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Das Szenario: Vom spannenden Saisonfinale zum Rohrkrepierer

Die Swiss Football League (SFL) steht wegen des Coronavirus möglicher­weise vor einem Supergau.

Obwohl die Fallzahlen in der Schweiz zuletzt wieder anstiegen und das Szenario eigentlich durchaus auf dem Radar hätte sein können, treffen die Meldungen betreffend zweier infizierter Profis den Fussball in den beiden höchsten Schweizer Spielklassen wie aus dem Nichts. Sieben Runden vor dem Saisonende kommt es nun vermutlich zum ganz grossen Chaos.

Nachdem die Meisterschaft am 23. Februar nach der 23. Runde wegen der rasanten Ausbreitung des Virus auf Anordnung des Bundesrates unterbrochen worden war und sich die Klubs ins Homeoffice begeben hatten, schien mit dem Sinken der Fallzahlen im Frühjahr ihre Fortsetzung aber nicht mehr unmöglich. Am 11. Mai nahmen die ersten Teams das Mannschaftstraining wieder auf, und nach der Ausarbeitung eines vom Bund genehmigten Hygiene­konzepts war es tatsächlich so weit: Am 19. Juni wurde der Spielbetrieb mit der Partie YB gegen den FCZ (3:2) mit dem 24. Durchgang – und mit Ausnahme der dringend gebrauchten und involvierten Personen – ohne jegliche Zuschauer wieder aufgenommen.

Sechs Runden wurden scheinbar problemlos durchgeführt. Ja, schon ab dem 25. Spieltag waren wieder bis maximal 1000 Zuschauer zugelassen worden. Dass der St. Galler Boris Babic nach einem Besuch in seiner serbischen Heimat positiv auf das Virus getestet worden war, hatte keine Konsequenzen, weil der Stürmer sich nach einem Kreuzbandriss im Aufbautraining befindet, nach dem Test in Quarantäne geschickt worden war und keinen Kontakt zu den Teamkollegen gehabt hatte. Das Niveau in der Super League war erstaunlich gut, die Unterschiede zwischen den Favoriten St. Gallen, YB und Basel auf der einen sowie den Abstiegskandidaten Sion, Thun und Xamax auf der anderen Seite waren geringer geworden und es kündigte sich ein hoch spannender Saison-Finish an.

Bis gestern die Hiobsbotschaften eintrafen, Mirlind Kryeziu vom FCZ und Amel Rustemoski von GC seien positiv auf das Coronavirus getestet und die ganze Mannschaft inklusive Staff und Präsident Ancillo Canepa in eine zehntägige Quarantäne geschickt worden.

Die grosse Frage lautet: Wie geht es weiter? Kann die Liga einen Plan B aus der Schublade holen? Eigentlich hätte sie sich ja mit einem solchen auf den Fall der Fälle vorbereiten müssen. Während die deutsche und die österreichische Bundesliga ihren Re-Start einen Monat beziehungsweise 14 Tage vor der SFL angesetzt hatten und ihre Saisons durchbrachten, gerät die Schweizer Liga nun in des Teufels Küche.

Während diese gestern Abend noch keine Lösungsansätze präsentierte, gab die Spielergewerkschaft eine Erklärung ab: «Das ist ein unangemessenes Spiel mit der Gesundheit der Spieler.» Die SAFP fordert die Verschiebung aller Spiele und umfangreiche Tests.

Autor

Markus Brütsch

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