Coronakrise

Die Tenniswelt steht zwischen Erosion und Explosion: Weshalb Roger Federer ein Abgang durch die Hintertür droht

Roger Federer macht sich für eine Fusion der WTA und der ATP ein, der Profi-Vereinigungen der Frauen und Männer.

Roger Federer macht sich für eine Fusion der WTA und der ATP ein, der Profi-Vereinigungen der Frauen und Männer.

Der Spielbetrieb im Tennis ruht bis Mitte Juli. Doch eine Wiederaufnahme scheint illusorisch. Derzeit besteht nicht einmal ein Konsens darüber, wo, wann und unter welchen Bedingungen wieder gespielt werden kann. Dem Welttennis stehen fundamentale Umwälzungen bevor.

Während der Fussball in Deutschland Mitte Mai mit Geisterspielen zu einer neuen Normalität zurückfindet, tut sich das Tennis mit Szenarien für den Weg aus der Coronakrise schwer. Zu global der Sport, zu ungleich die Voraussetzungen, um Aussagen dazu machen zu können, wann, wo und unter welchen Bedingungen wieder gespielt werden kann. Und zu gross ist auch die Unlust vieler Spieler, zur Tagesordnung überzugehen. Fast sicher ist, dass es zu Verwerfungen und fundamentalen Umwälzungen kommt, ob als Erosion oder Explosion. Das hat nicht zuletzt mit einem Vorstoss von Roger Federer zu tun, der eine Fusion der beiden Profi-Vereinigungen WTA und ATP anregte. Die wichtigsten Fragen und Antworten in Kürze.

Wann wird wieder gespielt?

Der Spielbetrieb ruht vorläufig zwar bis zum 13. Juli, und geht es nach den Veranstaltern der French Open, wird in Paris ab dem 20. September das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres gespielt. Besonders realistisch scheint das nicht. Denn nun wurde bekannt, dass die Australian Open bereits jetzt davon ausgehen, dass im Januar 2021 im Idealfall nur vor australischen Zuschauern gespielt werden kann, und sich die Spieler nach der Einreise für zwei Wochen in Quarantäne zu begeben hätten. Auch mit einem Szenario einer Absage beschäftigt sich Tennis Australia. Derzeit besteht nicht einmal Konsens darüber, unter welchen Bedingungen der Tennis-Zirkus zur Normalität zurückkehren könnte. Novak Djokovic liess bereits ausrichten, dass er sich einem Impfzwang widersetzen würde.

Novak Djokovic sorgte mit der Äusserung, sich einem möglichen Impfzwang gegen das Coronavirus zu widersetzen, für Aufsehen.

Novak Djokovic sorgte mit der Äusserung, sich einem möglichen Impfzwang gegen das Coronavirus zu widersetzen, für Aufsehen.

Was sagen die Spieler?

Die Meinungsführer gehen nicht von einer baldigen Wiederaufnahme des Spielbetriebs aus. Rafael Nadal sagte gegenüber der spanischen Zeitung «El Pais», er gehe nicht davon aus, dass 2020 noch gespielt werde. Ähnlich äusserte sich Stan Wawrinka in der «L'Equipe». Novak Djokovic, der sich derzeit im spanischen Marbella aufhält, und dort verbotenerweise trainierte, unterhält seine Anhänger regelmässig mit Live-Gesprächen auf den sozialen Medien. Als Präsident des Spielerrats hält er sich mit Äusserungen zu tennispolitischen Themen zurück. Gleiches gilt für Roger Federer, der über seine Stiftung in Afrika mit einer Million Dollar 64000 Kinder und ihre Familien mit Essenspaketen unterstützt.

Rafael Nadal rechnet nicht damit, dass in diesem Jahr noch Turniere stattfinden können. Eine Rückkehr im Januar wäre bereits ein Erfolg.

Rafael Nadal rechnet nicht damit, dass in diesem Jahr noch Turniere stattfinden können. Eine Rückkehr im Januar wäre bereits ein Erfolg.

Gibt es einen Hilfsfonds?

Anders als die Aushängeschilder wie Roger Federer, Rafael Nadal, Novak Djokovic oder Serena Williams, die als Werbeträger weitaus mehr Geld verdienen, ist das Gros der Tennisspieler wesentlich von den Preisgeldern abhängig, die bei Turnieren ausgeschüttet werden. Werden keine Turniere gespielt, können sie ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten. Nun haben die vier Grand-Slam-Turniere (Australian Open, French Open, Wimbledon und US Open), der Tennisweltverband ITF, und die Profi-Organisationen der Frauen und Männer, WTA und ATP, einen Hilfsfonds für von der Pandemie betroffene Spieler eingerichtet. Die 60 Millionen Dollar werden an 800 Spielerinnen und Spieler verteilt. Der Verteilschlüssel ist geheim.

Kommt es zu einer Fusion?

Mit drei kurzen Nachrichten auf Twitter hat Roger Federer die Tenniswelt Ende April kurzerhand aus den Angeln gehoben, als er die Gründung einer Dachorganisation für Männer- und Frauentennis anregte. Die Idee findet zwar breiten Zuspruch, steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. So müsste nicht nur die Organisation auf neue Beine gestellt werden, sondern auch der Turnierkalender. Auch Verträge mit Rechteinhabern müssten neu verhandelt werden. Es ist kaum anzunehmen, dass Roger Federer diese neue Tennis-Weltordnung noch als Spieler erlebt. Und dauert die Pandemie weiter an, droht ihm ein Abgang durch die Hintertür.

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