«Jedes Spiel hat eine Geschichte», sagt Raphael Wicky. Doch für einmal hat der sonst so treffend analysierende Trainer des FC Basel Unrecht. Denn das Spiel des FCB gegen Sion hat nicht nur eine Geschichte. Sondern einige. Denn das in der Summe für den FCB glückliche 2:2 ist spektakulär. Es bietet alles, was Fans zu emotionalen Ausbrüchen bringt: Einen Penaltypfiff, einen groben Fehlentscheid, 28:7 Torschüsse sowie eine Rettungstat in der 94. Minute.

Aber der Reihe nach. Der FCB präsentiert sich in der Anfangsphase gewillt und hungrig, den fünften Sieg in Serie einzufahren. Ricky van Wolfswinkel – erstmals nach sieben Spielen wieder in der Startelf – erzielt bereits in der 11. Minute das 1:0 für die Basler nach sehenswerter Vorarbeit Michael Langs und Samuele Campos. Danach aber gestehen die Basler den Sittenern Raum und Abschlüsse zu. Nur dem reflexstarken Tomas Vaclik haben sie zu verdanken, dass es nicht sehr bald schon 1:1 steht.

Carlitos verwandelte den Penalty

Offenbar wachgerüttelt von diesem Sion-Vorstoss erspielen sich die Basler in der 23. Minute das 2:0 durch Mohamed Elyounoussi. Während sich der Torschütze bereits zum Jubeln abdreht, entscheidet das Schiedsrichter-Gespann um Stephan Klossner auf Offside. Völlig zu Unrecht, steht Elyounoussi doch deutlich nicht im Offside. Es wäre die frühe Entscheidung gewesen in einem Spiel, das ob der warmen Temperaturen kräftezehrend ist. So sehr, dass Fabian Frei nach dem Spiel sagt: «Ich bin froh, dass es fertig ist.»

Doch statt den Sieg bereits nach knapp einem Viertel der Spielzeit auf sicher zu haben, müssen die Basler zusehen, wie Sion zunehmend stärker wird. Gepaart mit vielen Unkonzentriertheiten in der FCB-Defensive führt dies zu zahlreichen Sittener Chancen. Immer wieder muss sich der FCB bei Vaclik und dem Glück bedanken, dass der Ball nicht im Netz landet. In der 42. Minute ist dann aber auch Vaclik machtlos. Nachdem Lang äusserst unglücklich Bastien Toma zu Fall bringt, kommt der folgerichtige Penalty-Pfiff und Carlitos, der sicher und unhaltbar unten links verwandelt.

Sions Rausch

Lange aber währt das Unentschieden nicht. Gleich nach Wiederanpfiff nach der Pause schlafen die Basler. Campo verliert auf der linken Seite wie noch diverse weitere Male an diesem Tag leichtsinnig den Ball, Sion stürmt auf Vaclik zu und kann sich bei FCB-Captain Marek Suchy bedanken, weil dieser den Ball im Basler Tor zum 2:1 unterbringt. Dem FCB gelingt zwar in Person von van Wolfswinkel die eben so schnelle wie starke Reaktion, als dieser nur fünf Minuten später den 2:2 Ausgleich erzielt. Es sollte jedoch ein kurzes Aufstecken bleiben.

Denn der FCB kann danach nicht verstecken, dass es für ihn nun mal nicht mehr um so viel geht wie für Sion. Der Gastgeber kämpft um den Ligaerhalt und spielt sich in einen wahren Rausch. Chancen im Minutentakt sind die Folge. Die Basler können sich nur wenige Male befreien. Bei einer dieser Gelegenheiten hat Elyounoussi das Siegtor auf dem Fuss, braucht in der Verarbeitung aber zu lange.

Verdient wäre es ohnehin nicht gewesen. Sion ist nach dem zweiten Basler Tor dominant und stets viel näher an einem dritten Tor. Insgesamt feuern sie 14 Torschüsse ab. «Das Spiel war für die Fans unterhaltsam, für die Trainer aber beängstigend», fasst Vaclik nach dem Spiel zusammen und spricht damit die löchrige FCB-Abwehr vor ihm an.

Bis zur letzten Minute gewährt diese Sion beste Möglichkeiten zum Siegtreffer, lädt den Gegner fast schon dazu ein. Den gefährlichsten Abschluss klärt Raoul Petretta in der 94. Minute von der Linie. Unglaubliches Glück für die Basler, die sich über eine Niederlage nicht hätten beklagen dürfen. Dass sie den Punkt aber über die Zeit retten können, ist auch nur eine von vielen Geschichten dieses Spiels.


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