Am Ende scheint alles logisch, wahr und klar. Der SC Bern gewinnt 5:1 und tritt morgen Abend zu Hause zum ersten Finalspiel gegen Zug an. Das 5:1 lässt scheinbar keinen Raum für Interpretationen. Aber es war viel dramatischer, als es das eindeutige Resultat vermuten liesse. Es brauchte besondere Umstände, damit sich dem SCB im siebten Spiel doch noch der Weg in den Final öffnete.

Glück für den SCB, Pech für Biel? Tatsächlich ist Biel am unglücklichen zweiten Gegentreffer zerbrochen. Nach 10 Minuten und 40 Sekunden kommt es zum Zusammenprall der Titanen. Jonas Hiller sprintet aus seinem Kasten, um den Puck vor dem anstürmenden Tristan Scherwey zu erreichen. Biels Robbie Earl hetzt dem SCB-Vorkämpfer verzweifelt hinterher, beide geraten aus der Balance und prallen mit Biels Torhüter zusammen.

Grégory Sciaroni schlenzt den Puck schliesslich ins leere Tor. Jonas Hiller muss sich in der Kabine pflegen lassen und kehrt erst zu Beginn des zweiten Drittels wieder zurück. Aber da steht es bereits 3:1. Alles ist gelaufen. Denn mit Kari Jalonen an der Bande ist es unmöglich, dass der SCB ein solches Spiel noch aus der Hand gibt.

Der SCB kann Playoff - Biel noch nicht

Unglücklich waren also die Umstände. Ansonsten ist der Treffer zum 2:0, das Tor, das diese Serie entschieden hat, regulär. Wenn der Goalie seinen Torraum verlässt, um den Puck zu erreichen und während dieses Ausflugs mit einem gegnerischen Spieler zusammenprallt, dann ist dies regeltechnisch nur ein Unfall – keinesfalls ein Foul.

Aber Biel ist nicht nur am fehlenden Glück gescheitert. Der Untergang beginnt bereits viel früher mit einer Strafe von Fabian Lüthi. Er hat Simon Moser ohne Not mit dem Stock die Beine weggezogen. Es ist der Anfang einer Powerplay-Situation, die elf Sekunden (!) vor Ablauf der Unterzahl mit dem 1:0 für den SCB endet.

In dieser Serie hat immer diejenige Mannschaft gewonnen, die das erste Tor erzielt hat. Die Bieler sind eben auch das Opfer ihrer Unerfahrenheit geworden. Am Ende lässt sich alles in einem Satz zusammenfassen: Der SCB kann Playoff, Biel noch nicht.

Bereits morgen geht es weiter

Nun treten die Berner bereits morgen Donnerstag zum ersten Finalspiel gegen Zug an. Mit Biels taktischen Zauberlehrlingen sind sie im Halbfinal schliesslich doch noch fertig geworden. Aber nun treffen sie auf die taktischen Meister. Die Zuger zelebrieren ein ähnlich modernes nordisches Hockey wie die Bieler. Aber mit noch mehr Tempo, Kreativität und Energie. Mit einer besser ausbalancierten Mannschaft.

Zug hatte es im Halbfinal auch mit taktischen Zauberlehrlingen zu tun. Der HC Lausanne war eine taktische Operetten-Version des grossen SC Bern. Kein Wunder: Ville Peltonen, der Trainer der Waadtländer, hat sein Handwerk bei SCB-Bandengeneral Kari Jalonen erlernt.

Genoni rettet den SCB

Der SCB spielt ein ähnlich altmodisches nordisches Hockey wie Lausanne. Aber mit einer viel robusteren, routinierteren Mannschaft, abgesichert von einem viel besseren Torhüter als Lausannes Sandro Zurkirchen und unter dem Kommando von Kari Jalonen, dem Hexenmeister dieser Defensiv-Taktik.

Besonders reizvoll für die Zuger: Im Rückblick erkennen wir, dass in erster Linie Torhüter Leonardo Genoni den SCB im Halbfinal gerettet hat. Spätestens beim 1:0-Sieg in Biel am vergangenen Samstag hat er beschlossen, ein Finalgoalie zu werden. Nun hängt alles davon ab, ob er beschliesst, auch ein Meistergoalie zu werden. Nächste Saison steht er dann bei Zug im Tor.