Kolumne

Die Dopingtelefone laufen heiss und bescheren den Ermittlern Überstunden

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Die Kolumne «Spritzensport» beschäftigt sich mit Themen rund um Doping und den Kampf dagegen. Aktuell geht es um die Erfolgsgeschichte der neuen Nachrichtendienst- und Ermittlungs-Abteilungen, die vor lauter Arbeit am Anschlag laufen.

Abteilungen für Nachrichtendienst und Ermittlung – Intelligence and Investigation – sind der Megatrend schlechthin in der Dopingbekämpfung. Seit die Welt-Antidoping-Agentur 2016 im Soge des russischen Betrugsskandals mit dem Aufbau einer solchen Einheit begann, hat die halbe Sportwelt nachgezogen. Für nationale Antidoping-Agenturen – auch in der Schweiz – gehören sie inzwischen fast schon zur Pflicht und auch bei Sportverbänden schiessen sie wie Pilze aus dem Boden. Wobei längst nicht alle Einheiten die Qualität und Unabhängigkeit jener aus der Leichtathletik und dem Radsport erreichen. Wer seine Schlagkraft erhöhen will, kann seit neustem auf private Dopingermittler zurückgreifen.

Die jüngste Bilanz der Wada unterstreicht die Wirksamkeit von «I+I». Die Dopingverstösse, welche durch deren Arbeit aufgedeckt wurden, erhöhten sich innert Jahresfrist um 28 Prozent. Und offensichtlich könnten es noch deutlich mehr sein, denn eine unabhängige Prüfung der Arbeit der Wada-Ermittler, durchgeführt vom Kommandanten der Waadtländer Kantonalpolizei, kam zum Schluss, dass die Abteilung am Anschlag laufe und um mindestens drei Personen aufgestockt werden müsse. Die Kompetenz und Qualität der Arbeit unter der Führung des deutschen Kriminalpolizisten Günter Younger sei jedoch ausserordentlich.

Vor allem bei der Weiterverarbeitung der Informationen von Whistleblowern sieht die Prüfung Lücken. Denn das Telefon der Wada-Hotline «Speak Up» läutet unverändert oft. Günter Younger sagt, dass seine Abteilung bis ins Jahr 2022 auf 15 Personen wachsen soll. Ein Team wird sich dann ausschliesslich um Whistleblower kümmern. Derzeit absorbiert die Arbeit im Zusammenhang mit Russland nach wie vor einen Grossteil der Kapazitäten. Mehr als zwei bis drei Fälle können daneben nicht bearbeitet werden.

Umso wichtiger, dass auch im Bereich der Ermittler kontinuierlich ein flächendeckendes Netzwerk heranwächst, die Wada Fälle delegieren oder zumindest Mithilfe anfordern kann. Günter Younger spricht von einer signifikanten Entwicklung in letzter Zeit. Diese ist auch notwendig, denn auf seinem Pult liegen mehrere spannende Projekte, die nach Bearbeitung rufen. Gedopt wird nicht nur in Russland.

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