Gold-Triple

Drei Mal Gold bei Paralympics: Wieso der Sport für Théo Gmür trotzdem nur ein Hobby ist

«Als ich die Fahne trug, habe ich realisiert, dass ich etwas Grosses erreicht habe.»

«Als ich die Fahne trug, habe ich realisiert, dass ich etwas Grosses erreicht habe.»

Der 21-jährige Théo Gmür holt an den Paralympics dreimal Gold – wer dem Walliser gratulierte und wieso er trotzdem nicht vom Spitzensport leben kann.

Mit dem Ziel, eine Medaille im Riesenslalom zu gewinnen, reiste Théo Gmür Anfang März nach Pyeongchang. Dass er auf der Rückreise gleich drei Goldmedaillen um den Hals tragen würde, kann er selber kaum glauben. In der Kategorie «stehend» dominierte der 21-Jährige auf ganzer Linie: In der Abfahrt, im Super-G und im Riesenslalom liess Gmür die Konkurrenz hinter sich und holte sich das Gold-Triple.

Die Leistungen des Paralympics-Debütanten, der seit er drei Jahre alt ist wegen eines Hirnödems halbseitig gelähmt ist, blieben natürlich nicht unbemerkt: «Als ich die Abfahrt gewonnen habe, habe ich unter anderem eine SMS von Bundesrat Parmelin bekommen. Er hat mir gratuliert und mir viel Glück für die weiteren Rennen gewünscht», freut sich Gmür. Dieses Glück kam wohl an: Als einziger Schweizer Athlet holte der Walliser an den Paralympics überhaupt eine Medaille.

Fahnenträger am Debüt

An der Schlussfeier wurde ihm deswegen die Ehre zuteil, die Schweizer Fahne tragen zu dürfen. «Da habe ich das erste Mal realisiert, dass ich etwas Grosses erreicht habe.» Ganz verdaut habe er die Situation aber immer noch nicht.

Viel Zeit bleibt dem «Goldjungen von Pyeongchang», wie ihn der «Blick» taufte, dafür sowieso nicht. Seit seiner Rückkehr am Dienstagabend eilt Gmür von einem Medientermin zum anderen. «Zurzeit finde ich es hier anstrengender als in Pyeongchang», witzelt er.

Bereits am Sonntag fährt Théo Gmür nach Obersaxen an die Schweizer Meisterschaft. Die letzten Rennen dieser Saison.

Zurück in den Studentenalltag

In zwei Wochen geht es für den Medaillenhamster nämlich wieder zurück in den Studenten-Alltag nach Biel, wo er nahe der Eidgenössischen Sporthochschule in Magglingen Sport studiert. «Ich will eine gute Ausbildung abschliessen. Vom Spitzensport kann ich ja nicht leben. Da Sport aber meine Leidenschaft ist, ist dieses Studium die perfekte Lösung für mich. Der Spitzensport ist sozusagen mein Hobby.»

Drei paralympische Goldmedaillen und trotzdem ist der Sport nur ein Hobby? Um das nachzuvollziehen, ist ein Blick auf die Siegesprämien und die Sponsoring-Situation der Sportler nötig: Während eine olympische Goldmedaille von Swiss Olympic mit 40 000 Franken prämiert wurde, erhielt Gmür für die erste Goldmedaille 8000 Franken. Für die anderen beiden gab es von Swiss Paralympic je 2000 Franken. 12 000 Franken für ein Gold-Triple, ist das nicht unfair? «Nein, das ist verständlich», findet Gmür.

Sponsoren dank Medien

Wichtiger sei ihm, dass der Behindertensport mehr mediale Beachtung findet. «Es wäre schön, wenn die Aufmerksamkeit nicht nur alle vier Jahre so gross wäre, sondern auch an Weltmeisterschaften oder den Weltcups.» Letzteren gewann er vergangenes Jahr. Nur wenn der Behindertensport an Beachtung gewinne, würden Sponsoren auf die Athleten aufmerksam.

Trotzdem: Gmür ist glücklich mit dem, was seine Leistung in Südkorea nach sich zieht. Seine sportlichen Ziele hat er klar definiert: «Ich möchte mich für die nächsten Paralympics qualifizieren und an verschiedenen Wettbewerben viele Goldmedaillen holen.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1