Die Verbindung zu Bern ist noch immer eng. Zusammen mit YB-Captain Steve von Bergen und YB-Pressechef Albert Staudenmann hat sich Raphaël Nuzzolo in dieser Woche das Eishockey-Finalspiel zwischen dem SC Bern und dem EV Zug angeschaut. Und natürlich ist dabei auch über das Super-League-Spiel vom Ostermontag zwischen Xamax und den Young Boys gesprochen worden.

«YB wird keine Geschenke machen», ist sich Xamax-Stürmer Nuzzolo sicher. Auch von Bergen, wiewohl ein echter Neuenburger und früherer Xamaxien, wird kein Eigentor schiessen. «Ich weiss, dass YB noch ein paar Rekorde knacken will», sagt Nuzzolo, der ab 2011 während fünf Saisons das YB-Trikot trug und teilweise in einer Fahrgemeinschaft mit dem gleichaltrigen von Bergen in die Hauptstadt pendelte.

Ausverkaufte Maladière

Dennoch hat Nuzzolo nun nicht versucht, den 36-jährigen Copain zu überreden, die Karriere bei Xamax zu beenden. «Ich habe gespürt, dass es für Steve und dessen Körper besser ist, jetzt aufzuhören. Als Freund muss man sich ehrlich die Meinung sagen.»

Nuzzolo hat beeindruckt, in welch kurzer Zeit YB es geschafft hat, den FC Basel als Schweizer Krösus abzulösen. Bei allem Respekt vor dem Meister hat er aber die Hoffnung, Xamax könne Gelb-Schwarz erstmals Punkte abzwacken. «Wir hoffen, dass YB nach dem Erreichen des grossen Ziels nicht mehr so ehrgeizig ist», sagt Nuzzolo. Ihm ist anzusehen, wie er dem Spiel entgegenfiebert und berichtet, dass die 11 500 Plätze ausverkauft seien.

Die Vorfreude ist auch deshalb so gross, weil sich bei Xamax in den letzten Monaten in der Tabelle vieles zum Guten verändert hat. «Ich vergewissere mich immer wieder auf meinem iPhone, ob wir tatsächlich 29 Punkte auf dem Konto haben», sagt Nuzzolo. Noch an Weihnachten lag Xamax vier Zähler hinter GC, jetzt aber sieben vor den Zürchern.

Dunkle Wolken

Wie ist es dazu gekommen? Was ist bei Xamax passiert? Nuzzolo sagt, die Erklärung sei ganz einfach. «Wir haben die Taktik angepasst. Wir spielen mit einer Fünferabwehr defensiver und jeder weiss, was er ohne Ball zu tun hat.» Dafür verantwortlich ist Stéphane Henchoz, der kurz nach der Winterpause Michel Decastel als Trainer ablöste.

«Wir hatten Michel gern, aber er wollte weiter offensiv spielen wie in der Challenge League, doch das geht in der Super League nicht», sagt Nuzzolo. Mit dem neuen System kamen die Erfolge und in der «Henchoz-Tabelle» lag Xamax vor dem 30. Spieltag auf Rang 3. «Wir spielen vielleicht nicht mehr so schön, dafür punkten wir», sagt Nuzzolo, der treffsicherste Neuenburger.

Die dunklen Wolken, die sich wenige Wochen nach Henchoz’ Übernahme über Xamax zusammengebraut hatten, sind längst wieder abgezogen. Weil Präsident Christian Binggeli angekündigt hatte, Henchoz werde im Sommer durch Joël Magnin ersetzt, dachten viele, Henchoz sei nur noch eine «lame duck» und der Abstieg vorprogrammiert.

Die alte Liebe neu entdeckt

«Das Timing dieser Ankündigung war nicht gut», sagt Nuzzolo, man hätte Henchoz auch gleich sagen können, dass er nur bis zum Ende der Saison Trainer bleibt. «Aber unter dem Strich hat uns dies zusammengeschweisst. «Wir zeigten eine Trotzreaktion und haben uns wie echte Profis verhalten», sagt Nuzzolo.

Der Stürmer will damit aber nicht sagen, Xamax schlage den falschen Weg ein. «Die Philosophie muss es sein, junge Spieler auszubilden und dann mit Transfers für Einnahmen zu sorgen. Bisher konnte Xamax ja keine Spieler verkaufen», sagt Nuzzolo. «Fussball ist in der Region die Nummer 1. Die Neuenburger haben ihre alte Liebe zu Xamax neu entdeckt.» Auch, weil sie sich mit einer Mannschaft identifizieren können, die mit vielen Spielern aus der Region bestückt ist. «Deshalb ist es so unglaublich wichtig, dass wir in der Super League bleiben», sagt Nuzzolo.