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David Degen beim FC Basel: Ein Alleingang, für das Wohl des Klubs

Für sein FCB-Engagement steigt David Degen aus sämtlichen Verwaltungsräten aus. «Das ist konsequent und geht nur so». Bild: Iseli/Archiv

Für sein FCB-Engagement steigt David Degen aus sämtlichen Verwaltungsräten aus. «Das ist konsequent und geht nur so». Bild: Iseli/Archiv

David Degen wird Aktionär und Verwaltungsrat beim FC Basel. Gestern erklärte er seinen Antrieb, und welche Rolle dabei Rendite spielen.

FC Basel gegen FC Zürich. Der grosse Klassiker. Heute Abend steigt er erstmals in dieser Saison. Doch es scheint kaum zu interessieren. Der Sport rückt in Basel in den Hintergrund - wie so oft in den letzten zwei Jahren. Weil seit Montag klar ist, dass David Degen beim FCB einsteigt. Der Ex-Spieler wird neu auch zum Ex-Spielerberater, zum Neo-Verwaltungsrat im höchsten Gremium des FCB, in der FCB Holding AG, und vor allem: zum Mitbesitzer des Klubs. Zehn Prozent kauft er Bernhard Burgener ab.

Als Degen sich am Dienstag erstmals dazu äussert, ist das mediale Interesse gross. Grösser als vor dem YB-Spiel, grösser als vor dem Europa-League-Auftakt. Weil die Konstellation mit Degens Einstieg verstrickt ist. Und weil man das Gefühl nicht loswird, dass der FCB – überraschend nach den Wirrungen im Sommer zur Ruhe gekommen – selber wieder Unruhe streut.

Ohne den Bruder, mit dem CEO

Bei Degens erstem Auftritt herrscht auch eine gewisse Unruhe. Die Stimmung ist zuweilen unangenehm, weil Degen nicht wirklich gewillt wirkt, Auskunft zu geben. Sätze wie «Das geht niemanden etwas an» und «Das ist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt» spricht er auffällig oft. Ebenso Konter, wenn nach dem Bruder gefragt wird. Man könne ihm zutrauen, dass er auch ohne Philipp Entscheidungen treffen könne. «Wir sind nicht Hälfte/Hälfte oder 50/50. Meine Entscheide habe ich schon immer selber getroffen.» So sei die Idee, im Mai auf Burgener zuzugehen ein «absoluter Alleingang von mir. Philipp hat nichts gewusst.» Weil er, David, ein Typ sei, der eigen sei.

Eigen vielleicht, aber alleine ist er gestern nicht. Er erscheint in Begleitung von FCB-CEO Roland Heri, der immer wieder erklärend eingreift. Beispielsweise dann, wenn er versichert, dass Degen in Austritt treten werde, wenn der Klub mit der Spieleragentur «SBE Management», der Degen bis zuletzt angehörte und in der sein Zwilling noch immer ist, über deren Klienten diskutiert. «Das ist schriftlich so festgehalten im Vertrag», so Heri.

Ein emotionaler Grund, ein rationaler Grund

Aber es gibt noch mehr Konfliktpotenzial. Degen äusserte sich früher kritisch über FCB-Trainer Marcel Koller. Wissen will er davon nichts mehr. «Er macht einen sehr guten Job und hat Stabilität rein gebracht.» Auf Nachfrage kontert Degen: «Es ist alles gesagt. Punkt.»

Auskunftfreudiger ist er bezüglich seiner Motivation. «Es gibt einen emotionalen und einen rationalen Punkt. Den emotionalen muss ich nicht gross ausführen. Dieser Klub hat mich gross gemacht.» Der rationale Punkt sei der: «Ich habe mich nach meiner Karriere entschieden, nicht ins Fussballbusiness zu gehen. Jetzt habe ich viele Erfahrungen gemacht, auch erfolgreich, und denke, dass es jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um diese strategisch in einen Klub einzubringen.»

Wichtig ist Degen dabei, dass er auf strategischer und nicht auf operativer Ebene tätig ist. Eine operative Tätigkeit schliesst er aus. «Ich unterstütze mit meinem Netzwerk und bringe mein Know-how und meine Fachkompetenz ein», definiert er seine Aufgabe, die ein Ziel habe: «Ich will den Klub für die Zukunft besser machen.»

Mit finanziellen Absichten, ohne monetären Antrieb

Eine Besserung der Situation des FCB wäre verbunden mit einem möglichen finanziellen Aufschwung. Dass er sich irgendwann dereinst Rendite ausbezahlen will, spricht er nicht ab. Schliesslich kenne er, im Vergleich zu den restlichen Schweizern, den Fussball nicht als Verlustgeschäft. «Wenn man Geld bezahlt, hat man irgendwann den Anspruch, das Geld wieder einzulösen. Aber jetzt habe ich Geld gegeben, jetzt will ich Wert schaffen, den Klub weiter bringen.»

Er bezieht weder Lohn noch sonst Geld, betont er mehrfach mit Nachdruck. Über finanzielle Aspekte mag er nicht reden. Ob der Kaufpreis bei rund 2 Millionen lag? «Stillschweigen!» Es sei aber sein persönliches Geld gewesen, erklärt er. Ob er ein Defizit decken könnte? «Geht niemanden etwas an.» Aber als Aktionär trage er alle Risiken mit. «Auch die finanziellen.»

Sein Antrieb sei kein monetärer. Ob es der ist, Mehrheitsaktionär zu werden? «Stand jetzt habe ich zehn Prozent. Mehr kann ich nicht sagen.» Ein Dementi geht anders. Aber ohnehin ist es schwer, festzumachen, was Degen genau bewegen will und kann. «Es geht nur um das Wohl des Klubs. Ich habe keine Eigeninteressen, ich habe Interessen für den Klub.» Es ist eine Kernbotschaft, die vieles offenlässt.

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