FUSSBALL
Schaffhausens Raul Bobadilla: das geläuterte Enfant terrible soll für Schlagzeilen sorgen

Raul Bobadilla bereichert den FC Schaffhausen mit seiner Vita und Routine. Schiesst er ihn auch zum Aufstieg? Heute (18.00, Kleinfeld) spielt er gegen den SC Kriens.

Nicola Berger, Schaffhausen
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Raul Bobadilla im Dress des paraguayanischen Guarani FC, seines letzten Klubs.

Raul Bobadilla im Dress des paraguayanischen Guarani FC, seines letzten Klubs.

Bild: Nathalia Aguilar/Imago

Mittwochmittag in Herblingen, dem gesichtslosen Industrieviertel von Schaffhausen. Auf einem Sofa im VIP-Bereich des Wefox-Stadions sitzt ein Mann mit klingendem Namen: Raul Bobadilla.

Bobadilla, 34, war einst Stürmer bei YB, GC, Basel und in der Bundesliga. Er füllte die gegnerischen Netze und die Zeitungsspalten, weil es ihm nicht immer gleich einfach fiel, den Versuchungen des Lebens zu widerstehen. Basel verliess er 2013 einigermassen überstürzt in Richtung Augsburg, nachdem er hier wegen eines Raserdelikts zu einer bedingten Gefängnisstrafe verurteilt worden war. 2013, das ist lange her. Doch der Kontakt in die Schweiz riss nie ganz ab, etwa zu Murat Yakin, dem heutigen Nationaltrainer und seinem vielleicht grössten Förderer. In noch immer sehr gutem Deutsch sagt Bobadilla: «Ich bedanke mich bei Murat, dass ich hier bin.» Yakin war es, der den Kontakt zum Klub herstellte.

Yakin war Bobadillas erster Coach in Europa gewesen, 2006 bei Concordia Basel, wo der Stürmer sich zunächst überhaupt nicht zurechtfand. Es half nicht, dass er davon ausgegangen war, zum FC Basel zu wechseln. Und sich stattdessen im Rankhof bei Congeli in der Zweitklassigkeit wiederfand. Er fühlte sich einsam, weinte oft, hatte kein Geld, um zu Essen. «Das war keine gute Zeit», sagt Bobadilla und schüttelt den Kopf. Damit kennt er sich aus: Er wuchs in Buenos Aires in schwierigen Verhältnissen auf, prügelte sich oft und heftig.

Der Fussball war der Ausweg für diesen bulligen, muskelbepackten Angreifer, der mit so viel Talent gesegnet ist. Dem «Blick» sagte er einmal in einem Interview, dass er «eine bessere Karriere als Mo Salah» hätte machen können. Wäre er sich nicht immer wieder selbst im Weg gestanden. Heute sagt er: «Ich bin zufrieden mit meiner Laufbahn, damit, wie alles gekommen ist.» Und er hat es ja tatsächlich weit gebracht: Mehrere Vereine bezahlten eine Millionenablöse für ihn, er verdiente gut und hatte auch dann noch genug auf dem Konto, wenn er ein paar Nächte durchfeierte und alle einlud. Er sagt: «Ich habe das Leben genossen. Warum auch nicht? Wir Fussballer sind auch nur Menschen. Das ist doch normal.» Aber: Die Zeit der Exzesse sei vorbei, es gebe Dinge, die hätten ihn ruhiger werden lassen. Vor allem: Das Alter und seine Familie. Drei Kinder haben Bobadilla und seine Ehefrau inzwischen. Er sagt: «Es hat sich in meinem Leben alles verändert. Heute will ich ein Vorbild für meine Kinder sein. Wenn ich mich auf dem Rasen aufrege, schaue ich auf die Tribüne, sehe dort meine Kinder und sage mir dann: ‹Ruhig, Raul, ruhig.›»

Er will mit der Familie in der Schweiz bleiben

Der Vertrag in Schaffhausen gilt vorerst bis zum Saisonende, doch Bobadilla sagt: «Mein Ziel ist es, dass wir in der Schweiz bleiben können. Für meine Kinder wäre das gut, es ist das perfekte Land, es ist hier sicher und man hat absolut alles.»

Zuletzt war er durch Südamerika getingelt, er spielte mit wechselhaftem Erfolg in Brasilien, Paraguay und Argentinien. Jetzt ist er zurück in Europa, nach viereinhalb Jahren Unterbruch. Im ersten Einsatz für Schaffhausen am vergangenen Wochenende beim 3:1-Sieg über Yverdon traf er bereits – und deutete an, dass er für den Klub mehr sein kann als einfach nur ein grosser Name. Wobei das nicht schadet: Der Verein hat sich unter der aktuellen Führung zuletzt von seinem Anhang entfremdet, der Zuschauerschnitt in der modernen, erst 2017 eröffneten Arena liegt bei nur 757 Zuschauern. Und das, obwohl der Klub attraktiv spielt und realistische Chancen auf den Aufstieg hat. Bobadilla hofft, dass es so wird wie damals bei Concordia, wo alles begann: Schon damals war die Challenge League nur eine Zwischenstation. Gelingt die Promotion, muss er dafür 16 Jahre später nicht einmal weiterziehen.

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