WM-Qualifikation
Blick zurück - Blick voraus: Die besonderen Geschichten zur WM-Quali für Russland 2018

Die Qualifikation zur Fussball-WM 2018 ist in vollem Gang. Von Freitag bis Sonntag werden die Spiele der vierten Runde ausgetragen. Von den 54 Teilnehmern aus Europa werden nur 13 einen Startplatz an der WM-Endrunde erhalten. Hinzu kommt Gastgeber Russland.

Von Ruedi Kuhn, Sébastian Lavoyer, Konstantin Furrer und Yann Schlegel
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Marcel Koller steht mit der österreichischen Nationalmannschaft nach bereits drei Spielen gehörig unter Druck. Keystone

Marcel Koller steht mit der österreichischen Nationalmannschaft nach bereits drei Spielen gehörig unter Druck. Keystone

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Gruppe A: Holland
Der Glanz vergangener Tage

Holland, Europameister 1988, Erfinder des «Voetbal Totaal», des totalen Fussballs, Präger einer Epoche – das war einmal. 2016 haben sich die Holländer erstmals seit der EM 1984 nicht für eine EM-Endrunde qualifiziert – und jetzt zittert Oranje schon wieder. Nach drei Spielen liegt die Elftal mit vier Punkten aus drei Spielen bloss auf Rang drei. Ein Sieg gegen Luxemburg ist Pflicht. Arjen Robben und Wesley Sneijder (beide 32) sind in die Jahre gekommen, Van Persie gar ausgemustert. Coach Danny Blind setzt auf Jüngere. Doch das Team hat sich noch nicht so gefunden und individuell nicht mehr die Klasse vergangener Tage. So Frankreich den ersten Platz noch strittig zu machen, scheint ganz schwer. Da haben die Franzosen schlicht mehr Qualität.

Spiel am Freitag: Frankreich - Schweden. Spiele am Sonntag: Bulgarien - Weissrussland. Luxemburg - Holland. – Rangliste: 1. Frankreich 3/7. 2. Schweden 3/7. 3. Holland 3/4. 4. Bulgarien 3/3. 5. Weissrussland 3/2. 6. Luxemburg 3/1.

Gruppe C: Aserbaidschan
Auf Kurs zur Sensation

Das Land am Kaspischen Meer erschütterte 1996 das fussballerische Selbstverständnis der Schweizer. Aserbaidschan, in der Schweiz damals kaum bekannt, bestritt sein erstes WM-Qualifikationsspiel gegen die Schweiz – und gewann 1:0. Jetzt bahnt sich im ehemaligen Teilstaat der Sowjetunion die nächste Überraschung an. Dass Aserbaidschan das Startspiel der Qualifikation gegen San Marino gewann, war noch keine Schlagzeile wert. Der 1:0-Sieg gegen Norwegen hingegen schon. Und das torlose Unentschieden gegen Tschechien komplettierte die Überraschung. So kommt es, dass Aserbaidschan nach drei Spieltagen vom zweiten Platz grüsst. Sollten die Kaukasier auch am Freitag gegen Nordirland gewinnen, darf man sich im Land des Feuers reelle Hoffnungen machen auf die erste WM-Teilnahme überhaupt.

Spiele am Freitag: Tschechien - Norwegen. San Marino - Deutschland. Nordirland - Aserbaidschan.Rangliste: 1. Deutschland 3/9. 2. Aserbaidschan 3/7. 3. Nordirland 3/4. 4. Norwegen 3/3. 5. Tschechien 3/2. 6. San Marino 3/0.

Gruppe D: Österreich
Schon früh unter Druck

Am 8. September 2015 qualifizierte sich Österreich mit einem 4:1-Sieg in Schweden als ungeschlagener Gruppensieger für die EM-Endrunde 2016. Während der Ehrung der Sportler des Jahres 2015 wurde die Nationalmannschaft als Team des Jahres ausgezeichnet. Der Schweizer Teamchef Marcel Koller erhielt mit dem Special Award eine besondere Auszeichnung. Ein Jahr später ist es vorbei mit der Herrlichkeit in Rot-Weiss-Rot: An der EM wurde Österreich in einer Gruppe mit Portugal, Island und Ungarn Letzter. Und der Start in die WM-Qualifikation ist ebenfalls missglückt. Nach der 2:3-Pleite in Serbien ist Österreich mit vier Punkten aus drei Spielen nur auf Rang vier. Im Heimspiel gegen Irland am Samstag ist für Kollers Team ein Sieg Pflicht.

Spiele am Samstag: Österreich - Irland. Georgien - Moldawien. Wales - Serbien. – Rangliste: 1. Serbien 3/7. 2. Irland 3/7. 3. Wales 3/5. 4. Österreich 3/4. 5. Georgien 3/1. 6. Moldawien 3/0.

Gruppe E: Montenegro
Überraschung aus dem Osten

Hand hoch, wer vor Beginn dieser Kampagne mit Montenegro gerechnet hat! Auf dem Papier sind die Rollen klar verteilt: 1. Polen (15. Platz im Fifa-Ranking), Rumänien (34. Platz), Dänemark (50. Platz), Montenegro (56. Platz) und so weiter. Tatsächlich führt Montenegro mit dem schweizerisch-montenegrinischen Doppelbürger und montenegrinischen Rekordinternationalen Elsad Zverotic (58 Länderspiele) die Gruppe an. Grosser Star des Teams ist Inter Mailands Stevan Jovetic. Zverotic dagegen kam in den ersten drei Partien nicht zum Einsatz, schwärmt aber von seinen jungen Teamkollegen. Wollen die Falken weiter von Russland 2018 träumen, müssen sie gegen Armenien (Platz 125 im Fifa-Ranking) zwingend gewinnen.

