7.45 Uhr: Das Aufstehen

Christian Kirchmayr und sein Nationalmannschafts- und Zimmerkollege Tobias Künzi werden im Coop-Tagungszentrum in Muttenz aus den Federn geweckt. «Unter Stöhnen», wie es Kirchmayr formuliert, stehen die beiden auf. Am Buffet deckt er sich reichhaltig ein: Rührei, Brot mit Konfitüre, Müesli und Früchte. Danach reserviert er im Vitis-Sportcenter in Allschwil einen Trainingsplatz, weil es in den offiziellen Trainingshallen keinen freien Platz mehr gab.

9.30 Uhr: Das Aufwärmtraining

In der Badmintonhalle in Allschwil quietscht es. Mit harten und flachen Schlägen pfeffern Kirchmayr und seine Nationalmannschaftskollegen den Shuttle über das Netz, immer unter scharfer Beobachtung der Nationaltrainerin Yvette Yun Luo. Für eine kurze Individualeinheit geht Kirchmayr zu ihr. Das Netzspiel wird vertieft angeschaut. Ansonsten geht es beim morgendlichen Warmmachen um den letzten Schliff. «Was man jetzt nicht kann, kann man im Match auch nicht», sagt der Therwiler. «Es ist aber wichtig, Vertrauen in die eigenen Schläge zu kriegen.»

11.55 Uhr: Die Vorbesprechung

Zurück im Hotel bespricht Kirchmayr mit Yun Luo und der Assistenztrainerin das anstehende Spiel gegen den Israeli Misha Zilberman. «Du musst geduldig bleiben im Spiel», sagt die Nationaltrainerin. Kirchmayr ist konzentriert, gibt sich äusserlich aber locker. Zu seinem Gegner sagt er: «Er ist ein Gummiball.» Kirchmayr, die Nummer 120 der Welt, rechnet sich gegen den Israeli, die Nummer 44, realistische Aussenseiterchancen aus, wenn er sein Spiel durchziehen kann.

13.00 Uhr: Das Mittagessen

Im Restaurant Freidorf in Muttenz füllt sich Kiko, wie Kirchmayr genannt wird, den Magen. Wie es sich für einen Spitzensportler gehört, wird Pasta aufgetischt. Auf die anschliessende Glace verzichtet er: «Es rächt sich, wenn ich etwas Falsches esse.»

14.10 Uhr: Die Massage

Der letzte Termin im Hotel steht an. Kirchmayr lässt sich von seiner Masseurin behandeln. Der Rücken ist seine aktuelle Problemzone. «Es ist Alltag für mich, dass es irgendwo drückt. Ich kenne es nicht anders.» Danach geht es an das Packen. Sieben Schläger hat er für den Fall dabei, dass die Bespannung reisst. Das Packen der Tasche stellt sich als nicht so leichte Mission heraus. «Ich brauchte zehn Minuten, bis ich in meinem Chaos meine Sachen gefunden habe.»

14.30 Uhr: Der Weg zur Halle

Im leichten Regen macht sich Kirchmayr auf den Weg zur St. Jakobshalle. Die Anspannung steigt, die Vorfreude ebenso. Die Ziele für das Spiel sind hoch. «Ich will die erste Runde überstehen, weil es erst ab der nächsten Runde Punkte für die Qualifikation zu den Olympischen Spielen gibt.» Die Spiele im nächsten Jahr in Tokio sind sein grosses Ziel.

16.37 Uhr: Das Spiel

«Hopp Kiko» hallt es durch die Halle. Der erste Satz geht aber an Zilberman. Kirchmayr steigert sich nach dem Seitenwechsel. Zwei Punkte fehlen nur zum Satzausgleich. Der Satz entgleitet ihm aber im letzten Moment. Der Therwiler verliert seine WM-Premiere knapp mit 18:21, 20:22. Es fehlt nur sehr wenig gegen den favorisierten Israeli.

18.00 Uhr: Die Nachbesprechung

Die Enttäuschung ist Kirchmayr deutlich anzusehen. «Ich bin gekommen, um zu gewinnen. Auch für meine Unterstützer. Die Niederlage ist sehr bitter.» Trost findet er bei seinen Freunden und seiner Familie. Sie bauen ihn bei einem gemeinsamen Nachtessen bei sich zu Hause in Therwil auf. «Sie haben mir applaudiert. Das fand ich aber fast ein bisschen fehl am Platz, weil ich ja verloren habe.» Trotz der bitteren Niederlage ist Kirchmayr das Lachen nicht vergangen.