Badminton
Indischer Volkssport in Basel: Für einmal ist Badminton wichtiger als Tennis

In Basel finden diese Woche die Swiss Open statt – mit vielen Gästen aus Südasien. Diese bekommen auf dem Titlis die Gelegenheit, einem ganz besonderen Spektakel beizuwohnen und zwei indische Badminton-Cracks hautnah zu erleben.

Yannick Fischer
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Für Sai Praneeth und sein Land hat Badminton den gleichen Stellenwert, wie bei uns der Tennissport. Foto: Roger Grütter
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Alle warten gespannt auf den Helikopter, der die Badminton-Cracks Sai Praneeth, Kashyap Parupalli und Sabrina Jaquet nach Engelberg bringt. Foto: Roger Grütter
Sai Praneeth (v.) geniesst die Fahrt in der Titlis-Bahn. Foto: Roger Grütter
Indischer Volkssport in Basel
Auf 3020 Metern über Meer spielen Sabrina Jaquet (v.l.) und Kashyap Parupalli (v.r.) gegen Karin Suter-Erhat (h.l.) und Sai Praneeth (h.r.). Foto: Roger Grütter
Die Darbietung zieht viele Schaulustige an, auch das indischen Fernsehen ist vor Ort. Foto: Roger Grütter
Für die Inder ist die Schweiz für einmal mehr als nur ein Land voller Berge und der Uhren. Dennoch lässt es sich Sai Praneeth nicht nehmen, im Eis zu posieren. Foto: Roger Grütter
Sai Praneeth (l.) und die schweizerische Para-Badminton-Spielerin Karin Suter-Erhat (r.) haben Spass an ihrem Showmatch. Foto: Roger Grütter
Kashyap Parupalli reiste ohne seine Ehefrau Saina Nehwalan an. Die weibliche Weltnummer 2 im Badminton konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht am Turnier teilnehmen. Foto: Roger Grütter
Sai Praneeth (l.) und Karin Suter-Erhat (2.v.r.) lassen sich auch von den doch eher aussergewöhnlichen Spielbedingungen nicht aus der Ruhe bringen. Foto: Roger Grütter
Im Showmatch treten Sabrina Jaquet (v.l.) und Kashyap Parupalli (v.r.) gegen Karin Suter-Erhat (h.l.) und Sai Praneeth (h.r.) an. Foto: Roger Grütter
Sai Praneeth (l.), Kashyap Parupalli (2.v.l) und Karin Suter-Erhat (2.v.r.) und Sabrina Jaquet (r.) posieren für die Kamera. Foto: Roger Grütter
Kashyap Parupalli (l.) spielt im Zweierteam mit Sabrina Jaquet (r.). Für ihn ist das Turnier in Basel eine gute Generalprobe für die WM im Sommer. Foto: Roger Grütter

Für Sai Praneeth und sein Land hat Badminton den gleichen Stellenwert, wie bei uns der Tennissport. Foto: Roger Grütter

Roger Grütter

Auf dem Parkplatz der Talstation in Engelberg warten zwei indische Fernsehteams, mehrere Fotografen bringen sich in Stellung, zwei Mitarbeiter der Titlis-Bahnen starren in den Himmel. Aufgeregtes Warten. Dann hört man ihn, den Helikopter, der die Badminton-Cracks von Basel nach Engelberg bringt.

Die beiden Inder Sai Praneeth und Kashyap Parupalli und die Schweizerin Sabrina Jaquet verlassen den Hubschrauber. Jaquet begrüsst zunächst die Anwesenden, Praneeth und Kashyap müssen gleich fürs Interview mit «India Today» antraben.

Anlass zu dieser Szene gibt eine Medienkonferenz von Swiss Badminton. Diese Woche finden in Basel die Swiss Open statt, ein Badminton-Turnier mit 360 Teilnehmern aus 35 Nationen.

Einmaliges Spektakel

Das erste Interview mit dem indischen Fernsehen ist durch, die beiden Profis knipsen noch ein paar Selfies, ehe es mit der Gondel gut 2000 Meter in die Höhe geht. Dort steht zuerst ein Showmatch an.

Praneeth, Parupalli, Jaquet und die inzwischen dazugestossene Schweizer Para-Badminton-Spielerin Karin Suter-Erhat treten in Zweierteams gegeneinander an, auf 3020 Metern über Meer. Nur wenige können behaupten, so etwas schon mal gesehen zu haben.

Dementsprechend zieht die Darbietung viele Schaulustige an. Auch Inder, die zufällig dort sind und in der Schweiz Ferien machen. «India Today» nutzt die Gelegenheit und befragt die anwesenden Landsleute.

Indischer Nationalsport

In Indien ist Badminton ungefähr das, was Tennis in der Schweiz ist. Die Nation stellt mehrere Spieler auf Weltklasse-Niveau, darunter ein grosser Shootingstar bei den Frauen: die Weltnummer 2, Saina Nehwal.

Eigentlich hätte sie an der Pressekonferenz erscheinen sollen, jedoch musste sie sich aus gesundheitlichen Gründen vom Turnier zurückziehen. Anwesend ist allerdings ihr Ehemann: Kashyap Parupalli. «Der Sport ist sehr populär in Indien. Der Konkurrenzkampf ist gross. Es blühen sehr viele Talente auf und drängen sich in den Vordergrund, auch weil die Regierung Badminton unterstützt», sagt Parupalli, der seit Dezember des vergangenen Jahres mit Nehwal liiert ist.

Generalprobe für die WM im Sommer

Für ihn hat das Turnier in Basel zweierlei Reize. Einerseits will er sich im Hinblick auf die Olympischen Spiele von 2020 möglichst hoch in der Weltrangliste positionieren, andererseits ist das Swiss Open für die Spieler quasi eine WM vor der WM.

Denn im August dieses Jahres finden, ebenfalls in Basel, die Weltmeisterschaften statt. Und das gleich doppelt. «Es ist das erste Mal in der Geschichte des Sports, dass zwei Weltmeisterschaften zur selben Zeit am selben Ort gehalten werden», sagt Charles Keller, der technische Direktor des Turniers. Denn parallel zur Badminton-WM findet auch die Para-Badminton-WM statt. Eine Premiere.

Die Swiss Open sind eine Generalprobe für die Weltmeisterschaften. Dementsprechend stark ist auch das Teilnehmerfeld. 14 Spielerinnen und Spieler aus den Top 10 und 13 ehemalige Swiss-Open Sieger, sie alle machen sich diese Woche mit den Konditionen in der Basler St. Jakobshalle vertraut. Und für die Inder ist die Schweiz für einmal nicht nur wegen der Berge und der Uhren interessant.