Super League

Bericht aus der Quarantäne – Silvan Widmer sagt: «Plötzlich hast du viel zu viel Zeit»

Lang ist's her! Silvan Widmer und der FCB haben seit dem 4. Oktober nicht mehr gespielt.

Lang ist's her! Silvan Widmer und der FCB haben seit dem 4. Oktober nicht mehr gespielt.

Welche Folgen hat die Quarantäne für einen Spitzensportler? FCB-Verteidiger Silvan Widmer erzählt vor dem Spitzenspiel in St.Gallen.

Die Frage ist nicht böse gemeint: Erinnern Sie sich daran, wann der FCB letztmals ein Spiel bestritt? Silvan Widmer lacht. «Ich muss tatsächlich überlegen. Gegen Luzern, 3:2, es ist lange her.»

Am 4. Oktober war das, vor vier Wochen. Seither ist der FCB Zuschauer. Zuerst wegen der Nati-Spiele. Danach, weil die ganze Mannschaft nach einem positiven Covid-Fall in Quarantäne versetzt wurde. Die Partien in Zürich und gegen Lausanne wurden verschoben. «Umso grösser ist die Freude, wieder auf dem Platz zu stehen», sagt Widmer und ergänzt: «Es ist nicht einfach. Die Tage in Quarantäne haben nachdenklich gestimmt. Man weiss noch immer nicht viel über das Virus, wie schlimm Corona wirklich ist.»

«Ein geregelter Tagesablauf ist das Wichtigste»

Widmers Frau Céline ist schwanger und damit Risikopatientin. Darum hat sich der Nationalspieler entschieden, sich in Basel in seiner Zweitwohnung zu isolieren. Im Rückblick sagt er: «Auf einmal hatte ich extrem viel Zeit und wusste kaum, was ich damit anfangen soll. Für mich war wichtig, einen geregelten Ablauf hinzukriegen.»

Und so sahen diese Tage aus: «Um 8 Uhr aufstehen und frühstücken. Zwischen 10 und 12 Uhr das Training. Ich habe zuhause ein Rudergerät, das erwies sich schon beim Lockdown im Frühling als sehr nützlich. Dazu hatten wir für fast jeden Tag einen Trainingsplan von unseren Konditionstrainern. Es waren Kraft- und Ausdauerübungen dabei, was halt so geht auf wenig Platz. Am Mittag habe ich jeweils für mich gekocht. Ich mag es, zu ­kochen, aber es würde schon mehr Spass machen, wenn noch mehr Leute in den Genuss davon kämen. Am Nachmittag nutzte ich die Zeit, um ein bisschen zu gamen – manchmal mit einigen Teamkollegen –, um mit meiner Frau und Tochter zu telefonieren, zum Glück gibt’s Facetime, so konnte ich Alissa wenigstens sehen. Schliesslich habe ich Kreuzworträtsel gelöst, ein Buch gelesen – und viel Fussball geschaut.»

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«Immer wieder 10 Tage Pause, das geht nicht»

In dieser Woche durfte der FCB dann endlich wieder zurück auf den Rasen. Doch natürlich dauert es, bis sich alles wieder eingespielt hat. «Nach zehn Tagen ohne Mannschaftstraining muss sich der Körper erst einmal wieder an den Rhythmus gewöhnen. Das hat zur Folge, dass der Muskelkater nach den ersten beiden Trainings ziemlich gross war», sagt Widmer.

Eines ist ihm wichtig zu betonen: «Die Gesundheit geht immer vor, dafür hat jeder bei uns Verständnis.» Gleichwohl ist die Quarantäne nicht ideal für einen Spitzensportler. «Zehn Tage ohne Training, das geht für den Körper nicht mehrmals im Jahr.» Darum hofft Widmer genauso wie alle Vereine in der Schweiz, dass ein allfälliger weiterer positiver Fall, nicht automatisch eine Quarantäne nach sich zieht. Die Schutzkonzepte wurden dafür noch einmal erweitert. «Wir sitzen beim Essen nur noch zu dritt an einem grossen Tisch und mit nochmals mehr Abstand, knapp zwei Meter», sagt Widmer.

Nun reist der FCB nach St.Gallen. Die Vorfreude ist gross. Und natürlich ist auch eine gewisse Anspannung da. Die Frage lautet: Wie gut ist Basel wirklich? Hat die Verpflichtung von Pajtim Kasami und Timm Klose (der nach seiner Covid-Infektion noch nicht spielt) noch einmal Schwung ausgelöst? «Wir greifen an!», sagt Widmer. Das Ziel ist klar. Der FCB will sich den Meistertitel zurückerobern. Der Sonntag wäre ein guter Zeitpunkt, um ein erstes kräftiges Zeichen zu setzen.

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