut sichtbar wurde das zum ersten Mal auch für ein Millionenpublikum. Auf der grössten aller Bühnen zeigte die Schweizer Nati an der am Sonntag zu Ende gegangenen Weltmeisterschaft bis zum Viertelfinalausscheiden gegen Italien ihr Können. Ständig von der SRF-Kamera begleitet, immer im Rampenlicht.

Anders sieht das fernab dieser Welt aus. Wo Licht ist, findet sich auf einmal auch Schatten. Während die Nati sich im zugegebenermassen verdienten Scheinwerferlicht sonnt, sieht die Situation für die Vereine in der Schweiz weniger rosig aus. «Wenn wir davon reden, dass die heimische Liga stagniert, dann ist das leider aktuell der Fall», sagte Matthias Som, Präsident der Havana Shots Aargau auf Anfrage.

Längst vergessene Zeiten

Schon vor einer ganzen Weile hat die Liga ihren Zenit überschritten. Längst vergessen sind die Zeiten, in denen Gelder von Sponsoren wie Suzuki, der GE Money Bank oder Rivella ähnlich wie das goldene und prickelnde Nationalgetränk nur so in Strömen flossen. Während Zuschauer und Vereine gleichermassen verschwanden und leise Bühnen abgebaut wurden, regte sich Widerstand bei den Vereinen.

Die Zielscheibe des Ärgers? Die Swiss Beach Soccer GmbH (SBS) und mit ihr die Besitzer Reto Wenger und Nationaltrainer Angelo Schirinzi. Dass die beiden Organisatoren der Liga deren Betrieb an die Eventfirma Zone B, die in den Händen von Wengers Bruder Beat liegt, ausgelagert hatten, stiess einigen sauer auf.

Von ausbleibender Unterstützung und fehlender Transparenz, war unter anderem die Rede. All das bemängelten die Vereine nun Anfang November in einem offenen Gespräch mit allen Parteien. Seit jener «Chropfleerete» ist endlich ein Aufwärtstrend zu erkennen.

Der Sportart neues Leben einhauchen

Nach dem darauf folgenden Rückzug der Zone B soll dem Beachsoccer neues Leben eingehaucht werden. Sandro Spaccarotella steht sinnbildlich für diesen Schritt Richtung Zukunft. Der in Niederrohrdorf wohnhafte Spieler der Schweizer Nati und Gründer der Havana Shots wird in der kommenden Saison neu den Spielbetrieb leiten.

Als Ansprechperson für die Vereine sieht er die Lage weniger drastisch als Som. «Der Sport befindet sich Umbruch. Nun gilt es, die beste Lösung für die Schweiz und deren Vereine zu finden», sagt er.

Doch diese erfordert einen einschneidenden Schritt. Für Swiss Beach Soccer hat der Fussball auf Sand nur Zukunft als Eventsportart. «Wie sich in der Vergangenheit gezeigt hat, ist eine Liga mit elf Spielwochenenden zu lange», sagt Spaccarotella. «Es ist nicht das Ziel eine Profiliga zu schaffen, davon gibt es selbst weltweit nur wenige.»

Aktiv auf Fussballvereine zugehen

Der Natispieler verweist auf Länder wie Italien, Russland, oder Brasilien. Diese führen ihre Meisterschaften in Form von wenigen Eventwochenenden durch. Dank einer zusätzlichen Öffnung in die Breite soll der Sport populärer gemacht und Fussballvereine oder Schulen aktiv angeworben werden.

Doch während das definitive Konzept der Liga erst Ende Dezember vorgestellt werden soll, herrscht bei den Vereinen schon jetzt Unsicherheit. Während sie offene Events begrüssen würden, um Interessierte Beachsoccerluft schnuppern zu lassen, machen diese ohne eine in gewohnter Form weiterlaufende Meisterschaft für sie selbst wenig Sinn. Zu hoch wären die Kosten, um die bisherigen Vereinsstrukturen aufrechtzuerhalten.

«Die Vereine und die Spieler haben Angst um ihre Zukunft. Wir haben bis anhin in einem System gespielt, in dem uns alles vorgegeben worden ist. Jetzt möchten wir mehr Einfluss auf das Ganze haben. Sofern das fertige Konzept sich nur auf wenige Eventwochenenden beschränkt, wäre das für uns als Havana Shots nicht zufriedenstellend», sagt Som.

Ein bislang unerfüllter Wunsch

Dass trotz von beiden Seiten existierender Kompromissbereitschaft noch ein weiter Weg vor allen Beteiligten liegt, ist spürbar. Der gleichen Meinung sind Som und Spaccarotella hingegen, wenn es um den medienwirksamen und überzeugenden WM-Auftritt der Nati geht.

Beide wollen den Elan daraus aufgreifen. «Ich glaube, dass ein neuer Hype entstehen kann. Das müssen wir unbedingt nutzen, den Schwung mitnehmen und so eine sehr attraktive Liga aufstellen», sagt Spaccarotella.

Fraglich ist aber, ob letztlich nicht nur die Nati davon profitiert. Diese ist im Gegensatz zur Liga dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) unterstellt. Ein Wunsch, der Som bisher verwehrt blieb. Statt auf eigene Faust eine Liga zu gründen, wünschen sich die Vereine schon lange einen sauberen Neustart unter dem SFV.

Nach wie vor für Kompromisse bereit

Doch während der Verband in seiner nächsten Sitzung darüber entscheiden will, ob und in welcher Form eine durch die Vereine gegründete Alternativliga unterstützt werden könnte, will Som nach wie vor für Kompromisse bereit sein und eine gemeinsame Lösung mit der SBS anstreben.

«Das Land ist zu klein, für Zerwürfnisse zwischen dem was besteht und denen, die nachkommen. Das wird den Sport nicht weiterbringen», sagt er. Doch ob und wie sich dieser tatsächlich weiterentwickeln kann, wird sich erst Ende Dezember zeigen. Dann, wenn hoffentlich auch in der Liga wieder die Sonne scheint.

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