National League

Bieler Fehlstart nach Blitzstart und Titelverteidiger setzt Ausrufezeichen - Was in der ersten Runde der National League Playoffs passiert ist

Die erste Runde der Playoffs und der Abstiegsrunde in der National League ist bereits Geschichte. Viele Tore, viele Emotionen: Hier finden Sie die Zusammenfassungen und die Resultate aller Partien.

Biel - Davos: Bieler Fehlstart nach Blitzstart

Biel ging im ersten Playoff-Viertelfinal gegen Davos bis in die 7. Minute 2:0 in Führung, verlor danach aber komplett den Faden. Die Bündner drehten im Mitteldrittel die Partie und gewannen am Ende 5:2. Zum Matchwinner für den HCD wurde Enzo Corvi.

Corvi erzielte zuerst den Führungstreffer zum 3:2 (31.) und bereitete danach den vorentscheidenden vierten Treffer im Powerplay (45.) magistral vor. Der Schweizer Internationale bediente nach einem tollen Solo Robert Kousal, der Jonas Hiller mit einer Direktabnahme bezwang. Drei Minuten danach versetzte Marc Wieser mit dem fünften Tor Biel endgültig den K.o.-Schlag.

In der Qualifikation hatte Biel von den 20 Partien unter Trainer Antti Törmänen nur eine nach 60 Minuten verloren. Nun kam - ausgerechnet zum Auftakt der Playoffs - eine zweite dazu. Dabei hatte für die Bieler alles nach Plan begonnen.

Matthias Joggi (5.) und Fabian Lüthi (7.) sorgten mit ihren Treffern für einen Blitzstart des Qualifikationsdritten. Doch mit der Führung im Rücken agierte Biel plötzlich passiv, die Playoff-erfahreneren Davoser nützten das Nachlassen gnadenlos aus.

Arno Del Curto weckte sein Team mit einem Timeout nach dem zweiten Gegentreffer. Ab diesem Zeitpunkt spielte praktisch nur noch der HCD. Bereits nach dem ersten Drittel lag Del Curtos Mannschaft nach Schüssen 17:9 vorne, im zweiten Abschnitt schlug sich die spielerische Überlegenheit dann auch in Tore um. Die Bündner benötigten weniger als sieben Minuten bis zur Wende.

Bern - Servette: Titelverteidiger setzt Ausrufezeichen

Der SC Bern hat gleich bei erstbester Gelegenheit demonstriert, dass er für die Mission Titelverteidigung bereit ist. Zum Auftakt der Viertelfinals fertigte der Meister der Vorsaison ein chancenloses Genève-Servette gleich mit 7:0 ab.

In den sechs Duellen der Qualifikation hatte die Differenz zwischen den beiden Mannschaften nie mehr als einen Treffer betragen. Im ersten Playoff-Duell trennte die Berner und die Genfer jedoch Welten. Nach weniger als zehn Minuten führte der SCB bereits 3:0, kurz vor der ersten Pause erzielte Simon Bodenmann mit seinem zweiten Treffer gar noch das 4:0.

Servette wurde von Bern regelrecht überfahren, war vom Tempo und der Intensität überfordert. Auch Torhüter Robert Mayer liess sich anstecken. Die ersten beiden Treffer fielen, nachdem der Keeper die Scheibe hinter dem Tor nicht weg gebracht, respektive vertändelt hatte. Trainer Craig Woodcroft ersetzte Mayer (Fangquote von 77,78 Prozent) nach dem ersten Drittel durch Christophe Bays. Auch diese Massnahme half jedoch aus Genfer Sicht nichts.

Am Ende feierte Leonardo Genoni seinen neunten Shutout in dieser Saison und Bern den höchsten Auftaktsieg in der Geschichte der Schweizer Playoffs seit 2003. Damals gewann ebenfalls Bern 7:0 gegen... Servette.

Erst als die Partie längst entschieden war, packte Servette die erwartete Härte aus. Zum «Opfer» wurde Eric Blum, der nach einem harten Check auf offenem Eis von Noah Rod (34.) in die Kabine musste und nicht mehr zurückkehrte. Im ersten Drittel war bei Bern bereits Dario Meyer verletzt ausgefallen. Kurz vor dem Ende erwischte es - nach einem Zusammenprall mit einem Teamkollegen - auch noch Luca Hischier.

Zug - ZSC Lions: EVZ mit ungefährdetem Startsieg

Der EV Zug kam in der Playoff-Viertelfinal-Serie gegen die ZSC Lions zu einem standesgemässen 4:1-Auftaktsieg.

Für Zug war es der elfte Sieg im elften Heimspiel im neuen Jahr. Die ZSC Lions zeigten nach einem 0:3-Rückstand im Schlussdrittel zumindest eine gewisse Reaktion, die allerdings noch nicht als Aufbäumen gewertet werden kann.

Die Zürcher steigerten sich im Vergleich zu den drei Niederlagen in Serie nach der Olympia-Pause vom Einsatzwillen her, doch gegen den EVZ mit Playoff-Intensität reichte dies längst nicht aus.

Denn die verunsicherten Zürcher konnten ihre Mängel nicht kaschieren. Nicht nur Pässe oder Schüsse missrieten, auch das Backchecking war unzureichend.

