Super League

Beim FC Basel steht der grosse Umbruch bevor – ist das die Chance für die Young Boys?

Die diesjährige Meisterschaft ist längst gelaufen und dem FC Basel der zweite Stern nicht mehr zu nehmen. Ist der Führungswechsel in Basel nun die grosse Chance für YB?

Verkehrte Welt in Bern: Mit gesenkten Köpfen trotten die FCB-Spieler in den Kabinentrakt, derweil die Berner lachend Richtung Dusche schlendern. 2:1 hat YB gegen den Meister gewonnen und dem FCB damit die zweite Niederlage der Saison beigefügt. Erstmals ging das Team von Urs Fischer vergangenen Herbst als Verlierer vom Platz. Ebenfalls in Bern.

Doch obwohl die Young Boys gegen den FC Basel eine positive Bilanz aufweisen, ist die Meisterschaft längst gelaufen, der FC Basel steht seit der 30. Runde als Titelverteidiger fest. Was muss geschehen, damit die Super League in der kommenden Saison ein prickelnderes Final erlebt?

YB hat Tribut gezollt

«Vielleicht müssten wir 36 Mal gegen Basel spielen, dann hätten wir vielleicht eine Chance», sagt YB-Keeper Yvon Mvogo im Scherz. Und fügt ernster an, dass YB schlicht zu viele einfache Punkte liegengelassen habe. Gerade zu Beginn der Saison, als der FCB Sieg an Sieg reihte, gerieten die Berner ins Stolpern. Drei Niederlagen in den ersten sechs Spielen und schon betrug der Rückstand auf den FCB neun Punkte.

YB-Sportchef Christoph Spycher zur «Nordwestschweiz»: «Da haben wir auch Tribut gezollt für unsere mangelnde Erfahrung.» Die Belastung mit Meisterschaft, Cup und internationalen Spielen sei gross. Der Umgang damit falle Nationalspielern einfacher als jungen Talenten. Und: «Der FC Basel hatte nun mal ein Kader, das unglaublich gut bestückt ist – gerade auch in der Breite.»

YB konnte Basel die zweite Saisonniederlage zufügen.

YB konnte Basel die zweite Saisonniederlage zufügen.

16 A-Nationalspieler standen zu Saisonbeginn im Team des Meisters. Urs Fischer hatte die Qual der Wahl – und musste sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er keine oder kaum Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in die erste Mannschaft integrierte. Dieses Problem ist erkannt. Der FC Basel will künftig wieder vermehrt auf Eigengewächse setzen, wird sich im Sommer von einigen Spielern trennen. Der Abgang von Marc Janko ist gewiss, jener von Seydou Doumbia höchstwahrscheinlich. Goalie Tomas Vaclik und Flügel Mohamed Elyounoussi haben das Interesse englischer Klubs geweckt. Und auch Aussenverteidiger Michael Lang könnte im Sommer wechseln. Der Führungswechsel, die Verjüngungskur – die grosse Chance für YB?

Der Erfolg bleibt die Maxime

Urs Fischer macht kein Geheimnis daraus, dass die Turbulenzen im Zuge des Wechsels den ganzen Klub betroffen haben: «So etwas erlebt man nicht alle Tage, das bringt auch für die Spieler eine gewisse Unsicherheit mit sich.» Trotzdem hat er sein Team letztlich souverän zum Titel geführt. Doch je mehr junge Spieler zum Einsatz kommen, desto grösser das Risiko.

Ein Risiko, das man bewusst auf sich nimmt, wie der künftige Nachwuchschef Massimo Ceccaroni bestätigt. Allerdings begehe man kein Harakiri, werde kaum mit fünf Spielern unter 20 Jahren antreten. Der Erfolg bleibt die Maxime für den FCB. Auch unter der neuen Führung.
Will YB dem FCB auf den Zahn fühlen, dann muss es konstanter werden. Das ist leichter gesagt, als getan.

Nur ein Herausforderer reicht nicht

Denn auch YB wird im Sommer einige gewichtige Veränderungen zu verdauen haben. Goalie Mvogo geht zu RB Leipzig. Mittelfeldaufräumer Denis Zakaria dürfte in die Bundesliga wechseln (Gladbach oder Leverkusen). Auch einer der beiden routinierten Innenverteidiger, Alain Rochat und Steve von Bergen, könnte den Verein verlassen. Beide werden mit Xamax in Verbindung gebracht. Und Topskorer Guillaume Hoarau dürfte zwar zu Beginn der Vorbereitung wieder fit sein, aber wie es dann um seine Form steht, bleibt ungewiss.

Sicher ist, dass YB weniger Mittel zur Verfügung hat, um seine Abgänge zu kompensieren. Sportchef Spycher: «Wir müssen den Spagat zwischen sportlichen Ambitionen und wirtschaftlicher Vernunft schaffen.»

Basel bleibt klarer Favorit. Um den Meister zu stürzen, so viel ist klar, reicht ein Herausforderer nicht. Es braucht weitere Teams, die Basel schlagen können. Vielleicht hilft es da ja, dass mit dem FC Zürich ein Verein mit Potenzial aufgestiegen ist. So oder so: Es kann fast nur spannender werden nächste Saison.

Lesen Sie den Spielverlauf im Liveticker von Julian Förnbacher nach:

Meistgesehen

Artboard 1