Meistertitel und Aufstiegsparty
Wie die Augen glänzten: Der EHC Basel erlebt eine magische Nacht

Basel ist zurück im Profieishockey. Nach einer Saison, die für den EHC gefühlt drei Meisterschaften umfasste, fanden müde Spieler doch noch Kraft, um zu feiern. Nur Trainer Christian Weber war gedanklich fast schon bei der nächsten Saison.

Yann Schlegel
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Die Basler Spieler jubeln über einen Sieg in den letzten Sekunden, den Titel, den Aufstieg – und eine gelungene Saison. Das alles mit dem Kübel in der Hand.

Die Basler Spieler jubeln über einen Sieg in den letzten Sekunden, den Titel, den Aufstieg – und eine gelungene Saison. Das alles mit dem Kübel in der Hand.

Freshfocus

Freudentaumel auf Schlittschuhen. Mit Bier in der einen, der Meisterzigarre in der anderen Hand, zogen die Basler Spieler übers Eis. Posierten für Fanfotos, warfen sich in die Arme ihrer Liebsten. Gläserne Blicke, tiefe Augenringe. Pures Glück, gepaart mit triefender Müdigkeit, war in den Gesichtern abzulesen.

Plötzlich war der ganze Druck abgefallen. Der EHC Basel hatte gefühlt drei Meisterschaften in einer Saison bestritten. Den Qualisieg wollten die Verantwortlichen unbedingt – denn wäre die Saison erneut wegen der Pandemie abgebrochen worden – der Aufstieg wäre den Baslern nicht mehr zu nehmen gewesen.

Dann kam der grosse Halbfinal gegen Aufstiegsrivale Martigny; ein Sieg war Pflicht. Und als Dessert dieser Herzschlag-Final gegen Huttwil. Eric Himelfarbs Wahnsinnstor für die Geschichtsbücher. 47 Sekunden vor der nahenden Verlängerung. Der Franko-Kanadier spielte im letzten Drittel auf, als hätte er sein gesamtes Können aus 22 Jahren auf den Eisfeldern dieser Welt gesammelt und zu einem letzten Meisterstück gebündelt.

Die Partie stand noch am Morgen auf der Kippe

Auf dem Eis war der Meisterschütze nach der Pokalübergabe nirgendwo zu finden. «Der ist komplett am Ende», sagte Diego Schwarzenbach und lachte. «Er hat das Allerletzte aus sich herausgeholt.» Der 34-Jährige nippte an seinem Bier, wirkte noch völlig eingenommen vom Adrenalinrausch. Mit seinen über 700 Spielen für den EHC Olten hatte er auf der anderen Seite des Juras längst Legendenstatus erreicht.

Aber was er in dieser Saison in Basel erlebte, ist auch für ihn einzigartig. In drei Swiss-League-Finalserien war ihm der Meistertitel verwehrt geblieben. Mit Basel holt er sich seinen ersten Titel als Profihockeyspieler. «Ich glaube, am Schluss hat die glücklichere Mannschaft gewonnen», sagte er nach dem wilden Ritt.

Am Morgen hätten sie noch gezweifelt, ob sie überhaupt würden spielen können. Etliche Spieler waren fiebrig und unterzogen sich einem Covid-Test, der bei allen negativ ausfiel. «Die ganze Mannschaft lief am Limit», so Schwarzenbach. Ans Limit dürfte der Routinier nächste Saison noch einmal für den EHC gehen. «Höchstwahrscheinlich», sagt er, hänge er eine Saison an.

Die Ruhe in der Trainerkabine

Auf dem Bildschirm vor der Trainergarderobe läuft das Siegestor in Endlosschlaufe. Christian Weber und sein kleines Team haben sich zurückgezogen. Sie feiern im Stillen. «Wir bleiben hier im kleinen Rahmen, die Mannschaft soll es draussen geniessen», sagt der Cheftrainer. Auch er hat gläserne Augen, darunter ein breitgezogenes Lächeln. Weber:

«Nach der Saison, wenn die Belastung wegfällt, bin ich meist ein paar Tage krank, aber das nehme ich gerne in Kauf, nach dem, was wir erreicht haben.»

Der Zürcher in Basler Diensten bleibt nach dem grossen Erfolg aber gewohnt analytisch, während er die Höhen und Tiefen der letzten Tage resümiert. Aber die Ereignisse des magischen Abends haben ihn nicht kaltgelassen. Weber:

«Was heute abging, war unglaublich. Ich kam schon in diese Halle, als ich Trainer in Zürich und in Langnau war, aber eine solche Stimmung habe ich nie erlebt.»

Weber glaubt daran, in Basel eine Hockeyeuphorie entfachen zu können. «Wir wollen offensives Hockey spielen, das ist meine Philosophie. Aber klar, am Ende müssen wir auch Spiele gewinnen.»

Selbst an diesem Abend hat Weber die Gedanken nach vorne gerichtet. «Die Arbeit geht erst richtig los.» Schon am Montag beginnt die Saisonplanung für die zweithöchste Schweizer Liga. Viele Spieler hätten sich für ein Engagement beworben.

Rund 70 Prozent der Spieler haben bereits Verträge für die Swiss League. Ob aber alle den Schritt zum Profieishockey machen, wird sich weisen müssen. Zwei spielstarke ausländische Spieler sollen hinzu kommen. «Da brauchst du ein glückliches Händchen, viele haben sich schon bei uns gemeldet», sagt Weber.

Der letzte Kraftakt des Schützen für die Ewigkeit

Dann kommt der Meisterschütze doch noch aus der Kabine. Auch Himelfarbs Augen glänzen. Als wäre er 20 Jahre jung, tanzte er zuvor noch übers Eis. Er lacht. «Wenn du weisst, es ist das letzte Spiel, dann kannst du alles geben, was du hast.»

Für ein Dreijahresprojekt holte Sportchef Oliver Schäublin ihn zum EHC. Die Pandemie machte zwei Jahre lang einen Strich durch die Rechnung. Erfolg könne man nicht planen, heisst es oft. Aber der EHC Basel hat es doch geschafft.

Zweimal erlebte Himelfarb einen Meistertitel und Aufstieg in Schweden. Aber das hier, mit diesem enormen Druck, sei noch einmal eine andere Dimension. Für ihn endet mit diesem Titel vermutlich eine hochdekorierte Karriere. Himelfarb:

«Mein Körper hat viele kleine Gebrechen, es war hart, nur schon bis hierhinzukommen.»

Ein Gespräch mit Sportchef und Trainer steht noch aus. Jetzt geniesse er den Moment.

Die Teamkollegen rufen: «Um Mitternacht ziehen wir los.»

«Oh, ich muss mich umziehen», sagt Himelfarb. Und verschwindet in der Nacht.

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