Sinnbildlich dafür war der Scheibenverlust von Inti Pestoni beim Zuger 3:0 (38.) von Carl Klingberg. Die gedanklich schnelleren Gastgeber überrumpelten die Zürcher förmlich im Gegenzug und konnten mit einer 4:1-Überzahlsituation vor ZSC-Goalie Lukas Flüeler abschliessen.

Auch das Zuger 1:0 von Viktor Stalberg wäre vermeidbar gewesen. ZSC-Verteidiger Phil Baltisberger hatte in der Entstehung des Gegentores an der Bande zwar nachgesetzt, die Scheibe aber nicht aus der Gefahrenzone bringen können. Stalberg ging im Slot «vergessen» und liess sich nicht zweimal bitten.

Nach gut 25 Minuten hatten die Zentralschweizer bereits doppelt so viele Abschlüsse wie der Qualifikations-Siebte (20:10) verzeichnet, während die ZSC Lions bis zu diesem Zeitpunkt bereits sechs Zweiminuten-Strafen verzeichneten. Das siegweisende 2:0 von Raphael Diaz (25.) fiel denn auch in Überzahl.

Fan-Ansprache im Warm-Up bei den ZSC LionsBei den ZSC Lions war im Warm-up vom Vormittag eine Ansprache der eigenen Fans auf dem Eis zugelassen worden. Die Spieler der Lions lauschten dabei den Ausführungen vergleichbar ernsthaft wie bei Trainer-Anweisungen.

Die ZSC Lions hatten alle drei Meisterschaftsspiele nach der Olympia-Pause nicht nur verloren (1:3 in Lugano sowie zweimal 1:4 in bzw. gegen Biel), sondern dabei auch einen fast schon hoffnungslosen Eindruck hinterlassen.

Lugano - Fribourg: Grégory Hofmann mit Hattrick im Startdrittel

Stürmer Grégory Hofmann führt Lugano mit einem Hattrick im Startdrittel zum 6:2-Auftaktsieg in der Viertelfinal-Serie gegen Fribourg-Gottéron.

Lugano führte nach dem drittschnellsten Hattrick der Schweizer Playoff-Geschichte nach 14 Minuten bereits mit 3:0. Nationalstürmer Hofmann war innerhalb von 7:19 Minuten dreimal erfolgreich.

Hofmann nutzte beim 1:0 einen Stellungsfehler der Gäste zum 1:0 aus. Ein Geniestreich von Ryan Johnston, der überraschend dem Schweden Linus Klasen vorgezogen wurde, leitete das 2:0 von Hofmann ein. Vergleichbar kaltblütig wie beim 1:0 vollendete Hofmann zum siegweisenden 3:0. Im Schlussdrittel erhöhten Thomas Wellinger, Matteo Romanenghi und Maxim Lapierre noch auf 6:1.

Lugano war in den ersten und letzten 20 Minuten das bessere Team, Gottéron besass einzig im Mitteldrittel aufgrund einer vorübergehenden Passivität der Tessiner etwas mehr Spielanteile.

Dabei war der siebenfache Meister Lugano trotz Heimvorteil eher als Aussenseiter in die Serie gestartet. Denn mit Captain Alessandro Chiesa, Nationalstürmer Damien Brunner und Goalgetter Dario Bürgler muss Lugano für den Rest der Saison ohne ein Top-Trio auskommen. Und Gottéron hatte mit drei Siegen aus den letzten vier Spielen zum Ende der Qualifikation überzeugt.

Abstiegsrunde

Kloten steht in der Abstiegsrunde der National League bereits nach der ersten von sechs Runden als einer von zwei Teilnehmern des Playouts fest. Die Zürcher Unterländer verloren auswärts gegen Ambri-Piotta mit 1:3.

In der anderen Partie machten die SCL Tigers gegen Lausanne aus einem 0:2-Rückstand einen 5:4-Sieg. Die Emmentaler stehen damit unmittelbar vor dem Ligaerhalt. Derweil spitzt sich alles auf ein Duell zwischen Lausanne und Ambri um den 10. Rang zu, der wie Platz 9 das vorzeitige Saisonende und das Vermeiden des Playouts bedeuten würde. Am Dienstag kommt es in Lausanne zum ersten Direktduell zwischen den Waadtländern und den Tessinern.

Kloten ging zwar durch Spencer Abbott im Powerplay in Führung (29.), Ambri glich aber noch vor der Pause - ebenfalls in Überzahl - zum 1:1 aus. Im letzten Abschnitt sorgten Cory Emmerton (44.) und der in der Qualifikation oftmals überzählige Peter Guggisberg (54.) für die Entscheidung zu Gunsten der Leventiner.

Mit Lausanne kehrte Trainer John Fust an die Stätte seines grössten Trainer-Erfolges zurück. Er hatte die Emmentaler 2011 in die Playoff-Viertelfinals geführt. Diese Playoffs erreichte Langnau seither nie mehr - auch in diesem Jahr nicht. Stattdessen dürfen sie sich nach dem knappen Erfolg auf ein frühes Saisonende einstellen. Aaron Gagnon stellte gegen Lausanne 51 Sekunden vor dem Ende mit seinem zweiten Treffer des Abends den Sieg sicher. (sda)

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