SC Bern

Der meisterliche Dompteur und seine Schillerfalter: Kari Jalonen strebt mit dem SC Bern seinen dritten Titel in vier Jahren an

«Nein, wegen eines neuen Goalies ändern wir unser System nicht.» Kari Jalonen, Trainer SC Bern.

«Nein, wegen eines neuen Goalies ändern wir unser System nicht.» Kari Jalonen, Trainer SC Bern.

Kari Jalonen will beim SC Bern seinen dritten Titel in vier Jahren erreichen. Obwohl er nach dessen Abgang auf Leonardo Genoni verzichten muss, scheint die Torhüterfrage kein Thema zu sein. Mehr Raum nimmt hingegen die Torproduktion und seine ausstehende Vertragsverlängerung ein.

Bei Kari Jalonen gibt es keine Differenz zwischen Worten und Taten. Deshalb sagt der 59-jährige Finne nach einem Spiel oder zu heiklen Themen nie einen polemiktauglichen Satz. Wohlwissend, dass er nicht etwas anderes erzählen darf als später den Jungs in der Kabine.

Wenn er jetzt erklären würde, er müsse wegen des Verlustes von Leonardo Genoni, 32, an Zug defensiver spielen lassen, dann würde ihm Genonis Nachfolger Niklas Schlegel, 25, kein aufmunterndes Wort mehr glauben.

Und sollte er gar Sportchef Alex Chatelain mit der Suche nach einem ausländischen Torhüter beauftragen – und auch wenn es nur zur Absicherung wäre –, dann würde das Selbstvertrauen des neuen SCB-Goalies schrumpfen wie ein Ballon, dem die Luft entweicht.

Also will Jalonen nichts von der Verpflichtung eines ausländischen Goalies wissen. «Darüber habe ich noch nicht einmal nachgedacht.» Und defensiver spielen, weil er jetzt nicht mehr einen grossen, sondern «nur» noch einen guten Torhüter hat? «Nein, wegen eines neuen Goalies ändern wir unser System nicht.» Ein paar Details werde er korrigieren. «Aber nicht wegen des Torhüters. Sondern weil wir uns weiterentwickeln müssen.»

Jalonen will dritten Titel im vierten Amtsjahr

Wenn der Titelverteidiger Schwierigkeiten haben sollte, dann sowieso nicht in der Defensive. Jalonen hat den SCB zur taktisch besten Mannschaft der Liga gemacht. Die Stilsicherheit der Berner ist unübertroffen. Der SCB als Siegesmaschine, gebaut von Jalonen.

Erst hat er in seiner ersten SCB-Saison 2017 Lars Leuenbergers Titel von 2016 verteidigt, und im vergangenen Frühjahr ist er zum zweiten Mal in Bern Meister geworden. Nun strebt er im vierten Amtsjahr seinen dritten Titel an.

Der SCB wird nicht zu viele Tore zulassen. Aber die Torproduktion sollte höher sein. Mit System und Schablone Treffer zu verhindern, ist möglich. Aber mit System und Schablone Tore zu erzielen, ist schwierig. Deshalb hat sich Jalonen kurz überlegt, ob er seinem Sportchef die Verpflichtung von vier ausländischen Stürmern ans Herz legen sollte, es aber dann nicht getan.

«So etwas geht nicht mit einem Fingerschnippen»

Die Neuzuzüge haben Schweizer Pässe. Alex Chatelain hat zwei Schillerfalter eingekauft: Inti Pestoni, 28 – bisher nur in Ambri glücklich, beim ZSC zwischendurch auf der Tribüne und in Davos nach Arno Del Curtos Abgang etwas verloren –, sowie Vincent Praplan, 25 – bisher bloss in Kloten halbwegs glücklich und nach missglücktem Nordamerika-Abenteuer ohne NHL-Einsatz vor einem Karriereneustart.

Die Frage ist also nicht, wie gut Niklas Schlegel sein wird. Sondern ob der gestrenge taktische Dompteur Jalonen mit Schillerfaltern umgehen kann. Lässt er Pestoni und Praplan die Freiheiten, die sie brauchen? Oder bricht er ihnen mit strengen taktischen Anweisungen das zarte Selbstvertrauen wie einem Schillerfalter die Flügel, wenn man ihn zu stark mit der Hand umschliesst?

Vergangene Saison hat Jalonen mit Grassi, 26, Matthias Bieber, 33, und Grégory Sciaroni, 30, drei neue Stürmer, die bei ihren vorherigen Klubs unglücklich waren, gerade noch rechtzeitig auf die Playoffs integriert. Er sagt, dafür brauche es Zeit. «So etwas geht nicht einfach mit einem Fingerschnippen.» Er hoffe, dass diese Integration bei Pestoni und Praplan schneller gelinge. Gaëtan Haas versucht sein Glück in Edmonton, Tristan Scherwey weilt noch im Trainingslager mit Ottawa. Der SCB braucht ihre Tore schon in der Qualifikation.

Die Zeichen stehen auf Vertragsverlängerung

Der meisterliche, grosse SCB ist das Produkt von Jalonens Arbeit. Er geniesst mehr Respekt und Autorität bis hinauf in die Chef- und Verwaltungsratsetage als jeder SCB-Trainer seit 1931. Sein Vertrag läuft im Frühjahr aus. Vor dem Blues nach seiner Heimkehr nach Finnland graut SCB-General Marc Lüthi jetzt schon.

Der SCB-Trainer beantwortet die Frage nach seinen Zukunftsplänen nicht. Er wisse, was er wolle, und nun habe sein Agent Juha Sintonen diese Pläne umzusetzen. Pokerspiele passen nicht zu Kari Jalonen. Noch vor Ende Oktober wird verkündet, wie es weitergeht.

Wenn nicht noch der Münsterturm in den Bärenpark kippt, wird der SCB-Trainer sein Arbeitsverhältnis um zwei weitere Jahre verlängern. Und in Zürich wird sich Manager Peter Zahner einmal mehr im stillen Kämmerlein darüber ärgern, dass man Jalonen im Frühjahr 2016 nicht wollte und Hans Wallson als Trainer verpflichtet hat.

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