Nach Sieg gegen Scharapowa

Doping-Ohrfeige von Bouchard: «Zahlreiche Spielerinnen haben mir besonders viel Glück gewünscht»

Freundinnen werden sie nicht mehr: Intensiver Blickkontakt zwischen Eugenie Bouchard und Maria Scharapowa.

Freundinnen werden sie nicht mehr: Intensiver Blickkontakt zwischen Eugenie Bouchard und Maria Scharapowa.

Dopingsünderin Maria Scharapowa musste sich in Madrid Eugenie Bouchard in drei Sätzen geschlagen geben – die Kanadierin trat nach der Partie noch einmal kräftig nach.

Die prophezeite Eiszeit auf der Anlage La Caja Mágica blieb im sommerlich-warmen Madrid zunächst aus. Der Handshake zwischen «Anklägerin» Eugenie Bouchard und «Betrügerin» Maria Scharapowa wurde der brisanten Vorgeschichte des Matches nicht wirklich gerecht. Am Netz gab es nach dem hochklassigen Schlagabtausch über 2:51 Stunden dann noch einen intensiven, aber neutralen Blickkontakt – das wars. «Sie hat zu mir gesagt: Gut gespielt», berichtete Bouchard nach ihrem Sieg im aufsehenerregenden Zweitrundenspiel gegen Dopingsünderin Scharapowa (7:5, 2:6, 6:4).

Der Nachsatz der Kanadierin, die am Mittwoch im Achtelfinal nun auf Deutschlands Angelique Kerber trifft, war dann allerdings schon ein bisschen kühler. «Sie spielt wirklich gut bei ihrem sogenannten Comeback – wenn man es so nennen will», stichelte die zuletzt formschwache ehemalige Wimbledon-Finalistin Bouchard nach.

Eugenie Bouchard gives Maria Sharapova huge serve "Sie ist eine Betrügerin und sollte nie wieder spielen dürfen»

Eugenie Bouchard über Maria Scharapova:

«Sie ist eine Betrügerin und sollte nie wieder spielen dürfen. Es ist unfair gegenüber allen anderen Spielern, die fair spielen.»

Erst vor zwei Wochen hatte sie Scharapowa als «Betrügerin» bezeichnet, die «nie wieder» auf die Tour hätte zurückkehren dürfen. Es war das deutlichste Statement einer Kollegin rund um die Rückkehr von Scharapowa und die Diskussion über ihre umstrittene Wildcard-Teilnahme am Turnier in Stuttgart.

Auch Bouchards Ruf ist ruiniert

Gänzlich frostig wurde es dann in den Stadion-Katakomben, als Bouchard über ihr ganz persönliches Mental-Doping vor dem ganz besonderen Match sprach: «Ich war sehr inspiriert, weil viele Spielerinnen vorher zu mir gekommen sind und mir besonders viel Glück gewünscht haben. Ich habe auch viele unterstützende Nachrichten aus der ganzen Tennis-Szene bekommen», erzählte die Nummer 60 der Welt, die schon einmal Weltranglistenfünfte war:

Maria Scharapowa – die hübsche Russin in Bildern:

«Die Reaktionen haben gezeigt, dass viele Leute meiner Meinung sind.» Nun muss man dazu aber wissen, dass Bouchard selbst im Kreis der Spielerinnen äusserst unbeliebt ist. Viele sagen der Blondine mit dem werbewirksamen Zahnpastalächeln Arroganz und grenzenlosen Egoismus nach. Wie Scharapowa grüsst Bouchard ihre Kolleginnen nicht, sie sei eine, die für den Erfolg notfalls über Leichen gehe, wird gemunkelt. Dazu inszeniert sich «Genie» immer wieder gerne und leicht bekleidet in den sozialen Netzwerken.

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«Natürlich wollte ich für mich selbst gewinnen, aber eben auch für all diese Leute», sagte Bouchard über die «extra Portion Motivation» im Match gegen Scharapowa. Bezeichnend, dass die Kanadierin erst vor ein paar Wochen bei einem ITF-Turnier in Indian Harbor Beach mit 0:6, 3:6 gegen die Weltranglisten-896. Victoria Duval verloren hatte.

«Das macht mich zu einer besseren Spielerin»

Scharapowa kassierte ihrerseits im sechsten Match seit dem Ablauf der 15-monatigen Sperre ihre zweite Niederlage. Was zur Folge hat, dass die fünfmalige Grand-Slam-Siegerin beim anstehenden Turnier in Rom eine Runde überstehen muss, um sich den Start in der Wimbledon-Qualifikation zu sichern. Würde sie, die derzeit auf Platz 258 des WTA-Rankings steht, in Rom den Halbfinal erreichen, hätte sich Scharapowa sogar für das Wimbledon-Hauptfeld qualifiziert.

«Ich war sehr inspiriert, weil viele Spielerinnen zu mir gekommen sind und mir besonders viel Glück gewünscht haben. Ich habe auch für all diese Leute gewonnen.»

Eugenie Bouchard:

«Ich war sehr inspiriert, weil viele Spielerinnen zu mir gekommen sind und mir besonders viel Glück gewünscht haben. Ich habe auch für all diese Leute gewonnen.»

Doch die rund 300 Millionen Dollar schwere Wahl-Amerikanerin aus Sibirien hat mittelfristig ganz andere Ziele, die auch die Niederlage gegen Bouchard nicht erschüttern konnte. «Ich bin enttäuscht, aber genau das macht mich zu einer besseren Spielerin. Und das wiederum ist die Basis, dass ich noch mehr Grand Slams gewinnen werde.» Und die Lästereien der Konkurrenz? «Aussagen, Artikel – darauf kommt es im Leben nicht an», meinte die coole Russin: «Was zählt, ist die Leistung auf dem Platz.»

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