Basketball
Die Genfer Löwen waren zu aggressiv und bissig für die Starwings

Nur 72 Stunden nach dem feinen Erfolg über Lugano (90:73) mussten die Starwings in die Calvinstadt reisen, wo sie gegen den Ligakrösus – trotz eines guten Beginns – chancenlos blieben. Und mit 57:73 (31:42) verloren.

Georges Küng
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Auch Nathan Krill war gegen den Co-Leader Les Lions de Genève überfordert. (Archivbild)

Auch Nathan Krill war gegen den Co-Leader Les Lions de Genève überfordert. (Archivbild)

Edgar Hänggi

Basketball ist jene Sportart, in der es am meisten Statistiken gibt. In einer dieser Aberdut­zenden von Statistiken sind die Birsfelder Basketballer einsame Spitze: Bei den Ballverlus­ten. Damit ist das Hauptproblem der «Wings» bereits gesagt: Die neuformierte, durchaus talentierte und mit viel Entwicklungspotenzial ausgestattete Equipe trägt viel zu wenig Sor­ge zum Ball, versucht unmögliche Zuspiele und der Grossteil der Spieler trifft falsche Ent­scheidungen – in Genf, gegen den Co-Leader, waren Branislav Kostic mit sieben Ball­verlusten und der völlig indisponierte US-Profi Matthew Milon die Hauptsünder. Müsste man den weiterhin angeschlagenen Milon nur aufgrund seiner Leistung gegen Les Lions beurteilen – er dürfte sich nicht Berufs-Basketballer nennen und acht von neun Nationalli­ga-A-Klubs hätten für den Amerikaner ein Rückflug-Ticket in die USA gebucht...

Gut angefangen, aber wirr aufgehört

Nach einer Minute führten die Starwings mit 6:2 und bis zum 8:8 (3.) hielten die Unterba­selbieter mit. Aber natürlich ist Genf eine Equipe, die ausser Reichweite liegt. Eine interna­tionale Equipe, mit Amerikanern, Litauern und Serben – und selbst der 10. Mann, Thomas Jurkowitz ist ein Schweizer Internationaler, wenn auch französischer Provenienz. Dass die Gäste die zweite Halbzeit nur mit sechs Punkten verloren, ist auch der Nachlässigkeit der Genfer zu verdanken, die vor allem bei den Dreiern (4 von 20) eine miserable Wurfquote hatten. Die Starwings brauchten für ihre vier Dreier nur elf Versuche.

In der 1. Halbzeit bot Deondre Burns eine One-Man-Show. Er warf in 20 Minuten gleich 17 Punkte – und hatte mehr als der Rest seiner Teamkollegen zusammen. Sein brachialer Dunking, nach einem feinen back-door-Pass löste bei den Genfer Kommentatoren im Live­stream Jubelgeschrei sei und im Match-Chat wurde von einem «sacré-joueur» gespro­chen. Doch der Titelkandidat war von dieser Burns-Show wohl «not very amused», so dass Burns nun noch enger gedeckt wurde – und in den zweiten 20 Minuten wurde der Starwings-Spielmacher (und «Mädchen für alles») wieder zu einem Normalsterblichen.

Ilija Vranic konnte erstmals in dieser Saison überzeugen; das wird wichtig sein, weil die beiden «Türme» (Cheiks Sane und Yafet Haile) weiterhin rudimentär und wild verteidigen und sich sofort Foulspiele einhandelten. Dass beide vorzeitig ausfielen, ist nicht nur den Refs anzukreiden, welche – solange das Spiel einigermassen «offen» war – von drei Pfif­fen deren zwei gegen die Starwings pfiffen. Ein Dauerzustand in dieser Saison 2020/21.

Viel zu viele Ballverluste

Bereits am Samstag geht die Reise weiter. Die Starwings gastieren bei Monthey, das heu­er eine solide Mittelfeld-Mannschaft ist, denn die Zeiten, wo die Walliser zuhause un­schlagbar waren und um den Titel kämpften, sind vorbei. Doch solange die Starwings in jedem Match 25 Bälle verlieren (selbst der punktelose Tabellenletzte Nyon verliert «nur» deren 13 Bälle!), mehr mit den Armen als mit guter Beinarbeit verteidigen und die Center schnell foulbelastet sind, wird es schwer sein, Siege einzufahren. Und wenn drei Profis (Krill, Milon, Sane) zusammen nur 16 Punkte werfen (wobei Milon seine sieben Punkte in den letzten vier Minuten erzielte, als auf dem Feld ein «Jekami» stattfand) und Schweizer Akteure diskret bleiben (Milenkovic) dürfte auch die Partie in Monthey zur «Mission impos­sible» werden.