Schweizer Nati

«Dann verlassen Sie die Arena erhobenen Hauptes» – offener Brief an Vladimir Petkovic

Mag Medienkonferenzen so sehr wie Besuche beim Zahnarzt: Vladimir Petkovic

Mag Medienkonferenzen so sehr wie Besuche beim Zahnarzt: Vladimir Petkovic

Die Zukunft von Vladimir Petkovic ist völlig offen. In seinem offenen Brief schreibt Klaus Zaugg über die Strategie, die unser Nationaltrainer wählen sollte, um mit Sicherheit als Held in die Schweizer Fussballgeschichte einzugehen.

Die Fussballwelt ist nicht gerecht. So gut gespielt und doch in Dänemark 0:1 verloren. Sind Sie als Nationaltrainer schuld?

Natürlich nicht. Und doch naht die Zeit der «Schuldzuweisung». Mit Besorgnis habe ich schon vor diesem 0:1 den Medien durchwegs die gleiche Meinung entnommen: Der Vertrag mit Ihnen sollte 2020 nicht mehr verlängert werden. Sozusagen eine Medien-Kampagne gegen Sie. 

Da braut sich also etwas zusammen, und Sie sollten daran denken, an Ihrem «Geschichtsbild» zu arbeiten. Die Gefahr ist nämlich erheblich, dass Sie 2020 völlig unverdient als Verlierer in unsere Fussballgeschichte eingehen.

Sie brachten mit YB seinerzeit einen Rekordvorsprung auf Basel (ich glaube, es waren 13 Punkte) und im Cupfinal gegen Sion ein 2:0 nicht über die Runden. Mit der Nati haben Sie bei grossen Turnieren die entscheidenden Partien verloren. Und jetzt dieses 0:1 in Dänemark. Auf einmal kommt beim Verspielen formidabler Ausgangspositionen in helvetischen Fussball das Unwort «verpetkowitscht» auf. Das wäre geradezu unerhört.

Dagegen können Sie etwas tun. Stellen Sie sich als Opfer der bösen Medien hin. Das zieht beim Volk immer. Denken Sie nur an Donald Trump. Okay, das war natürlich eine ganz andere Sache, und es wäre masslos übertrieben, Sie zum «Donald Trump des Fussballs» machen zu wollen. Aber Übertreiben und Zuspitzen hilft bei Medien-Angelegenheiten immer. Sie können sehr wohl argumentieren, die Kritik in den Medien habe die Spieler verunsichert und Unruhe in die Mannschaft getragen. Gerade diese bösartigen Empfehlungen, Ihren Vertrag nicht zu verlängern, untergraben doch Ihre Autorität und erschweren Ihre Arbeit mit dem Team extrem.

Erreichen Sie bis zum Ablauf Ihres Vertrages nicht die geforderten Resultate – dann sind die Medien schuld, und Sie verlassen die Arena erhobenen Hauptes als Medienopfer. Erreichen Sie die geforderten Resultate trotzdem, sind Sie erst recht ein Held und können es sich fortan leisten, alle Medienkonferenzen zu schwänzen, die Sie ohnehin so wenig zu mögen scheinen wie Besuche beim Zahnarzt.

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