Bei seiner letzten Medienkonferenz im Hotel Belvedere in Wengen herrschte euphorische Stimmung. Es war früher Sonntagmorgen. Eben war Beat Feuz Lauberhornsieger geworden. Er unterhielt die Medienleute mit Schalk und Schlagfertigkeit. Gestern überwog im Foyer des ehrwürdigen Hotels aus dem vorletzten Jahrhundert Skepsis. Feuz sprach von Wenn und Aber und Ob-überhaupt.
Die Quintessenz seiner Äusserungen: «Morgen kann ich euch mehr sagen.» Weil das Training am Mittwoch abgesagt worden war, blieb für den Sieger von 2012 die Ungewissheit: «Ich habe keine Ahnung, wie der Fuss reagieren wird, ob ich in der Abfahrt am Samstag starten, nach Kitzbühel weiterreisen oder die Saison abbrechen werde.»

Aksel Lund Svindal als Anhaltspunkt

Im September hatte sich Feuz, der kaum mal eine Saison ohne Verletzung durchziehen konnte, im Südamerika-Training in Ushuaia (Arg) einen Achillessehnenanriss am rechten Fuss zugezogen. Er entschloss sich zu einer Operation, obwohl theoretisch auch eine konventionelle Behandlung möglich gewesen wäre. Bei Rennfahrern kann es nie schnell genug gehen. Und es ging tatsächlich schnell – vier Monate nach dem Unfall fühlt er sich wieder recht fit und ist schmerzfrei.

Lang ist's her: Beat Feuz lässt sich 2012 von den Fans nach seinem Triumph am Lauberhorn feiern.

Lang ist's her: Beat Feuz lässt sich 2012 von den Fans nach seinem Triumph am Lauberhorn feiern.

«Es geht so weit gut», sagt er. «Ich kann wieder Ski fahren. Vor allem im letzten Monat ist der Heilungsprozess sehr gut vorangeschritten.» Er habe, so der Emmentaler, in Aksel Lund Svindal einen guten Anhaltspunkt gehabt. Der Norweger hatte sich vor einem Jahr, im Oktober, einen Monat später als Feuz, die genau gleiche Verletzung zugezogen. Er kehrte im Februar für zwei WM-Rennen zurück und brach dann die Saison endgültig ab. «Mit Svindal selber hatte ich keinen Kontakt», sagt Feuz, «aber mit Leuten aus seinem Umfeld. Aufgrund des Vergleichs bin ich mit dem Heilungsprozess sehr zufrieden.»

Mangelndes Schneetraining

Aber erst der ultimative Test auf der Rennpiste wird Feuz Aufschluss geben: «Wegen der prekären Schneeverhältnisse in diesem Winter konnte ich noch keinen Meter auf Abfahrtsski und keinen einzigen Sprung machen. Deshalb ist es schade, dass das erste Training ausgefallen ist. So muss ich einen weiteren Tag warten, bis ich weiss, wie es wirklich um meinen Fuss steht.» Für ihn ist ein Spezialschuh mit ausreichend Platz angefertigt worden.

Einen Vorteil hatte die Rekonvaleszenz so oder so. Sein lädiertes Knie, das schon elfmal operiert worden war, konnte sich weiter erholen: «Dem Knie hat die Pause sicher nicht geschadet. Das Rennen in Santa Caterina hat es sicher nicht vermisst ...» Und ohnehin sei ein Achillessehnenriss «gäbiger» als eine Knieverletzung – die läuft in seiner Wahrnehmung fast unter der Kategorie Bobos.

Ziele setzt sich Feuz bei einem allfälligen Start keine. «Wenn ich die Wahl habe zwischen einem 30. Platz und einem guten Gefühl auf Ski oder einem 10. Platz mit schlechtem Gefühl, entscheide ich mich fürs Zweite.» Von einem behutsamen Aufbau will er nichts wissen. Entweder oder – sonst nimmt er lieber den Verletztenstatus in Anspruch, um optimal für die Saison 2016/17 mit der WM in St. Moritz gerüstet zu sein.