Spritzensport

Das Erbe des Doping-Arztes

Diese Kolumne beschäftigt sich alle zwei Wochen mit Themen rund um Doping und den Kampf dagegen.

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Bei einer Razzia wurden 2006 beim spanischen Arzt Eufemiano Fuentes 216 Blutbeutel beschlagnahmt. Der ganz grosse Schlag gegen Doping im Sport gelang damals trotzdem nicht, spanische Gerichte verhinderten die Herausgabe der Beweise mit aller Macht. Heute sind genau diese Beutel endlich im Besitz der Wada. Doch noch immer sind ihr die Hände gebunden.

Die Fakten des Dopingskandals bei der Langlauf-WM in Seefeld erinnern stark an die Machenschaften des spanischen Frauenarztes Eufemiano Fuentes. Fand die Polizei vor gut einem Monat beim Erfurter Sportmediziner Mark Schmidt knapp 50 Blutbeutel und identifizierte 21 Athleten, so war die Ausbeute der Razzia 2006 bei dessen Berufskollege in Spanien ungleich grösser. 216 Blutbeutel beschlagnahmte die Polizei damals.

Was zu Beginn wie ein riesiger Schlag gegen Doping im Sport aussah, entwickelte sich zu einem Rohrkrepierer. Dafür verantwortlich waren spanische Gerichte, welche die Herausgabe der Beweise an die Sportjustiz durch alle Instanzen hindurch verhinderten.

Die Welt-Antidoping-Agentur zog den Fall bis vors spanische Verfassungsgericht, verlor aber den Kampf gegen die zehnjährige Verjährungsfrist für Dopingvergehen. Noch heute ist man in Sportkreisen überzeugt, dass die Verhinderungstaktik der Spanier letztlich eine politische Aktion war. Man wollte die eigenen Sportstars nicht ans Messer liefern.

Wo keine Beweise sind, sind zumindest Gerüchte. Fuentes soll Blut von mehreren Fussballstars aus Madrid und Barcelona präpariert haben. Auch der Name von Tennisstar Rafael Nadal tauchte auf. Und nicht weniger als 59 Veloprofis hätten zum Kundenkreis des Arztes gehört. Identifiziert und verurteilt wurden letztlich nur deren fünf: Tyler Hamilton, Ivan Basso, Frank Schleck, Jan Ullrich und Alejandro Valverde. Dies immerhin alles grosse Namen.

Heute sind die Blutbeutel endlich im Besitz der Wada. Diese hat der eigenen Ermittlungsabteilung den Auftrag gegeben, möglichst viele der Blutbeutel mittels DNA-Abgleich zu identifizieren. 35 solche DNA-Profile hat das Team des deutschen Chefermittlers Günther Younger in den letzten Monaten erstellen können.

Sieben Sportler sind identifiziert, vier davon sind auch im Jahr 2019 noch aktiv. Bestrafen kann die Wada diese Athleten wegen der 2016 abgelaufenen Verjährungsfrist nicht mehr. An den Pranger stellen geht ebenfalls nicht, denn veröffentlicht werden dürfen die Namen laut Gerichtsbeschluss nicht. Die befürchtete Klagewelle der Betroffenen könnte die Wada finanziell ruinieren.

Was also machen mit diesem exklusiven Wissen über Betrüger? Es gibt zwei Dinge, die seit November 2018 hinter den Kulissen laufen. Die Wada kann ihre Kenntnisse mit den Antidoping-Behörden der einzelnen Sportverbände teilen. Oder sie kann die Athleten gleich selbst testen lassen. Man hat die Doper von damals also auch heute noch im Visier. Nur überführt wurde von ihnen noch keiner.

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