Radsport

Die Tour de Suisse besinnt sich auf Schweizer Werte

David Loosli, Sportlicher Direktor der Tour de Suisse, anlässlich der Medienkonferenz über die Tour de Suisse 2016.

David Loosli, Sportlicher Direktor der Tour de Suisse, anlässlich der Medienkonferenz über die Tour de Suisse 2016.

Die nächste Tour de Suisse (11.–19. Juni 2016) ist auf gute Kletterer zugeschnitten. Gleich drei Etappen enden mit Bergankünften. Das Bild der Tour de Suisse als repräsentativer Bühne für das ganze Land bleibt indes nicht ohne Kratzer.

Radfahren in der Schweiz ist nichts für Flachlandstrampler. Eine neue Erkenntnis ist dies zwar nicht, doch die Teilnehmer der Tour de Suisse werden es im kommenden Juni zu spüren bekommen wie noch selten. Klar ist: Nach dem vergleichsweise leichten Parcours in diesem Jahr wird die Schweizer Rundfahrt 2016 am Berg entschieden. «Mit den grossen Schweizer Bergen möchten wir die Schweizer Werte in den Mittelpunkt rücken», sagte Tour-Generaldirektor Olivier Senn anlässlich der Präsentation der Rundfahrt in Zug.

Dabei beginnt auch die Tour de Suisse 2016 eher harmlos – mit einem Prolog-Zeitfahren und einem Rundstreckenrennen am Start-Hub in Baar sowie einer Etappe vom Sempachersee über den Jura nach Rheinfelden. Die zweite Wochenhälfte jedoch hat es in sich: In der Leventina (Carì), Amden und Sölden enden drei Etappen in Folge mit einem langen Schlussaufstieg, ehe das finale Wochenende in Davos mit einem kürzeren Einzelzeitfahren und einem Rundkurs über mehrere Pässe für die definitive Entscheidung sorgen wird. «Es wird eine sehr schwere Tour de Suisse», stellte Radprofi Michael Schär fest, welcher der Präsentation auf Einladung des Veranstalters beiwohnte.

Übersichtskarte der Tour de Suisse 2016.

Übersichtskarte der Tour de Suisse 2016.

Zur Besinnung der Tour de Suisse auf Schweizer Werte passt die Partnerschaft mit drei Bündner Tourismus-Destinationen. Nachdem das Bergpreis-Sponsoring durch Sölden/Tirol in diesem Jahr in der Schweiz teilweise kritisch aufgenommen wurde, reagierten Davos/Klosters, Engadin/St. Moritz und Arosa mit einem Schulterschluss – und sponsern das Bergpreis-Trikot für die kommenden drei Jahre gemeinsam. Dabei wird jede der drei Destinationen in je einem Jahr mit ihrem Schriftzug werben – und die Tour de Suisse gleichzeitig bei sich zuhause empfangen. Sölden bleibt bei den kommenden beiden Austragungen wie geplant Etappenort.

Westschweizer Etappenort gesucht

Das Bild der Tour de Suisse als repräsentativer Bühne für das ganze Land bleibt indes nicht ohne Kratzer. Dies vor allem in zwei Punkten: Zum einen hat Veranstalter Infront-Ringier im Bemühen, mit Bern die Bundeshauptstadt fix als Zielort der Rundfahrt zu etablieren, einen herben Rückschlag erlitten. Der Vertrag für die Austragung des Abschluss-Wochenendes für 2016 wurde «in gegenseitigem Einvernehmen» aufgelöst, nachdem die Berner in den Bereichen Finanzen und Infrastruktur nicht die nötigen Garantien leisten konnten – und nun dafür nächsten Sommer die Tour de France empfangen. Zum andern ist die Suche nach einem Etappenort in der französischsprachigen Schweiz bisher erfolglos verlaufen. «Wir wollen unbedingt auch in die Romandie», sagt Senn.

Einen Erfolg kann die Tour de Suisse dafür auf der radsportpolitischen Ebene verbuchen: Die drohende Kürzung der Rundfahrt von neun auf sechs Tage im Rahmen der Kalenderreform des Weltverbandes UCI konnte zumindest auf mittelfristige Sicht abgewendet werden.

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