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Der heisse Advent: Eine Rundschau in der Fussballschweiz zwischen Meisterrennen, Höhenflügen und einer heftigen Krise

Basels Taulant Xhaka (links) gegen Roger Assale von YB.

Basels Taulant Xhaka (links) gegen Roger Assale von YB.

Der FC Basel mit wiederentdeckten Qualitäten, YB trotz leerer Batterien noch immer Leader, St. Gallens Höhenflug geht weiter und der nächste Knall beim FC Luzern kommt bestimmt.

FC Basel: Die wiederentdeckte Qualität aus Meister-Zeiten

Es war ein Ausrufezeichen, das man aus Basel in der Meisterschaft lange nicht mehr gesehen hat, dieses 3:0 im Spitzenspiel gegen YB. Und es zeugte vor allem von einer Qualität, die der FCB in dieser Saison scheinbar zurückgewonnen hat: Das Team ist in den grossen Spielen auf den Punkt bereit. Das war Anfang der Saison vor allem dann der Fall, wenn es auf der europäischen Bühne spielte. Der Hunger nach einem Jahr internationaler Absenz war gross, und bekanntlich gibt es da auch am meisten Geld zu verdienen.

Nun aber, wo das europäische Überwintern vorzeitig gesichert ist, gelang es Trainer Marcel Koller auch im bisher wichtigsten Saisonspiel, aus seinem Team rechtzeitig eine tolle Leistung herauszukitzeln. «Wir waren wirklich heiss», sagte ­Ersatzcaptain Taulant Xhaka. Und der Basler Aggressivleader schickte via Stadionmikrofon gleich noch eine weitere Botschaft in Richtung Leader YB: «Wir wollen jetzt noch die ­beiden letzten Spiele vor der Winterpause gewinnen. Dann schauen wir, wer vorne ist.» Sion und Luzern heissen diese letzten beiden Hürden. Diese Spiele sollte der FCB nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn genau wenn er das tut, passieren Ausrutscher wie sie es jüngst gegen Xamax oder Servette eben auch gab. Und solche dürfen sich nicht häufen, wenn der Kampf um die Meisterschaft auf Dauer offenbleiben soll. (jaw)

Basels Taulant Xhaka (links) gegen YB's Roger Assale.

Basels Taulant Xhaka (links) gegen YB's Roger Assale.

YB: Trotz leerer Batterien noch immer Leader

Selten hat man die Young Boys so leiden sehen wie beim 0:3 in Basel. Sie haben einen an eine Autobatterie erinnert, die noch für ein Ruckeln sorgen kann, für mehr aber nicht. Es scheint tatsächlich, als seien die Beine und vielleicht auch die Köpfe der Berner leer. Schon in der Europa League gegen Porto wirkten sie nach der Pause ungewohnt passiv, vermutlich aber liefen sie einfach auf dem Zahnfleisch. Das hat natürlich viel mit dem grossen Verletzungspech zu tun. Trainer Gerardo Seoane konnte längst nicht so viel rotieren, wie er es sich gewünscht hätte. Die jungen Cédric Zesiger und Michel Aebischer mussten mehr spielen, als ihnen guttat, und begingen den einen oder anderen Fehler zu viel.

Pech war natürlich, dass die Absenzen mit geballter Wucht die Abwehr trafen. Weil die Angreifer aber überragende Arbeit verrichteten, konnten die Defensivschwächen kaschiert werden. Dass jetzt auch noch YB-Herz Fabian Lustenberger ausfällt, passt zur Misere. Unter dem Strich aber hat der Meister gleichwohl ein Kompliment verdient. Wer trotz dieser schwierigen Bedingungen noch immer Leader ist, hat vieles richtig gemacht und eine tolle Moral gezeigt. (br)

Edon Zhegrova (Basel) gegen Cedric Zesiger und Nicolas Moumi Ngamaleu (beide YB).

Edon Zhegrova (Basel) gegen Cedric Zesiger und Nicolas Moumi Ngamaleu (beide YB).

St.Gallen: Der Höhenflug geht einfach immer weiter

Es sind aussergewöhnliche Zeiten in St.Gallen. Die Mannschaft hat noch immer einen Lauf und scheint weiter kaum zu stoppen. Seit dem 25. August haben die Ostschweizer in 11 Meisterschaftsspielen 28 Punkte gewonnen. Nur gerade den Young Boys ist es in dieser Zeitspanne gelungen, St.Gallen zu besiegen. Andere wie der FC Thun oder der FC Sion fanden gegen die hohe Intensität St.Gallens keine Mittel. Unterdessen setzen die Ostschweizer gar Basel und den Leader aus Bern unter Druck – was der Liga durchaus guttut. Erstaunlich ist, wie gefestigt dieses im Sommer stark veränderte Team wirkt: Es gewinnt auch Spiele, ohne 90 Minuten lang zu überzeugen.

