Champions league
Und wieder bleibt für YB nur die Enttäuschung – das sind die Erkenntnisse nach der 0:2-Niederlage in Villarreal

YB verliert zum dritten Mal im vierten Spiel dieser Champions-League-Kampagne. In Villarreal gelingt es den Bernern nicht, sich für eine starke Leistung zu belohnen. Sind die europäischen Träume damit vorbei?

Etienne Wuillemin
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Der späte Frust: Christian Fassnacht nach dem 0:2.

Der späte Frust: Christian Fassnacht nach dem 0:2.

Claudio De Capitani / freshfocus

Irgendwie konnte einem David Wagner Leid tun. Da blickt der YB-Trainer in die Runde und muss einen Abend erklären, an dem er eigentlich ziemlich viel Gutes gesehen hatte. Und doch stand er wieder mit leeren Händen da. Wie das bei YB in den letzten drei Spielen eben immer der Fall ist. «Wir haben ein richtig gutes Spiel gezeigt – aber das Resultat, ja, das tut so richtig weh», sagt Wagner.

Die bitterste Erkenntnis ist für YB eine altbekannte: Das Team ist zu wenig effektiv. Die Chancen wären da gewesen, um einen Punkt, wenn nicht sogar den Sieg nach Hause zu nehmen. Doch derzeit kranken die Berner daran, Tore zu schiessen.

Christian Fassnacht ist ein Sinnbild dafür. Am Samstag gegen St.Gallen liess er mehrere Gelegenheiten ungenutzt. Nun wollte ihm das ersehnte Tor auch in der Champions League lange nicht gelingen. Und als der Ball bei der dritten Gelegenheit dann doch drin war, zählte der Treffer nicht wegen Teamkollege Bürgy, der im Abseits stand.

Fabian Rieder als Sinnbild des Abends

Einer, an dem man diesen Abend auch ganz gut erzählen kann, ist Fabian Rieder. Erstmals durfte der 19-Jährige in der Champions League von Anfang an spielen. Er tut das ganz gut, ohne Nervosität – und mit wachem Geist. Er ist es, der seine Füsse im Spiel hat bei den grössten YB-Chancen. In der ersten Halbzeit, als er einen Ball erobert und ihn Fassnacht serviert. In der zweiten Halbzeit, als er plötzlich alleine vor Villarreals Tor auftaucht. Und schliesslich sein Glück auch noch mit einem sehenswerten Lob aus 25 Metern versucht. In allen drei Fällen fehlt nur ein Quäntchen zum Tor. Ganz zum Schluss ist es dann ausgerechnet Rieder, der den Spaniern den Ball zum 2:0-Endstand serviert.

Eines ist klar: Aus Spielen wie diesen wird Rieder viel lernen können. Beschreitet er seinen Weg so seriös und abgeklärt weiter wie bisher, kann die Fussball-Schweiz noch viel Freude an ihm haben. Es gibt ja bekanntermassen nicht zu viele kreative Offensivspieler im Land.

Verpasst das 1:1 nur knapp: Fabian Rieder. An ihm wird die Fussball-Schweiz noch viel Freude haben.

Verpasst das 1:1 nur knapp: Fabian Rieder. An ihm wird die Fussball-Schweiz noch viel Freude haben.

Claudio De Capitani / freshfocus

Der Rückblick auf die 90 Minuten

Darf das wirklich wahr sein? Das fragten sich die Berner und ihre Fans, als sie nach 55 Minuten ihr längst verdientes Tor doch noch schossen. Fassnacht traf endlich. Doch die Freude hielt nur kurz. Denn Schiedsrichter Serdar ­Gözübüyük schaute sich das Tor am Bildschirm noch einmal an. Und erkannte, dass Villarreals Torhüter Rulli von Bürgy ­behindert wurde. Das Tor zählte nicht, es blieb beim 0:1.

Spätestens nach 67 Minuten war dann der Video-Frust von YB komplett. Villarreal-Verteidiger Pau Torres stand Meschack Elia auf die Achillesferse – eine heikle Szene, die von allen Schiedsrichtern unbemerkt blieb. Spätestens da begann man zu ahnen: YB wird erneut mit einer Enttäuschung leben müssen.

