Tomas Vaclik, durch Ihre starken Leistungen – national wie international – sind Sie zu einer Schlüsselfigur beim FC Basel geworden. Wie sind Sie überhaupt zum Fussball gekommen?

Tomas Vaclik: Gute Frage, denn meine Eltern hatten nichts mit Fussball am Hut. Mein Vater machte erst Leichtathletik und spielte dann im Gymnasium Volleyball. Er hat meine Mutter in Minsk während des Studiums kennen gelernt. Meine Mutter ist Weissrussin und sie war es, die mich und meinen Bruder erstmals in ein Training fuhr.

Wie kam es dazu?

Sie hat von einem Kids-Camp in der Zeitung gelesen, glaube ich. Und da dachte sie, dass uns das gefallen könnte. Ich war damals sechs, mein Bruder zwei Jahre jünger.

Spielten Sie von Anfang an im Tor?

Nein, am Anfang nicht. Wie alle Kinder wollte ich Tore schiessen und war deshalb Stürmer. Es war an einem Hallenturnier im Winter, ich war knapp sieben Jahre alt, als mein Trainer meinte, dass ich ins Tor gehen soll. Nur für dieses Turnier, sagte er. Aber ich bin geblieben (lacht). Ich war wohl ziemlich gut und ich hatte keine Angst vor dem Ball. Das war mitentscheidend.

Wie sind Sie aufgewachsen?

Ich hatte eine schöne Kindheit, wuchs mit meinem Bruder in der Wohnung unserer Eltern in Frydek-Mistek, einer kleinen Stadt ganz im Osten Tschechiens, auf. Die Schule und der Fussballplatz meines ersten Klubs waren um die Ecke, alles wunderbar (lacht).

Sie sind vor etwas mehr als anderthalb Jahren selbst Vater geworden. Wie hat Sie das verändert?

Die Prioritäten haben sich gewandelt. Ich würde alles machen für meine Tochter. Nicole ist ganz klar die Nummer 1. Wir machen, was sie braucht.

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Wie hat sich Ihr Alltag seither verändert?

Sie schlief zum Glück von Anfang an gut. Doch ihr Bett hat sie noch immer in unserem Zimmer. Ich geniesse es, wenn ich sie nebenan atmen höre. Aber bald möchten wir, dass sie in ihrem eigenen Zimmer schläft.

Wie haben Sie sich die Arbeit mit Ihrer Frau aufgeteilt?

Meine Frau macht sehr viel. Sie hat während der Nächte immer geschaut, damit ich schlafen und mich erholen konnte. Zum Glück war Nicole nie ein Schrei-Baby. Wir hatten grosses Glück.

Und wie geht es ihr heute?

Wunderbar. Sie rennt herum, hält uns die ganze Zeit auf Trab. Und sie hat langsam ihren eigenen Willen. Wenn wir nicht spuren, dann wird es schwierig (lacht).

Was mag Nicole denn?

Wir sind oft draussen, gehen spazieren. Wie wir eben rausgefunden haben, mag sie Wasser sehr. Deswegen gehen wir mit ihr so oft wie möglich schwimmen. Aber auch die Tiere im Zoo findet sie spannend. Und entlang dem Rhein ist Basel wirklich wunderschön. Wir mögen es sehr hier.

Kriegt Nicole bald einen kleinen Bruder oder eine kleine Schwester?

Wir hätten gerne noch ein zweites Kind. Aber jetzt wollen wir zuerst einmal die Zeit mit Nicole geniessen. Sobald ein zweites Kind da ist, gerät das erste nämlich automatisch ein bisschen in den Hintergrund. Deshalb möchten wir noch zwei, drei Jahre warten. Dann ist Nicole auch schon selbstständiger, kann vielleicht sogar ein bisschen helfen und sich auf jeden Fall über ihr kleines Geschwister freuen. Wir haben keine Eile.

Kommt Ihre Familie mit nach Paris am Mittwoch?

Nein. Meine Frau war mit meinem Bruder in London, um das Spiel zu sehen. Sie wäre auch gerne nach Paris gekommen, aber mit der aktuellen Situation in Frankreich und allem, was passiert ist, hatte sie ein wenig Angst. Sie wird in Basel bleiben, und das Spiel im TV schauen.

Man kannte Ihre Qualitäten, bevor Sie nach Basel kamen. Mehrere Klubs waren an Ihnen interessiert. Warum entschieden Sie sich für Basel?

