Lionel Messi

Der neue Messi ist trotzig

Ein rebellischer Anführer: Der neue Lionel Messi zeigt gerne seine dunkle Seite.key

Ein rebellischer Anführer: Der neue Lionel Messi zeigt gerne seine dunkle Seite.key

Dem 3:0-Sieg gegen Kolumbien folgt ein weiterer kurioser Auftritt des neuen Messi. Nach einem turbulenten Jahr mit wieder rückgängig gemachtem Nationalmannschaftsrücktritt zeigte der argentinische Superstar im Rahmen der WM-Qualifikation wiederum seinen neuen Charakter.

Mitsamt Gefolge tritt der trotzige, kleine Magier nach dem Sieg Argentiniens in der WM-Qualifikation gegen Kolumbien vor die Medien und verkündet: «Es reicht! Wir werden nicht mehr mit euch sprechen!»

Zuvor hatte Lionel Messi sein Land quasi im Alleingang zum wichtigen 3:0-Sieg gegen den direkten Konkurrenten geführt. Der riesige Druck, der auf dem Captain lastete, entlädt sich bereits nach zehn Minuten teilweise. Messis Zauberfreistoss aus 24 Metern dient der Frustbewältigung. Es folgt ein Urschrei der Erleichterung. Kolumbien hat gegen die gereizte argentinische Furie nicht den Hauch einer Chance und verliert am Ende klar mit 0:3. Die Vorlagen zu den beiden weiteren Treffern von Pratto (23.) und di Maria (84.) liefert – na wer wohl? – Messi.

Lionel Messis Show gegen Kolumbien

Lionel Messis Show gegen Kolumbien

Vergessen ist in diesem Moment die 0:3-Schmach gegen Brasilien fünf Tage zuvor. Die Sieglosserie von vier Spielen ist Geschichte und eigentlich könnte ganz Argentinien aufatmen, doch der Captain hat noch lange nicht fertig. Statt den Sieg zu feiern, zeigt Messi sein neues, rebellisches Gesicht und holt zum Rundumschlag aus. Mit verschränkten Armen steht die komplette Mannschaft hinter ihrem Anführer auf der Bühne, während dieser in knapp drei Minuten den Medien-Boykott erklärt.

Zu respektlos sei die Berichterstattung in den letzten Wochen gewesen. «Die Gesellschaft glaubt, was geschrieben wird. Deshalb ist es sehr, sehr wichtig, dass wir etwas dagegen unternehmen», sagt der rebellische Anführer mit ernster Miene. Es waren wohl die Marihuana-Vorwürfe gegen Teamkollege Ezequiel Lavezzi, die das Fass letztlich zum Überlaufen gebracht haben. Doch der Ursprung allen Übels ist in der sportlichen Krise des amtierenden Vize-Weltmeisters zu suchen. Zwischen Mannschaft und Fans steckt ein nie da gewesener Keil. Die Stimmung im Land ist dementsprechend mies.

Trotz des Sieges gegen Kolumbien liegt Argentinien in der Südamerika-Quali für die WM 2018 nur auf Playoff-Platz 5. Frappierend dabei ist die Abhängigkeit der Argentinier von Messi. Nur fünf der zwölf Quali-Spiele hat der 29-Jährige absolviert. Daraus resultieren aber zwölf Punkte. Ohne Messi gelingt Argentinien dagegen in sieben Spielen nur ein Sieg.

Lionel Messi 2016/17 ● Dribbling Skills & Goals ● Full HD 1080p

Lionel Messi und seine besten Szenen

Lionel Messi 2016/17 - Dribbling Skills & Goals Special Thanks: Kyliann22(https://www.youtube.com/channel/UCy9rmJNZFJq1_jHiMwW0dOQ) MNcompsJR(https://www.youtube.com/channel/UCKPpDt2NMUselCf66waCIMg)

Der Grund für die sportliche Misere ist eng mit den Launen des Anführers verknüpft, der in letzter Zeit vermehrt neben dem Platz für Schlagzeilen sorgt und somit Unruhe ins Team bringt. Schon nach dem verlorenen Final der Copa America handelt der Superstar unüberlegt und aus dem Affekt heraus. «Ich habe viermal versucht, ein Endspiel mit Argentinien zu gewinnen, und es nicht geschafft. Ich spiele nicht mehr für mein Land», verkündet Messi direkt nach der bitteren 2:4-Penaltyniederlage gegen Chile. Nicht einmal 50 Tage später sieht die Sache bereits wieder ganz anders aus. Messi gibt den Rücktritt vom Rücktritt bekannt.

Keiner ist ihm böse. Zu gut, zu mächtig ist Messi. Doch die Posse um den Rücktritt hat an seiner Aussendarstellung gekratzt. Mitunter macht der fünffache Weltfussballer gar den Anschein, nicht genau zu wissen, was er will.

Blond, Bart und schwarzes Bein

Optisch kombiniert der einst so unscheinbare Messi seit einigen Monaten platinblond mit Holzfällerbart. Seine Begründung: «Ich will von null anfangen. Einige Dinge müssen sich nach dem ganzen Durcheinander ändern.»

Messi spricht stellvertretend für das argentinische Nationalteam vor der Presse

Messi spricht stellvertretend für das argentinische Nationalteam vor der Presse. (mit englischen Untertiteln)

Doch statt Besserung gesellt sich zu Messis «Durcheinander» nach dem Rücktritts-Chaos und der Verurteilung wegen Steuerhinterziehung nun noch weiterer Gesprächsstoff abseits des Platzes. Seine linke Wade ist mittlerweile bis auf die Rückennummer 10 und die Hand seines Sohnes gänzlich schwarz tätowiert, weil ihm die alten Tattoos darunter nicht mehr gefielen. Und seinen 2018 auslaufenden Vertrag in Barcelona will Messi angeblich auch auslaufen lassen. Die Krönung eines turbulenten Messi-Jahrs ist nun der Presse-Boykott. Ob dies nur ein weiterer emotionaler Anfall war, oder ob der Weckruf seine erhoffte Wirkung zeigt, bleibt abzuwarten. Im März wartet Angstgegner Chile. Mal schauen, ob Messi so lange schweigen kann.

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