ZSC Lions

Die Auferstehung der Geschmähten – der ZSC ist zurück an der Tabellenspitze

Da kann man schon mal jubeln: Die Lions grüssen wieder von der Tabellenspitze.

Da kann man schon mal jubeln: Die Lions grüssen wieder von der Tabellenspitze.

Sportchef Sven Leuenberger scheint mit der Verpflichtung von Rikard Grönborg alles richtig gemacht zu haben. Dank dem Schweden spielen die Lions wieder spektakulär und sind dabei vor heimischer Kulisse so erfolgreich wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Eine Auferstehung von historischen Dimensionen. Die ZSC Lions verpassten letzte Saison als Titelverteidiger die Playoffs. Nun haben die Geschmähten die fünf ersten Heimspiele gewonnen. Solcherlei ist letztmals im Herbst 2004 gelungen.

Nur noch einer dieser herbstlichen Helden spielt heute noch mit. Zumindest auf der Bühne. Tim Ramholt, damals Verteidiger, ist der Leadsänger der Rockband We and the Bulls mit dem aktuellen Flügelstürmer Roman Wick als Gitarrist.

ZSC-Sportchef Sven Leuenberger ist mit den Stilwechsel der Lions zufrieden.

ZSC-Sportchef Sven Leuenberger ist mit den Stilwechsel der Lions zufrieden.

Sportchef Sven Leuenberger mahnt zu nüchterner Beurteilung. Die Liga sei so ausgeglichen, dass die Tabelle eine Falle sei, in die man mit jeder Analyse hineinfallen könne. Aber der Stilwechsel der «Löwen» ist spektakulär. Sie stürmen. Sie checken. Sie schiessen. Sie berennen unablässig die gegnerische Zone und haben ligaweit am meisten Tore erzielt. In drei der fünf Heimpartien haben die Statistiker mehr als 40 Torschüsse notiert.

Trainer Rikard Grönborg hat die Lions wieder an die Tabellenspitze geführt.

Trainer Rikard Grönborg hat die Lions wieder an die Tabellenspitze geführt.

Ein solches Spektakel ist im Hallenstadion seit der Einführung der Torschussstatistik noch nicht geschaut worden. Und diese Herrlichkeit mit einem schwedischen Trainer und den Spielern, denen als Hexenmeister der taktische «Schablonismus» wahrlich nicht den Ruf von Spektakelbringern vorauseilt. 

Die Lions kommen regelmässig auf über 40 Schüsse pro Partie.

Die Lions kommen regelmässig auf über 40 Schüsse pro Partie.

Eine solche Einschätzung provoziert Sven Leuenberger zum Widerspruch: «Das Auftreten unserer Mannschaft überrascht mich nicht. Rikard Grönborg setzt das um, was er uns verkauft und versprochen hat. Aber vor der Saison wollte uns niemand glauben, dass ein schwedischer Trainer solches Eishockey spielen lässt.»

Schwedischer Trainer mit Charisma und Lösungen

Der ehemalige schwedische Nationaltrainer (und zweimalige Weltmeister) Rikard Grönborg, 51, ist zwar Schwede. Aber sein Hockey-Weltbild ist in den 15 Jahren geformt worden, die er als Juniorentrainer und Manager in Nordamerika verbracht hat.

Der charismatische Kommunikator eignet sich im Wesen und Wirken zum Gegenentwurf eines typischen Schweden. Sven Leuenberger bringt den erfrischenden Auftritt seiner Mannschaft in Zusammenhang mit dem neuen Trainer, der mit seiner Art zur neuen Spielergeneration passe. «Es genügt nicht mehr, wenn einer mehrmals hintereinander «f…» sagt. Meine Generation liess sich noch regelmässig vom Chef zusammenfalten. Heute kommt ein Trainer nicht weit, wenn er polternd erklärt, was falsch läuft. Er muss Antworten und Lösungen präsentieren.»

Der schwedische Coach weiss, wie er die jungen Spieler erreicht.

Der schwedische Coach weiss, wie er die jungen Spieler erreicht.

Neuer Trainer, neues Glück und allenthalben ein Umdenken nach den verpassten Playoffs. Auch rein hockeytechnische Faktoren tragen zum herbstlichen ZSC-Glück bei. Die Mittelachse ist nun so gut, dass der Ausfall des schwedischen Centers Marcus Krüger gar nicht ins Gewicht fällt.

Das war vor einem Jahr anders. Nach dem Ausfall von Roman Cervenka musste Pius Suter, 23, die für ihn zu schwere Last des Erstlinien-Centers tragen, und er kam gerade mal auf neun Tore. Jetzt ist er im ersten Sturm auf den Aussenbahnen schon zu sechs Treffern geflogen.

Pius Suter präsentiert sich derzeit in Topform.

Pius Suter präsentiert sich derzeit in Topform.

Der ZSC-Sportchef sagt, das Verletzungspech sei letzte Saison ein wichtiger Faktor gewesen. «Aber wir werden als grosse Organisation wahrgenommen, und wenn uns gleich mehrere wichtige Spieler fehlen, wird es ignoriert. Wenn hingegen in Biel oder Langnau ein paar Spieler verletzt sind, gibt es gleich eine Sondersendung im Fernsehen.»

Es war eben noch nie einfach, der grosse ZSC zu sein.

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