Christian Eriksen geht fast ein wenig unter, als er mit seinen Teamkollegen den Rasen des St. Galler Stadions betritt. Er ist ein feingliedriger Fussballer. Der Däne trägt keine ausgefallene Frisur, er hat sich keine extravaganten Tätowierungen stechen lassen. Der 27-Jährige wirkt an diesem Nachmittag wie einer unter vielen.

Doch das ist der Mittelfeldspieler von Tottenham nicht. «Er ist 100 000 Millionen Franken wert. 100 000 Millionen!», ruft ein Bub aus Zürich, der ob Eriksens Anblick aus dem Häuschen gerät. Sein Idol ist einer der derzeit begehrtesten Fussballer der Welt. Eriksen ist der Star der Dänen.

«Er ist genauso gut, wie es Andres Iniesta war», sagte der Holländer Martin Jol, bei Ajax Amsterdam einst Eriksens Trainer: «Christian ist in meinen Augen mit David Silva von Manchester City die beste Nummer zehn der Welt.»

Vieles deutet darauf hin, dass Eriksen England im Sommer verlässt. Real Madrid soll im Werben um den Nordländer in der Poleposition sein. Der Däne könnte zum teuersten Transfer der Geschichte werden. Es heisst, Tottenham fordere für den Fussballer 250 Millionen Euro.

Der Spieler selber will sich im Vorbereitungscamp in St. Gallen nicht äussern zu seiner Zukunft. Für den dänischen Journalisten Leif Rasmussen steht fest: «Christian wird sich auch dann nicht verändern, wenn er für Real Madrid spielt. Er wird ein normaler junger Mann bleiben.»

Die Karriere von Eriksen, der in Middelfart auf der Insel Fünen aufgewachsen ist, war bis anhin eine der gut geplanten Schritte. Nachdem halb Europa auf den Zauberfuss aufmerksam geworden war, er aber den Verlockungen lange widerstanden und ein Angebot von Chelsea abgelehnt hatte, wechselte er als Junior von Odense zu Ajax Amsterdam.

Für Tottenham spielt der Internationale bereits seit 2013. Rasmussen, Reporter der Zeitung «Fyens Stiftstidende», sagt: «Eriksen macht 80 Prozent des dänischen Spiels aus. Wenn er fehlt, geht offensiv wenig.» Eine Sternstunde in der Karriere des Regisseurs war das WM-Playoff 2017 gegen Irland.

Dänemark, das 1992 überraschend Europameister geworden war, lag nach dem 0:0 im Hinspiel auswärts 0:1 in Rückstand, ehe Eriksen drei Tore zum 5:1-Erfolg beitrug. «König von Dänemark» titelten die heimischen Medien. An der WM in Russland aber scheiterten die Nordländer im Achtelfinal im Penaltyschiessen am späteren Finalisten Kroatien.

«Die Erwartungen in unserem Land sind manchmal etwas hoch», sagt Rasmussen. «Viele hoffen, dass wir wieder die Brasilianer Nordeuropas werden – wie zu den Zeiten der Brüder Laudrup.»

Die Hoffnungen der Dänen nährt, dass ihre Mannschaft in den vergangenen Jahren mit Ausnahme eines Testspiels in der Slowakei, als man wegen eines Zwists zwischen Team und Verband mit Amateuren antrat, in der regulären Spielzeit nicht mehr verlor. Dänemark verfügt über eine talentierte Generation.

Nebst Eriksen sind Sevillas Simon Kjaer, Southamptons Pierre-Emile Höjbjerg, Dortmunds Thomas Delaney oder Leipzigs Yussuf Poulsen in den besten Ligen Europas engagiert. Kasper Schmeichel, Sohn des Europameisters Peter und Torhüter von Leicester, ist ebenfalls eine Stütze.

Den Schweizer EM-Qualifikationsauftakt in Georgien schaute sich das Team gemeinsam in St. Gallen an. «Möglicherweise hat die Schweiz noch nicht alle Karten aufgedeckt», so Delaney. Höjbjerg sagt: «Wir haben die Qualität, um zu siegen. Aber das werden die Schweizer auch denken, nachdem sie unser Spiel gegen Kosovo analysiert haben.»

Am Donnerstag hatten sich die Dänen in einer Testpartie lange schwer getan, ehe ein spätes Tor von Höjbjerg dem Team noch ein schmeichelhaftes 2:2 einbrachte. Aussagekräftig dürfte dieses Resultat nicht sein. Der Trainer hatte einige seiner Leistungsträger geschont – auch Eriksen kam erst in der 60. Minute, verwandelte aber einen Penalty zum 1:1.