Fussball

Der FC Aarau gibt eine Führung aus der Hand und verliert gegen den FC Zürich

Die Aarauer verlieren gegen den FC Zürich mit 1:2 zu Hause. Die Einheimischen geben einmal mehr eine Führung aus den Händen – und verlieren so zum zweiten Mal in Folge. Erneut nach einem Strafstoss.

Verflixtes Brügglifeld, muss Zürichs Torhüter David Da Costa wohl gedacht haben. Beim 1:5 in der Vorrunde flog er vom Platz. Gestern kassierte er in der 40. Minute einen haltbaren Treffer, weil er wohl darauf spekulierte, dass der Ball neben das Tor fliegen würde. Der Schuss von Alain Schultz war zwar hart und setze einmal auf. Doch normalerweise hält Da Costa einen solchen Schuss. Erst recht aus etwa 30 Metern. «Ich habe den Ball nicht gesehen», plädiert Da Costa auf unschuldig.

Dass der FC Aarau zur Pause 1:0 führte, verdankte er vor allem Torhüter Lars Unnerstall. Die Leihgabe von Schalke verblüffte auch in seinem vierten Einsatz mit seiner Ruhe, seiner Fangkunst und vor allem seiner Abgeklärtheit. Damit ist er aber ziemlich alleine bei den Aarauern. Doch dazu später.

Nie in der bisherigen Saison hat ein Team auf dem Brügglifeld eine derart überzeugende Startphase hingelegt wie gestern der FC Zürich. Angeführt vom überragenden Israeli Avi Rikan wurde der FC Aarau teilweise sogar vorgeführt. Doch Schönbächler, Rikan und Gavranovic liessen in den ersten 20 Minuten fünf Tormöglichkeiten ungenutzt.

Aaraus Problemzone war die Schaltzentrale. Sandro Burki startete mit zwei, drei grässlichen Fehlpässen und hatte auch eine schlechte Zweikampfbilanz. Sein Nebenmann Artur Ionita litt darunter, dass der FCZ im Zentrum fast permanent Überzahl hatte. Bleibt die Frage: Hätten nicht die Offensivkräfte Sven Lüscher und Alain Schultz mehr nach hinten arbeiten müssen?

«Uns war zur Pause klar, dass wir dieses Spiel noch drehen können», sagte Marco Schönbächler. Die drei Siege in Serie sind nicht spurlos am Team von Urs Meier vorbeigegangen. Beim 1:5 in der Hinrunde war es noch zerbrechlich wie eine billige Uhr. Gestern hingegen liess es sich weder durch den unglücklichen Rückstand noch den tiefen Rasen beirren. Dass Rikan (55.) den Ausgleich erzielte, ist logisch. Schliesslich hat sich der 25-jährige Israeli diesen Treffer erarbeitet wie kein anderer auf dem Platz. «Das Wettkampfglück gebührt jenen, die alles für den Erfolg tun», resümierte FCZ-Trainer Urs Meier.

Aaraus Naivität war das Glück des FC Zürich. In Luzern führte René Weilers Mannschaft 2:1, ehe sie in der Schlussphase zwei Penaltytreffer hinnehmen musste. Gestern war es Kim Jaggy, der in der 86. Minute mit einem unbedarften, ja beinahe kopflosen Tackling Pedro im Strafraum von den Beinen holte. Der Brasilianer, kurz zuvor eingewechselt, verwertete den Penalty gleich selbst zum 2:1-Siegtreffer.

Auch wenn in Luzern der zweite Penalty fragwürdig war, sind die Dramen nicht mit Pech allein zu begründen. Der FC Aarau ist gut organisiert. Und er spielt gradlinigen und ehrlichen Fussball. Aber vielleicht zu ehrlich. «Wir müssen kämpfen und beissen. Doch wir werden für unseren grossen Aufwand häufig schlecht belohnt», sagt René Weiler.

Man könnte auch sagen, es fehlt die Qualität. Nicht allein die fussballerische. Da holt Weiler aus verhältnismässig bescheidenen Mitteln beinahe das Optimum heraus. Aber es fehlt die mentale Qualität. Die Cleverness, die Abgebrühtheit. Die Kunst, auch mal dreckig zu punkten. Stephan Andrist ist zwar überzeugt, in der Nachspielzeit penaltyreif gefoult worden zu sein. Aber seine Absicht, einen Penalty zu provozieren, war zu durchschaubar.

Das Telegramm:

Aarau - Zürich 1:2 (1:0)

Brügglifeld. - 4989 Zuschauer. - SR Bieri. - Tore: 40. Schultz (Freistoss, Foul von Schönenberger) 1:0. 55. Rikan (Etoundi) 1:1. 88. Pedro Henrique (Foulpenalty, Foul von Jaggy) 1:2.