Spiele am Freitag: Armenien - Montenegro. Dänemark - Kasachstan. Rumänien - Polen. – Rangliste: 1. Montenegro 3/7. 2. Polen 3/7. 3. Rumänien 3/5. 4. Dänemark 3/3. 5. Kasachstan 3/2. 6. Armenien 3/2.

Gruppe F: Schottland
Schicksalsspiel zweier Männer

Ausgerechnet vor dem 113. Duell gegen den Erzrivalen steht Schottland – und insbesondere Trainer Gordon Strachan – unter gewaltigem Druck. Nach dem schwachen Start in die WM-Kampagne mit einer Klatsche gegen die Slowakei und einem wertlosen Remis gegen Litauen müssen die Nordbriten gegen den grossen Bruder Punkte holen. Ansonsten droht Strachan seinen Job zu verlieren. Auch für Englands Interimstrainer Gareth Southgate geht es um die persönliche Zukunft: Um sich endgültig als Nachfolger von Sam Allardyce zu profilieren, muss Southgate gegen die Schotten siegen.

Spiele am Freitag: England - Schottland. Slowakei - Litauen. Malta - Slowenien. – Rangliste: 1. England 3/7. 2. Litauen 3/5. 3. Slowenien 3/5. 4.

Gruppe G: Italien
Ohne den erstarkten Balotelli

Man vermisste ihn bereits an der EM in Frankreich. Und auch am Samstag gegen Liechtenstein darf Mario Balotelli nicht mitmachen. Der neue Nationaltrainer Giampiero Ventura liess den exzentrischen Stürmer zu Hause, und das, obwohl er in Nizza unter Trainer Lucien Favre in sechs Spielen sechs Tore schoss. Sollte Balotelli seine Torlaune beibehalten, dürfe Ventura in Zukunft kaum um eine Nomination kommen. Es wäre die erste seit zwei Jahren. Auch ohne ihren Talisman von 2012: Die «Azzurri» starteten bisher problemlos in die WM-Qualifikation und stehen noch ohne Niederlage da. Auch am Samstag gegen Liechtenstein wird diese Serie wohl kaum reissen.

Spiele am Samstag: Liechtenstein - Italien. Albanien - Israel. Spanien - Mazedonien. – Rangliste: 1. Spanien 3/7. 2. Italien 3/7. 3. Albanien 3/6. 4. Israel 3/6. 5. Mazedonien 3/0. 6. Liechtenstein 3/0.

Gruppe H: Griechenland
Mit einem Deutschen am Steuer

Was war das für ein Fest, als Griechenland 2004 den EM-Final gegen Portugal mit 1:0 gewann. Mit Otto Rehhagel war ein deutscher Trainer für die sportliche Sensation verantwortlich. Seit Ende Oktober 2015 ist mit Michael Skibbe erneut ein Deutscher Trainer der Griechen. Und siehe da: Der Europameister von 2004 startete mit drei Siegen in die WM-Qualifikation und führt die Tabelle punktgleich mit Belgien an. Am Sonntag empfangen die Griechen mit Bosnien-Herzegowina einen der Hauptkonkurrenten um einen Platz an der WM 2018 in Russland. Wer weiss? Vielleicht tritt Skibbe schon bald aus dem Schatten seines Landsmannes Rehhagel. Es muss ja nicht zwingend der Titel sein. Die WM-Qualifikation würde schon reichen.

Spiele am Sonntag: Belgien - Estland. Zypern - Gibraltar. Griechenland - Bosnien und Herzegowina. – Rangliste: 1. Belgien 3/9. 2. Griechenland 3/9. 3. Bosnien und Herzegowina 3/6. 4. Estland 3/3. 5. Zypern 3/0. 6. Gibraltar 3/0.

Gruppe I: Kosovo
Der Neuling muss unten durch

Am 3. Mai 2016 wurde die kosovarische Nationalmannschaft als 55. Mitglied im europäischen Verband Uefa aufgenommen. Mit einem 1:1 in Finnland war der Start in die WM-Qualifikation vielversprechend. Gegen Kroatien (0:6) und die Ukraine (0:3) musste Kosovo zuletzt allerdings bös untendurch. Eine weitere Pleite droht dem Neuling auch im vierten Spiel am Samstag in der Türkei. Mit Alban Pnishi (GC), Albert Bunjaku (St. Gallen) und Benjamin Kololli (Lausanne) sind auch drei in der Super League spielende Profis im Kader Kosovos. Kosovarische Wurzeln haben auch Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka und Valon Behrami. Die drei Ausnahmekönner spielen Gott sei Dank für die Schweiz.

Spiele am Samstag: Kroatien - Island. Ukraine - Finnland. Türkei - Kosovo. – Rangliste: 1. Kroatien 3/7. 2. Island 3/7. 3. Ukraine 3/5. 4. Türkei 3/2. 5. Finnland 3/1. 6. Kosovo 3/1.