Ich wusste über die Erfolge des FCB auf internationaler Bühne. Und dann traf ich mich mit Sportchef Georg Heitz und Torhüter-Trainer Massimo Colomba. Sie kamen nach Prag zu meinem Ex-Klub, wir gingen einen Kaffee trinken, unterhielten uns. Sie haben mir das Gefühl gegeben, dass sie mich wollen. Das überzeugte mich.

Welche Rolle spielte Ihr Nationalmannschaftskollege Marek Suchy?

Er war sehr wichtig, hat mir gerade am Anfang sehr geholfen. Wir spielten zusammen in der U21, qualifizierten uns für die U21-EM. Freunde aber wurden wir hier in Basel. Wir leben knapp 100 Meter auseinander in Allschwil. Als der FCB mich fragte, wo ich gerne leben würde, sagte ich: «In der Nähe von Marek.»

Bei welchem Angebot würden Sie den FCB verlassen?

Schwer zu sagen. Ich fühle mich sehr wohl hier, wir kämpfen jedes Jahr um die Meisterschaft, spielen Champions League oder Europa League. Es müsste etwas sein, das Sinn macht – für die Familie, für meine Karriere und meine Ambitionen.

Sie würden Ihre Frau zurate ziehen?

Ja, natürlich. Wir haben eine Tochter zusammen und Nicole geniesst höchste Priorität. Ich weiss, dass sie zwei, drei Sprachen beherrschen würde, wenn wir noch fünf, sechs Jahre bleiben würden. Aber im Fussball weiss man nie. Eines kann ich jedoch mit Gewissheit sagen: Es gibt Destinationen, die ich aktuell alleine aufgrund von Sicherheitsbedenken ausschliesse.

Bei einem Angebot aus der Premier League sähe es wohl anders aus.

Ich liebe die Premier League. Es ist nicht ein Ziel, sondern ganz einfach ein Kindheitstraum. Die Premier League ist die beste Liga der Welt und gleichzeitig die schwierigste für einen Torhüter – die Intensität, die Qualität der Spieler, die Härte. Und die Liga entwickelt sich sehr. Mit den ausländischen Trainern, mit Mourinho, Klopp, Guardiola sind ganz neue Einflüsse auf die Insel gekommen.

Auf jeden Fall haben Sie beim 0:2 gegen Arsenal beste Werbung für sich gemacht. Was erwarten Sie nun von Paris Saint-Germain?

Ein ähnlich schwieriges Spiel. Ganz speziell in Paris. Sie haben ein sehr starkes Team, dominierten die Liga während der letzten Jahre.

Aber PSG bekundete gerade zu Beginn der aktuellen Saison Mühe.

Ja, aber es ist auch nicht erstaunlich, dass sie anfangs ein bisschen Mühe hatten nach all den Wechseln im Sommer, dem Weggang von Zlatan Ibrahimovic, dem neuen Trainer Unai Emery und seinen neuen Ideen. Unterdessen haben sie sich als Team gefunden.

Sie rechnen also mit viel Arbeit am Mittwoch.

Das könnte sehr gut sein. Ballbesitz ist für PSG sehr wichtig, sie werden von Anfang an versuchen, das Tempo zu diktieren. Und natürlich haben sie Weltklasse-Spieler wie Ángel di María oder Edinson Cavani. Darauf müssen wir vorbereitet sein.

Wer wird Sie am meisten fordern?

Ganz sicher Cavani. Er hat viele Tore geschossen. Sein Stellenwert im Team hat sich verändert, seit Zlatan weg ist. Er hat mehr Verantwortung, was ihm offensichtlich gut bekommt. Und er spielt eine andere Position, ist jetzt alleinige Spitze.

Wie bereiten Sie sich auf einen solchen Spieler vor?

Letztlich geht es immer um Intuition, um die Reaktion im Spiel. Aber die Vorbereitung ist einfacher: Von Spielern wie ihm gibt es zig Highlight-Videos auf Youtube. Was es aber nicht einfacher macht, einen seiner Schüsse zu halten.

Abgesehen vom Fussball, was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie Paris hören?

Ich war als Kind einmal an einem Turnier in Paris. Und vor zwei, drei Jahren besuchte ich die Stadt mit meiner Frau. Wir haben den Eiffelturm gesehen, den Louvre, die Champs Élysées und den Arc de Triomphe. Eine sehr schöne Stadt mit unglaublich viel Kultur.