Eidgenössisches Turnfest
Sissacher Kranz-Tradition geht auch in Biel weiter

Im Schlosses Nidau hat der Bezirksturnverband Sissach gestern eine historische Tat begangen. Er überreichte all seinen Mitgliedsvereinen einen «ETF-Sektions-Lorbeerkranz» als Zeichen der Tradition zum Turnsport.

Willi Wenger
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Kranzübergabe in einer malerischen Kulisse. Willi Wenger

Kranzübergabe in einer malerischen Kulisse. Willi Wenger

Es war ein spezieller Moment, als Verbandspräsident Martin Hasler zusammen mit seinem Technischen Leiter Markus Graf die 30 Auszeichnungen übergab. Ein einzigartiges Ambiente mit Gänsehautstimmung machte sich breit, als diese feierliche Zeremonie stattfand. Stattfand, weil sich die Oberbaselbieter Vereine nicht damit anfreunden konnten, letztlich auf Traditionen zu verzichten. Sie sind jetzt die einzigen der über 2068 Sektionen mit diesem Fahnenschmuck. «Und das ist gut so», kommentierte Hasler.

«Das ETF-OK hat an alle übrigen Vereine erstmals ‹nur› Wimpel abgegeben. Das höchste der Gefühle waren sogenannte Siegerwimpel und Podestwimpel. Das konnten und wollten die BTV-Sissach-Vereine nicht akzeptieren. Martin Hasler redete deshalb auch Klartext: «Die ‹Schisswimpeli› und damit der Bruch mit den Traditionen, kam für uns nicht infrage. Es ist für unsere Mitglieder schlicht unvorstellbar, ohne Kranz nach Hause zu kehren».

In der Tat, denn an den gestern Sonntagabend stattgefundenen Dorfempfängen ist eben diese Kranzauszeichnung von den Zusehern erwartet worden. «Alle Turnvereine sind halt in den Augen der Bevölkerung alle ein Stück weit Sieger», befand Hasler weiter.

«Seid wieder mehr Turner und weniger Funktionäre», blickte der BTV-Präsident in die Zukunft. Er unterstrich, dass in diesem Sinne Traditionen beibehalten werden sollen. «Wir müssen klare Zeichen setzen, auch mit Blumenhörnern oder unseren Turnbändern». Ganz allgemein seien hier die Schwinger gegenüber uns klarerweise besser aufgestellt. Er fragte sich auch deshalb, warum das OK auf die Abgabe dieses Siegessymbols verzichtet habe. Antwort wusste er keine. Auch STV-Zentralpräsident Hanspeter Tschopp, als Ziefner ebenfalls Baselbieter, habe gemäss Hasler diese Massnahme nicht verstanden.

Die 1200 Franken teuren Auszeichnungen wurden vom Bezirksturnverband bezahlt. Er hat auf der einen Schlaufe denn auch «BTV Sissach» als Geschenkgeber klar deklariert. «Dies als Entgegenkommen an die Bieler Organisatoren». Der Alleingang sei im Übrigen nicht als Denkzettel zu verstehen gewesen. «Wir wollten lediglich aufrütteln, auch die Entscheidungsträger im eigenen Kantonalverband». Er sagte dies unter anderem im Hinblick auf das Kantonale im Jahre 2016 in Diegten. «Ich will nämlich nicht, dass im Diegtertal die Ideen von Biel übernommen werden», blickte Hasler am Schluss der Feier in Nidau in die Zukunft.

Übrigens: Als einziger Nicht-BTV-Sissach-Verein erhielt der Turnverein Muttenz den Kranz der Oberbaselbieter. «Weil sie so lieb gefragt haben», kommentierte Hasler, welcher mit seinen Turnfreunden die Feier mit einem Glas Wein ausklingen liess.