Lucas Alves droht ein Veilchen, ein blaues Auge. Der St. Galler Torhüter Dejan Stojanovic hatte den Luzerner Innenverteidiger mit den Fäusten an der Schläfe direkt neben dem linken Auge getroffen. «Ich hoffe, von einem blauen Auge verschont zu werden», sagte Lucas Alves gelassen. Der Brasilianer konnte trotz des harten Schlags zufrieden sein mit seiner Leistung und dem Ertrag für sich und den FC Luzern.

Unmittelbar bevor Stojanovic statt den Ball den Kopf von Lucas Alves traf, hatte der FCL-Profi das Spielgerät an die Querlatte des St. Galler Tors geköpfelt. Ohne Übertreibung kann festgehalten werden, dass der Abwehrturm in diesem Saisonstartspiel der gefährlichste FCL-Angreifer war. Denn bis zur 82. Minute und dem Kopfball an die Latte waren die Innerschweizer nur einmal torgefährlich gewesen – ebenfalls durch Lucas Alves. Er hatte eine Flanke von Silvan Sidler beinahe verwerten können. Anschliessend kam Idriz Voca von der anderen Seite zum Flanken – und Lucas Alves blieb nach der Intervention von Stojanovic am Boden liegen. Die Auflösung erfolgte erst ungefähr zwei Minuten nach der Tat. Schiedsrichter Lionel Tschudi unterbrach die Partie, deutete einen Bildschirm an und ging zum VAR-Screen.

Der VAR führt zum 
richtigen Entscheid

«Gut hat der VAR gesehen, dass ich am Kopf getroffen wurde. Ein Foul im Sechzehner, da musste der Schiedsrichter Penalty geben», fand Lucas Alves. Zu dieser Szene gab es keine zwei ­Meinungen, der Elfmeter, den Blessing Eleke in der 87. Minute souverän verwertete, war berechtigt. Der eingewechselte Mittelfeldspieler Christian Schneuwly markierte in der Nachspielzeit (96.) auf Vorlage von Marvin Schulz dann noch das Tor zum 2:0-Endstand.

Gleichwohl war Abwehrmann Lucas Alves so etwas wie der Matchwinner. Zusammen mit dem starken neuen Keeper Marius Müller und dem Abwehrkollegen Lazar Cirkovic, der sich jedoch beim anderen VAR-Entscheid nicht über mangelndes Glück beklagen konnte, bildete er ein stabiles Defensivdreieck.

Zur enttäuschenden spielerischen Leistung vor allem während der ersten Halbzeit meinte der sanftmütige 1,93-Meter-Riese Lucas Alves mit relaxtem Gesichtsausdruck: «Die ersten 15 Minuten spielten wir nervös. Ein Saisonstart ist immer speziell, macht die Ausgangslage kompliziert, denn man weiss nicht, wo man steht.» Der Mann mit der Nummer 5 glaubt, dass die Mannschaft deshalb zu Beginn verkrampft auftrat. «Wir waren zu passiv.»

Etwas zufriedener war Lucas Alves mit der zweiten Halbzeit. «Nach der Pause haben wir einander im Spiel besser gefunden.»

Lucas Alves strahlt nach dem 2:0-Sieg in St. Gallen. Der Saisonstart ist dem FC Luzern mit drei gewonnenen Punkten gelungen.

Lucas Alves strahlt nach dem 2:0-Sieg in St. Gallen. Der Saisonstart ist dem FC Luzern mit drei gewonnenen Punkten gelungen.

Patrick Rahmen hatte Lucas Alves Anfang 2017 von Le Mont (Challenge League) nach Luzern geholt, der damalige Assistenzcoach kannte ihn aus der gemeinsamen Zeit in Biel. Allerdings erlitt der kräftige Fussballer aus Osasco bereits im siebten Match gegen Sion einen Oberschenkelmuskelriss. Sieben Monate musste Lucas Alves pausieren, drei Operationen über sich ergehen lassen. «Das war keine einfache Zeit. Ich danke den Physios und allen in Luzern, die mir geholfen haben, wieder fit zu werden. Danke Gott», sagte er. Selbstvertrauen habe er letzte Saison getankt, als er 31 Ligaspiele bestritt. «Jetzt bin ich hier richtig angekommen.»

Luzern schlägt Angebot von Vissel Kobe für Lucas Alves aus

Eine Offerte im Winter von Vissel Kobe aus Japan lehnte der FCL ab. Alves wertet dies als gutes Zeichen: «Sie setzen auf mich, und ich konzentriere mich auf Luzern.» Heute Montag feiert der fast immer fröhliche Profi seinen 27. Geburtstag. Zudem findet die Auslosung der 3. Qualirunde zur Europa League mit Luzern oder Klaksvik statt.