Die starke Schweizer Reaktion

Die Schweiz spielt in der Nations League gegen Deutschland nach einer überzeugenden Leistung 1:1.

Etienne Wuillemin aus Basel
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Der Schweizer Stürmer Haris Seferovic (Nr. 9) wird von Deutschlands Goalie Bernd Leno gestoppt.

Der Schweizer Stürmer Haris Seferovic (Nr. 9) wird von Deutschlands Goalie Bernd Leno gestoppt.

Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Basel, 6. September 2020)

Ist plötzlich sogar der Sieg möglich? Es laufen die letzten Sekunden, die Schweizer spüren noch einmal Aufwind, Akanjis Freistoss fliegt in die Mauer, Xhakas Kopfball knapp neben das Tor. «Kommt noch einmal», ruft derweil Deutschland-Trainer Jogi Löw an der Seitenlinie.

Kurz darauf ist Schluss, es bleibt beim 1:1. Die Schweiz trotz Deutschland ein Unentschieden ab. Es ist für die Gäste sogar schmeichelhaft. Der Lohn für Vladimir Petkovic und seine Equipe ist zu gering für diesen couragierten, über weite Strecken überzeugenden Auftritt.

Die Schweizer haben sich im Vergleich zum 1:2 in der Ukraine erheblich gesteigert. Sie haben einen Auftritt gezeigt, der gewiss mehr als ein leeres Stadion verdient gehabt hätte.

Der Kaltstart, die Reaktion und Sommers grosse Parade

Was bleibt nach diesem Abend von Basel? Nicht neu ist die Erkenntnis, dass ihnen Gegner wie Deutschland besser liegen, die auch nach vorne spielen und darum Räume offen lassen. Erfreulich war aber auch, wie sehr sich die Schweizer in ihrem Pressing verbesserten. Sie fanden eine gute Balance zwischen forschem Pressing und dezentem Zurückziehen. Sie vermieden es, allzu grosses Risiko einzugehen, ohne dabei den Eindruck zu erwecken, nur abzuwarten. Und vor allem verzeichneten sie keine leichtsinnigen Fehler.

Petkovic besetzte die Seiten neu. Und die Wechsel gingen auf. Sowohl Benito als auch Widmer überzeugten. Letzterer nicht nur wegen seines Tores. Der Kampf mit Mbabu um die Nachfolge von Lichtsteiners Platz ist lanciert. Dazu überzeugte auch Renato Steffen. Er war bissig, suchte und fand mehrfach die Zwischenräume. Setzte immer wieder Seferovic und Embolo ein. Ihm gelang ein Auftritt, der zeigte, dass es künftig durchaus möglich wäre, Shaqiri auch positionsgetreu zu ersetzen.

Nach 20 Minuten legen die Schweizer den Respekt ab

Zwanzig Minuten dauerte es, bis das Spiel richtig Fahrt aufgenommen hatte. Zwanzig Minuten, bis es den Schweizern gelang, ihren Respekt abzulegen. Dass es schon 0:1 stand, war nicht zwingend, überhaupt nicht, und doch mussten sie bereits wieder einem Rückstand hinterher laufen. Allein, es hemmte sie nicht. Im Gegenteil. Von Minute zu Minute kamen sie dem Ausgleich näher. Steffen und Seferovic hatten dabei die grössten Chancen. Zwischendurch war es Sommers grosser Reaktion gegen Draxler zu verdanken, dass es nicht plötzlich 0:2 stand.

Der Lohn für das Feuerwerk kam in der 57. Minute, als Widmer die Vorarbeit von Embolo veredelte. Dieser betrieb einen grossen Aufwand, scheiterte zuvor noch mehrfach am Rasen und sich selbst, ehe einer seiner Rushes doch noch von Erfolg gekrönt wurde. Embolo musste später verletzt ausgewechselt werden. Es war die einzige schlechte Nachricht an diesem unterhaltsamen und tollen Fussballabend im leeren Stadion von Basel.