Dynamik. Wenn man sich in Val d’Isère umhört, fällt immer wieder dieses Wort. Es steht am Anfang der Erklärung, warum es plötzlich so gut läuft für die Schweizer Frauen.
Rückblick: Im Frühling beendeten mit Olympiasiegerin Dominique Gisin, Marianne Abderhalden und Nadja Jnglin-Kamer gleich drei Speedfahrerinnen die Karriere. Es war ein brutaler Schnitt für das Schweizer Frauenteam. Ein Schnitt, der Angst machte.

Cheftrainer Hans Flatscher erinnert sich: «Die Ausgangslage im Frühling war speziell. Im ersten Moment war es nicht leicht, den Glauben im Team am Leben zu halten.» Es drohte der böse Absturz und die endgültige Abhängigkeit von Lara Gut.

Es herrschte Aufbruchsstimmung

Nur: Was dann passierte, ist der Schlüssel für die so nicht erwarteten Erfolge im bisherigen Winter. «Alle Trainer, alle Betreuer und alle Athletinnen haben nicht aufgegeben. Alle wussten, dass wir noch mehr Gas geben müssen, und daraus entwickelte sich eine unglaubliche Dynamik», sagt Flatscher. Das Motto Aufbruchstimmung statt Resignation. Die Rücktritte als Chance sehen und nicht als Ende.

Es entstand ein Drive, der zu spüren ist. Das Frauenteam harmoniert so gut wie vielleicht lange nicht mehr. Fabienne Suter sagt: «Wir haben im Team eine gute Mischung zwischen alt (sie zeigt auf sich und lacht), sehr jung und sehr erfolgreich wie Lara.» Ein Mix, der passt. Auch für Lara Gut. Die Tessinerin, die früher gerne den Alleingang suchte, bewegt sich immer öfter im Team. Freiwillig, wie Flatscher betont: «Sie hat die Meitli gern und die Meitli haben sie gern.»

Harmonie pur. Obwohl diese im Sport der Leistung nicht immer förderlich ist. «Es stimmt. Wir haben eine sehr gute Stimmung im Team», sagt Flatscher und ergänzt: «Die Stimmung ist aber sehr leistungsbezogen. Es ist eine Stimmung mit Drive.» Es ist der perfekte Mix. Das sieht auch Speedtrainer Roland Platzer so: «Es sind alle angriffig. Das Team pusht sich selber. Es merkt jede, dass sie vorne mitfahren kann, und das erzeugt jetzt so eine Dynamik, dass es alle mitzieht.»

Corinne Suter als Sinnbild 

Da ist er also, der oft erwähnte Lauf. Der alles so viel einfacher macht. Bestes Beispiel dafür ist Corinne Suter. Die 21-Jährige erlebt eine fast unglaubliche Saison. Nach schwierigen Jahren startete sie ausserhalb der Top 30 in die Saison. In der Abfahrt von Lake Louise fuhr sie als Sechste mitten in die Weltspitze und verbesserte ihr Bestresultat gestern auf Rang fünf. «Nicht zufällig», sagt ihr Chef. «Sie ist im Aufwind. Das spürten wir im Sommer.»

Suter ist somit so etwas wie der Inbegriff für die Fahrerinnen, die nach den Rücktritten aufblühen. Die sich nicht verstecken, sondern ihre Chancen sehen und packen. Die Dynamik im Team zieht die 21-Jährige mit. Kombiniert mit den technischen Fortschritten, die Suter im Sommer gemacht hat, ergibt sich ihre Erfolgsmischung.
«Das Team funktioniert im Moment richtig gut. Das ist einfach schön», sagt Flatscher. «Wenn es gut läuft, hilft das jedem im Team.» Oder eben: Es entsteht eine Dynamik.