Beeindruckend ist auch, wie sich die jungen Spieler um den erst 17-jährigen Innenverteidiger Leonidas Stergiou je länger je mehr zu Teamstützen entwickeln. In der Ostschweiz hat sich dank Gespür auf dem Transfermarkt und guter Nachwuchsarbeit eine junge, wilde Gruppe gebildet, die perfekt funktioniert und Vertrauen gefasst hat in die offensiven Vorstellungen ihres Trainers Peter Zeidler. Nicht zu unterschätzen ist der Erfolgshunger. Sportchef Alain Sutter sagte kürzlich: «Bei uns wird keiner reich. Aber wir können helfen, dies später zu werden.» (pl)

FC Zürich: Junge überzeugen, Stars auf der Bank

Totgesagte leben länger. Nach einem überaus holprigen Saisonstart mit nur acht Punkten nach acht Runden ist der FC Zürich Ende Oktober in Schwung gekommen und hat fünf Siege in Folge eingefahren. Das hatte er in der Super League zuletzt nach der Winterpause 2014 unter Urs Meier geschafft. Der Klubrekord von elf Dreiern in Serie stammt spielzeitenübergreifend aus den Meistersaisons 2005/06 und 2006/07 unter Lucien Favre. Was sind die Gründe für die Wende? Am Samstag hat Magnin nach dem Sieg in Neuenburg gesagt: «Die Geduld von Ancillo Canepa und seiner Frau, die an mir festgehalten haben.» Und sonst? Der Trainer hat die richtige Mischung gefunden. Der zu Beginn fremdelnde Stürmer Blaz Kramer schiesst plötzlich Tore am Fliessband. Der 17-jährige Innenverteidiger Becir Omeragic überzeugt wie im Mittelfeldzentrum der 18-jährige Simon Sohm und der 21-jährige Toni Domgjoni. Auf dem einen Flügel hat Aiyegun Tosin eingeschlagen, auf dem andern erlebt Marco Schönbächler seinen dritten Frühling. (br)

Schiesst Tore am Laufmeter: Blaz Kramer.

Schiesst Tore am Laufmeter: Blaz Kramer.

FC Luzern: Und der nächste Knall kommt sicher

Die Unzufriedenheit wächst. Am Sonntag haben die Luzerner mit dem 1:4 gegen St.Gallen bereits die neunte Saisonniederlage kassiert. Zudem verlor die Mannschaft von Thomas Häberli das fünfte Spiel hintereinander. Eindeutige Zeichen für den Niedergang. Dabei hatte Sportchef Meyer den Trainer schon vor über drei Wochen angezählt. Möglicherweise hatte er auf eine positive Reaktion gehofft. Das Gegenteil ist der Fall: In Zürich ging der FCL sang- und klanglos 0:3 unter, gegen St.Gallen kämpften die Innerschweizer während 45 Minuten mit einer kompakt stehenden Mannschaft, ehe das Kollektiv wie ein Kartenhaus in sich zusammenfiel. Sieben Gegentore in zwei Partien, Luzern zeigt Zerfallserscheinungen. Torhüter Marius Müller übte heftige Kritik an seinen Vorderleuten: «Wenn ich sehe, wo wir überall herumlaufen, dann tut das weh.»

Der bislang leistungsstarke Keeper fordert Mentalität und Einstellung. Müller spricht es nicht aus, aber die Signale sind deutlich: Das Team braucht neue Impulse von der Seitenlinie. Für die restlichen zwei Spiele gegen YB und Basel könnte eine Interimslösung weiterhelfen. Ex-FCL-Profi und U18-Trainer Michel Renggli zum Beispiel. In der Winterpause wird der Häberli-­Nachfolger kommen. Kriens-Coach Bruno Berner gilt als Favorit. Auch der ganze grosse Knall scheint nicht ausgeschlossen, weil Sportchef Meyer in der Krise alles andere als sattelfest wirkt. (dw)

Der St. Galler Silvan Hefti im Zweikampf mit dem Luzerner Silvan Sidler.

Der St. Galler Silvan Hefti im Zweikampf mit dem Luzerner Silvan Sidler.

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