Der vermeintliche Ausgleich: Fassnachts Treffer zählt nicht, weil Torhüter Rulli (in schwarz) behindert wird.

Der vermeintliche Ausgleich: Fassnachts Treffer zählt nicht, weil Torhüter Rulli (in schwarz) behindert wird.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Nicht dass die Berner aufgegeben hätten, nein, sie versuchten weiter alles. Nur eben erfolglos. Und Danjuma nach 88 Minuten die Partie mit dem zweiten Treffer für Villarreal entschied.

Kurz vor 23 Uhr ist die dritte YB-Niederlage im vierten Spiel dieser Champions-League-Kampagne damit Tatsache. Trotz einer guten, couragierten Leistung. Weil Atalanta Bergamo gegen Manchester United in letzter Sekunde den Sieg vergab, ist in der Tabelle vor den beiden letzten Spielen noch nicht alles verloren. Um weiter von einem europäischen Überwintern träumen zu können, muss YB nun aber Atalanta Bergamo am 23. November besiegen. Und danach wohl auch in Manchester noch einmal punkten.

Diesmal verzichtet YB-Trainer David Wagner auf Experimente

Gleich fünf Änderungen nahm YB-Trainer David Wagner im Vergleich zum ersten Duell der beiden Mannschaften vor zwei Wochen vor. Faivre, Hefti, Bürgy, Sierro und Rieder waren neu dabei. Torhüter Von Ballmoos fehlte verletzt. Der formschwache Stürmer Siebatcheu musste auf die Bank. Vor allem aber vertraute Wagner diesmal dem gewohnten System mit vier Verteidigern. Das war ohne Zweifel richtig.

Es war von Anfang an ein erfreulicher Auftritt der Young Boys. Mehr als 30 Minuten lang waren die Hoffnungen berechtigt, dass sie mehr als nur gute Kritiken aus Spanien nach Hause tragen würden. YB gelang es, das Spiel fast durchwegs nach seinen Wünschen zu gestalten. YB war kompakt, stark in den Zweikämpfen, liess dem Gegner kaum Räume zur Entfaltung. Hatte sogar mehr vom Spiel, viele Ballbesitzphasen. Und eben: die besseren Chancen.

Zuerst traf Fassnacht mittels Direktabnahme aus gut zehn Metern den Ball nicht wunschgemäss. Dann eroberte Rieder den Ball, legte ab auf Fassnacht, dieser wollte den Ball wieder zurückspielen anstatt alleine vor dem Tor zu schiessen – prompt lief ein Verteidiger dazwischen. Es war jene goldene Gelegenheit, der YB danach nachtrauerte.

Bereits im Gegenzug verpasste Villarreal seinerseits die Führung nur knapp. Nach 36 Minuten fiel sie dann doch noch. Capoue vollendete eine brillant einstudierte Eckball-Variante. Das 0:1 aus Berner Sicht zur Pause war bitter. Weil es sich nicht abgezeichnet hatte. Es sollte der Anfang vom Ende sein. Bitter, denn YB hätte mehr verdient. Und muss nun mit der dritten Niederlage in Serie leben. Das hat es seit 2014 nicht mehr gegeben.

Das 1:0 für Villarreal durch Capoue.

Das 1:0 für Villarreal durch Capoue.

Alberto Saiz / AP

Die Stimmen zum Spiel:

Fabian Rieder: «Es wäre sicherlich mehr drin gelegen, uns hat aber die Effizienz gefehlt. Das zweite Tor war ein individueller Fehler von mir, den sie ausnutzen. Das ärgert mich sehr, daraus kann ich aber lernen.»

Guillaume Faivre: «Das Gefühl des Debüts war wunderschön, ich habe probiert, alles zu geniessen. Wir waren fokussiert, die Leistung der Mannschaft war gut. Am Schluss haben Details gefehlt.»

Spiel verpasst? Lesen Sie den Verlauf der Partie im Liveticker nach:

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