Aarau: Unnerstall; Nganga, Garat, Bulvitis, Jaggy; Burki, Ionita; Gonzalez (90. Martingoni), Lüscher, Radice (85. Foschini); Schultz (67. Andrist).

Zürich: Da Costa; Philippe Koch, Teixeira, Djimsiti; Buff; Schönbächler (85. Pedro Henrique), Rikan, Benito; Chiumiento (78. Chikhaoui); Etoundi, Gavranovic (78. Sadiku).

Bemerkungen: Aarau ohne Mall und Senger (beide verletzt) und Hallenius (krank). Zürich ohne Brunner, Chermiti, Kukeli und Nef (alle verletzt), Kecojevic (krank), Raphael Koch und Kajevic (beide nicht im Aufgebot). 89. Gelb-Rote Karte für Etoundi nach Verwarnung und Unsportlichkeit. Verwarnungen. 33. Rikan (Reklamieren). 72. Ionita (Foul). 88. Jaggy (Foul). 95. Foschini (Reklamieren).

Der Liveticker:

Abpfiff: Die Aarauer geben einmal mehr eine Führung aus den Händen - und verlieren zum zweiten Mal in Folge. Erneut nach einem Strafstoss.

94. Minute: Letzter Aarauer Freistoss - Lüscher flankt ins Zentrum, mehrere Aarauer Spieler fallen. Aber Bieris Pfeife bleibt stumm. Danach erhielt Foschini noch einen gelben Karton (Reklamieren), nachdem er eigentlich zuerst Ionita zum zweiten Mal verwarnt hatte...

90. Minute: Es werden mindestens vier Minuten nachgespielt.

90. Minute: Letzter Wechsel bei Aarau - Martignoni für Gonzalez.

89. Minute: Gelb-Rot gegen Etoundi. Er reklamiert - und beklatscht danach die Entscheidung des Unparteiischen. Ampelkarte in Rekordzeit.

88. Minute: TOR für Zürich - 1:2! Pedro Henrique trifft vom Elfmeterpunkt, nachdem er von Jaggy umgestüm gefoult worden war.

85. Minute: Beide Teams schicken nochmals frische Kräfte aufs Feld: Foschini kommt für Radice, Pedro Henrique für Schönbächler.

79. Minute: Und Sadiku wird bereits gefährlich, haarscharf streicht sein Versuch aus halblinker Position am Tor vorbei.

78. Minute: Doppelwechsel bei Zürich - Sadiku für Gavranovic, Chikhaoui für Chiumiento.

77. Minute: Endlich wieder eine gefährliche Aktion, aber der Kopfball von Etoundi fliegt am heimischen Kasten vorbei.

72. Minute: Verwarnung gegen Ionita (Foulspiel).

69. Minute: Es sind 4'989 Zuschauer anwesend.

67. Minute: Erster Wechsel bei Aarau - Andrist für Schultz.

66. Minute: Nun probiert es Rikan mit einem Heber (aufs Tornetz), wenig später ist Unnerstall erneut beim Abschluss von Gavranovic zur Stelle.

64. Minute: Einen Freistoss aus 25 Metern vom Ex-Aarauer Benito krallt sich Goalie Unnerstall problemlos.

61. Minute: Schultz versucht es erneut aus grosser Distanz - mit den Fingerspitzen kann Da Costa klären; wenig später ist der Gästekeeper bei einem Abschluss von Radice erneut gefordert. Beim nachfolgenden Eckball steigt Garat am höchsten, aber Burki verfehlt am entfernten Torpfosten nur um Haaresbreite.

55. Minute: TOR für Zürich - 1:1! Etoundi ist schneller als Bulvitis; seine Hereingabe findet den freistehenden Rikan, der das Leder unhaltbar zum Ausgleich versenkt.

52. Minute: Beide Mannschaften lassen es nach dem Wechsel gemächlich angehen. Und dann wird es doch plötzlich gefährlich: Gavranovic wird in die Tiefe angespielt, aber zuerst wehrt Unnerstall mit letztem Einsatz ab und schliesslich klärt Bulvitis souverän.

20.48 Uhr: Anpfiff zur zweiten Halbzeit. Bislang keine Auswechslungen.

Halbzeit: Der FC Aarau führt nach 45 Minuten gegen den FC Zürich mit 1:0. Anfangs hatte der FCZ einige Chancen, aber die Aarauer schlugen gegen Ende der ersten Halbzeit eiskalt zu, nachdem sie zuvor kaum zu Abschlussmöglichkeiten gekommen waren.

