Sport

Das laufintensive Pendant zum Rugby

Luzern war erstmals Austragungsort eines grossen Touch-Rugby-Turniers. Mehr als leichte Berührungen sind nicht erlaubt.

«Was wird denn hier gespielt?» Die Zuschauerin aus Zürich ist verwundert. Eigentlich kam sie am Sonntag auf die Luzerner Allmend, um ihrem Sohn beim American Football zuzusehen. Was sich auf dem Nebenplatz ereignet, weckt jedoch ihre Neugier. «Interessant», findet sie, «das scheint mir ein Sport für eine breite Öffentlichkeit zu sein.» Harte Tacklings und schmerzhafte Blessuren gibt es dabei keine zu sehen, denn hier wird Touch Rugby gespielt. Erstmals trägt Luzern ein Turnier der Schweizer Meisterschaft, des sogenannten Swiss Cups, aus. «Das sind die ersten Rugbyspiele nach dem Lockdown», sagt Marco Felder, der Präsident des gastgebenden RC Luzern, entsprechend gross ist das Teilnehmerfeld. Neben den acht Topteams des Landes messen sich sieben weitere in einer Reservekategorie (Plate), total wird während rund sieben Stunden auf drei Plätzen gespielt.

«Betrügen macht so wenig Sinn wie im Golf»

In Luzern ist diese Bewegung noch jung, erst 2019 ist im RCL eine eigene Sektion gegründet worden. Das Team des Lokalmatadoren heisst Luzern Honey Badgers, die Honigdachse. «Bei uns ist das ein beliebtes Tier», sagt Felder und fügt lachend an: «Zudem haben wir einen Spieler, der wie ein Honigdachs läuft.» Doch wird Touch Rugby in der Szene nicht als softe Variante belächelt? «Nein, so ist es nicht», sagt Felder, der selber klassisches Rugby im Luzerner NLC-Team spielt. Vielmehr begegne man dem konditionell fordernden Pendant mit Respekt. «Mir wäre Touch Rugby zu laufintensiv, da ist man schnell ausser Atem.» Und die Stadtluzernerin Esther Duss, die beide Varianten spielt, hält fest: «Sie ergänzen sich gut. Touch Rugby dient mir zum Aufwärmen.»

Kein harter Körperkontakt also, dafür viel Laufarbeit, Beweglichkeit, Taktik und Technik. Die Teams setzen sich weniger aus bulligen, sondern mehr aus athletischen Akteuren zusammen, zudem sind sie alters- und geschlechtermässig durchmischt. Gespielt wird in Sechserformationen, wobei die Hälfte aus Frauen oder Jugendlichen unter 16 Jahren bestehen muss. Wird diese Vorgabe nicht erfüllt, gibt es pro Halbzeit einen Strafpunkt. Wie im klassischen Rugby (Rugby Union) wird mittels Try, einer Art Touchdown, gescort. Dafür gibt es aber nur einen und nicht fünf Punkte. Der Zusatzkick entfällt. Mehr als leichte Berührungen sind nicht erlaubt, bereits ein Fingertippen gilt als erfolgreiche Abwehraktion. Nach sechs Touches ist der Angriff abgewehrt, der Ball wechselt den Besitzer. Bei harten Fouls können Zeitstrafen ausgesprochen werden, doch das passiert fast nie. Und wenn der Schiedsrichter eine Berührung nicht gesehen hat, gibt es der Spieler zu. «Betrügen macht so wenig Sinn wie im Golf, wir betreiben einen fairen und ehrlichen Sport», sagt John Barton, Spielertrainer und Initiant des Luzerner Touch-Rugby-Teams.

In Zug ist die Szene noch grösser

Am Ende belegen die Luzerner in der Hauptkategorie den vierten Platz, damit ist Barton zufrieden. Schliesslich nehmen die Luzerner erst zum zweiten Mal offiziell am Swiss Cup teil. «Ich hätte nicht gedacht, dass die Szene hier so wachsen würde», sagt der in Luzern arbeitende Engländer. Noch grösser ist sie in Zug, gleich mit drei Teams ist der Verein am Start. «Der Jüngste ist zehnjährig, der Älteste 60. Insgesamt vereinen wir zwölf Nationalitäten, es ist ein Sport für jedermann», erzählt der 47-jährige David McKimm. 20 Jahre spielte der Engländer, der in Zug arbeitet, klassisches Rugby, dann suchte er nach etwas, das den Körper weniger stark in Mitleidenschaft zieht. Die Umstellung sei ihm nicht leicht gefallen. «Ich darf nicht mehr in den Gegner, sondern muss in die Lücken hineinrennen.»

Lücken weist auch der Spielplan auf, wegen der Coronapause sind zwei der vier Turniere im Swiss Cup gestrichen worden. Luzern, das ursprünglich für den dritten Event vorgesehen war, hat nun die Rugby-­Saison lanciert. Am 13. September steht schon die nächste Premiere auf dem Programm: Die Pink Panthers, das neu gegründete Jugendteam des RCL, wird in Luzern erstmals an einem klassischen Rugbyturnier teilnehmen.

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