40. Minute: TOOOOOOOOR für Aarau - 1:0! Der Mittelfeldspieler Alain Schultz trifft mit einem tückischen Freistoss aus über 25 Metern. Da sieht FCZ-Keeper Da Costa nicht wirklich gut aus...

33. Minute: Verwarnung gegen Rikan (Reklamieren). Diese Karte hat er sich durch minutenlanges Beschweren redlich verdient.

28. Minute: Schultz erkämpft sich das Leder an der Grundlinie, Radice hämmert das Leder unter die Querlatte. Aber das Spiel war bereits unterbrochen, weil der Ball vor Schultz' Flanke scheinbar schon im Aus war.

27. Minute: Die Aarauer spielen sich auf dem rechten Flügel durch, aber die Flanke von Gonzalez wird von der Gästeabwehr geklärt. Auch der Nachschuss von Nganga wird geblockt.

19. Minute: Die Zürcher machen ordentlich Druck. Zuerst muss Unnerstall einen Flatterball von Rikan klären. Danach verfehlt Schönbächler sein Ziel nur denkbar knapp.

17. Minute: Auf der Gegenseite kommt Aarau zu einem ersten Corner. Goalie Da Costa kann die Hereingabe von Lüscher wegfausten.

16. Minute: Erneut kann sich Gavranovic (gegen Garat) durchsetzen, aber Unnerstall ist einmal mehr ein sicherer Rückhalt.

11. Minute: Viel Platz für Schönbächler, dessen Abschluss aus spitzem Winkel aber von Unnerstall über die Latte gelenkt wird.

8. Minute: Burki lässt einen Verteidiger ins Leere laufen und versucht es mit einem Schlenzer in die entfernte Torecke - am Gehäuse vorbei.

7. Minute: Gavranovic mit einem ersten Abschluss, aber Unnerstall packt sicher zu.

5. Minute: Erster Eckball für die Gäste, kurz gespielt, aber die Aarauer können klären. Radice läuft in Richtung Tor, doch Goalie Da Costa ist vor ihm am Leder.

19.45 Uhr: Anpfiff durch Schiedsrichter Alain Bieri.

19.42 Uhr: Vor dem Anpfiff wird Cheftrainer René Weiler für sein 150. Spiel - davon 45 Einsätze als Spieler in der Saison 1993/94 - beim FC Aarau geehrt. Zudem wird auch der Offensivspieler Remo Staubli, der die Trikots beider Vereine schon getragen hat, nach seinem Rücktritt vom Spitzensport offiziell verabschiedet.

Aufstellung Aarau: Unnerstall; Nganga, Garat, Bulvitis, Jaggy; Burki, Ionita; Gonzalez, Lüscher, Radice; Schultz. - Auf der Ersatzbank: König; Andrist, Foschini, Jäckle, Martignoni und Teichmann. - Nicht dabei: Hallenius (krank), Mall und Senger (beide verletzt).

Aufstellung Zürich: Da Costa; P. Koch, Teixeira, Djimsiti; Schönbächler, Buff, Rikan, Benito; Chiumiento, Etoundi, Gavranovic. - Auf der Ersatzbank: Brecher; Chikhaoui, Glarner, Kukuruzovic, Mariani, Pedro Henrique und Sadiku. - Nicht dabei: Brunner, Chermiti, Nef (alle verletzt), Di Gregorio, Elvedi, Kajevic, Kecojevic, R. Koch, Kukeli und Malloth (alle nicht im Aufgebot).

Noch erfolgreicher sind die Zürcher in die Rückrunde gestartet - nach Siegen gegen Sion (1:0), St. Gallen (2:0) und Thun (3:1) hat der Tabellenfünfte noch immer eine weisse Weste.

Der FC Aarau ist mit den Spielen gegen die Spitzenteams St. Gallen (1:1), GC (2:1) und Luzern (2:3) ansehnlich in die zweite Hälfte der Saison gestartet. Dabei wäre noch mehr möglich gewesen, denn der FCA war in allen Begegnungen zwischenzeitlich in Führung gelegen.

Im bisherigen Saisonverlauf sind beide Mannschaften bislang zweimal aufeinandergetroffen, wobei sich die Schützlinge von FCA-Cheftrainer René Weiler jeweils durchsetzen konnten. Die Aarauer feierten Ende September einen überraschenden 2:1-Auswärtserfolg im Letzigrund; wenige Wochen später liessen sie zu Hause einem entfesselten 5:1-Sieg folgen.

Herzlich Willkommen aus dem Stadion Brügglifeld. In einer Stunde wird die Super-League-Begegnung zwischen dem FC Aarau und und dem FC Zürich angepfiffen.

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